Sportschule Bad Blankenburg/Jena hat 60-Jähriges

Jena  Die Sportschule Bad Blankenburg/Jena feiert ihren 60. Geburtstag. Anlässlich des Jubiläums wird am heutigen Staatlichen Sportgymnasium mit angegliedertem Regelschulteil „Johann Chr. Fr. GutsMuths“ eine Festwoche gestaltet.

Aus der DDR-Neubauschule ist vor zwölf Jahren ein Schmuckstück geworden. Am Staatlichen Sportgymnasium Foto: Peter Poser

Aus der DDR-Neubauschule ist vor zwölf Jahren ein Schmuckstück geworden. Am Staatlichen Sportgymnasium Foto: Peter Poser

Foto: zgt

Dazu gehören am heutigen Donnerstag eine Feierstunde und als Höhepunkt am Sonnabend ein Ehemaligentreffen.

Das hätten sich die Absolventen aus den Anfangsjahren gewiss nicht träumen lassen, dass sie sich einmal nach zig Jahren an einer Eliteschule des Sports wiedersehen würden. Zumindest die älteren Semester dürften sich über die große Tafel am Eingang wundern. Der Begriff Elite war in der DDR nämlich nicht gewünscht.

Gleich zwei Ehrentitel als Eliten

„Ich habe immer versucht, die Eltern meiner Turner zu motivieren, indem ich ihnen versucht habe zu erklären, dass ihre Jungen zur Elite gehören, an einer besonderen Einrichtung trainieren“, erzählt Diplomsportlehrer Dieter Petersdorf. „Aber der Parteisekretär und der Klubleiter haben mich zurückgepfiffen. Meine Meinung galt als ideologisch bedenklich.“

Doch der Wind hat sich gedreht. Elite kommt schließlich aus dem Französischen und steht für Auslese der Besten. Nicht umsonst trägt die Jenaer Spezialsportschule gleich zwei Ehrentitel: Das Staatliche Sportgymnasium „Johann Chr. Fr. GutsMuths“ darf sich Eliteschule des Sports und für weitere drei Jahre auch Eliteschule des Fußballs nennen. Es ist übrigens die erste Einrichtung in Deutschland, die diese Ehrung sowohl für Jungen als auch Mädchen erhielt.

Für die Modernisierung des Sportgymnasiums hatte der Freistaat vor zwölf Jahren 5,5 Millionen Euro investiert. Es ist schon erstaunlich, was danach aus einer ehemaligen DDR-Neubauschule geworden ist. In den hellen Klassenzimmern und Fachkabinetten können sich die Sportgymnasiasten richtig wohlfühlen. Hier haben 70 Lehrer, Erzieher und Mitarbeiter im gerade zu Ende gehenden Schuljahr fast 400 Schülerinnen und Schüler unterrichtet und betreut. Von der fünften Klasse bis zur Abiturstufe. Wer nicht unbedingt die mittlere Reife nachweisen will, der Spezialsportschule ist ein Regelschulteil angegliedert. Schließlich werden nicht nur beim täglichen Training hohe Leistungen verlangt. Abstriche an der schulischen Ausbildung können wie vor 60 Jahren einfach nicht zugelassen werden. Begonnen hatte es vor sechs Jahrzehnten in Bad Blankenburg. Ein Ledigenwohnheim der Wismut diente dort als Internat. „Wir mussten im Winter die Öfen selbst heizen“, erzählte Marlies Göhr bei der Berufung junger Leichtathleten ins Sparkassen-Junior-Team. Die zehn Sportgymnasiasten nahmen‘s unaufgeregt zur Kenntnis. Die Ansprüche der heutigen Jugend sind mit denen aus tiefen DDR-Zeiten eben nicht zu vergleichen. Doch geschadet hat es der späteren Weltklassesprinterin nicht. Mit einer olympischen Gold- und zwei Silbermedaillen sowie einem WM-Titel ist die Jenaer Diplom-Psychologin für sie ein großes Vorbild.

Sportschüler Tom Meier eifert seiner Mutter nach. Petra Felke durfte sich ihr Rüstzeug für den Olympiasieg im Speerwerfen und den 80-Meter-Weltrekord auch in der Medaillenschmiede im Schwarzatal holen. Dort setzte nach neun Jahren die Spezialisierung nach Sportarten ein. Neben der Leichtathletik wurde von nun an das Gerätturnen ganz groß geschrieben.

Die Bad Blankenburger stellten wenig später mit Bernd Jäger, Wolfgang Thüne und Lot­har Müssig die halbe DDR-Riege bei internationalen Höhepunkten. Der Name des Kahlaers Jäger gehört noch heute zum Turn-Vokabular. Es bezeichnet am Reck einen Grätschsalto aus einer Kammgriffriesenfelge mit Wiedererfassen der Stange.

Nach dem Umzug der Leichtathleten, Fußballer und Turner in die Wöllnitzer Straße konnten die Gerätturner jedoch nicht an die Weltklasseleistungen der Bad Blankenburger anknüpfen.

Der Sieg des Geraers Udo Böttcher bei den Jugend-Wettkämpfen der Freundschaft 1982 in Ulan-Bator am Barren war der letzte internationale Erfolg der Thüringer Kunstturner. Wenig später musste er die Laufbahn aus Verletzungsgründen beenden. Dafür machte Böttcher beruflich seinen Weg. Nach der politischen Wende handelte Böttcher mit Büroartikeln. Mittlerweile beschäftigt der 50-jährige Wahl-Jenaer 260 Mitarbeiter in seiner Büro-Markt AG.