Thüringen Jena besiegt Schott Jena im Pokal: Der Klang der Entschlossenheit

Jena.  Der FC Thüringen Jena aus der Kreisoberliga triumphiert im Landespokal über den SV Schott Jena mit 2:0 (1:0)

Führungstorschütze Matthias Sorge verletzte sich bei dieser Aktion von Schotts Marc Schröder und musste ausgewechselt werden.

Führungstorschütze Matthias Sorge verletzte sich bei dieser Aktion von Schotts Marc Schröder und musste ausgewechselt werden.

Foto: Foto: Peter Poser/OTZ

Matthias Sorge biss auf die Zähne – und das mehrmals. Zuerst ließ es sich der Flügelflitzer nicht nehmen, unmittelbar nach dem 2:0 in der 88. Minute für seinen FC Thüringen Jena mit seinen Mitstreitern jenseits des Feldes den Platz zu stürmen, um anschließend Dominik Piskol im Kollektiv ausgiebig zu herzen. Das war nämlich die Entscheidung im Landespokal am Sonnabend auf dem Kunstrasenplatz „Am Jenzig“. Das Team aus der Kreisoberliga hatte mit dem zweiten Treffer des Tages den SV Schott Jena aus der Thüringenliga endgültig bezwungen.

Doch Sorge, der von allen nur „Matti“ genannt wird, rannte nicht wirklich auf den Platz. In seinem Fall sollte man eher auf das Wort „humpeln“ zurückgreifen, schließlich trug er in jenen Momenten lediglich am rechten Fuß noch einen Schuh. Den linken zierte indes ein Verband. Ja, ab der 63. Minute war der 26-Jährige zur Passivität verdammt. Er hatte sich im Strafraum des Gegners am Fußgelenk verletzt, wurde kurz vor seinem Abschluss noch vom Ball getrennt – und blieb liegen. Unfreiwilliger Feierabend.

Nichtsdestotrotz, beim reflexartigen Jubel-Stelldichein anlässlich des zweiten Treffers der Hausherren wollte der quirlige Kicker unbedingt mit von der Partie sein. Und so war Sorge mittendrin, als denn Trainer Steffen Geisendorf, Falk Adamek und all die anderen eine imposante Männer-Traube bildeten, um Dominik Piskol für sein Tor zu feiern.

Gut dreieinhalb Minuten später biss Sorge noch einmal auf Zähne – und zwar bei der euphorischen Thüringen-Vollversammlung am Mittelkreis unmittelbar nach dem Abpfiff. Da sprang er in großer Runde auf einem Bein und präsentierte mit seinen Teamkollegen eine auf ihren Verein gemünzte Version von „Bella ciao“.

Seinen großen Auftritt hatte Matthias Sorge jedoch im ersten Akt der Pokalbegegnung, als er nach einem engagierten Sololauf partout nicht vom Ball zu trennen war und das 1:0 in der 33. Minute erzielte. Er habe sich im Strafraum extra nicht fallen lassen, auch wenn dazu die Möglichkeit bestanden hätte, sagte Sorge, der nach seinem absolvierten Lehramtsstudium nun eine Ausbildung zum Zimmermann macht. Der Sieg von Thüringen Jena sei indes nicht irgendwelchen albernen Pokal-Gesetzten geschuldet, sondern würde schlichtweg die gute Saisonleistung der Mannschaft widerspiegeln, sagte der Jenenser nach dem Abpfiff. Das sei kein Zufall. „Wir müssen uns nicht verstecken. Wir spielen immer einen ordentlichen Fußball“, so der Flügelflitzer.

Mit dem Sieg über Schott Jena wiederum durfte Steffen Geisendorf seiner Trainer-Vita ein weiteres erfolgreiches Kapitel in Sachen Pokal hinzufügen. Er konnte mit dem Triumph über die Glaswerker an den Sieg über Wismut Gera im Jahr zuvor oder gar an das erfolgreiche Finale 2013 gegen den damaligen Drittligisten Rot-Weiß Erfurt, seinem Magnum Opus als Trainer des SV Schott Jena, anknüpfen.

Ein stadtbekannter Sportfotograf, der das Geschehen am Sonnabend festhielt, mutmaßte nach dem 1:0 für die Hausherren, dass es sich allem Anschein nach auch hierbei wieder um so ein typisches Geisendorf-Pokalspiel handeln könnte.

„Ja, das war eins“, sagte Geisendorf nach dem Abpfiff und lachte. Er habe da am Spielfeldrand immer mal wieder an besagte Partien aus der Vergangenheit denken müssen. „Einzelne Bilder kamen mir wieder in Erinnerung. Gleichzeitig gesellte sich die Angst dazu, dieses Spiel doch noch zu verlieren“, sagte der Trainer. Am Ende sei es eine Teamleistung gewesen – nicht mehr und nicht weniger, zumal er viele Ausfälle habe kompensieren müssen.

Um es an dieser Stelle kurz zu machen: der FC Thüringen Jena war die 90 Minuten über das alles bestimmende Team. Zweifelsohne. Dergleichen unterschrieb auch Schott-Trainer Falk Werner, der nach der Partie sichtbar angefressen war. „Das war blamabel“, resümierte Werner lakonisch. Er habe zwar auf zentrale Spieler wie Max Gehrmann, Luis Hübner oder Thomas Stauch verzichten müssen, doch das könne keine Entschuldigung für solch einen traurigen Auftritt in einem Derby sein, führte der Coach weiter aus. „Ich habe mich bei den Spielern von der 2. Mannschaft, die uns heute ausgeholfen haben, entschuldigt“, sagte Werner, der auch noch betonte, dass Thüringen Jena zu Recht gewonnen habe. „Sie wollten es einfach mehr.“

Besagtes Wollen spiegelte sich nicht nur in dem Mehr an zwingenden Chancen der Gastgeber wider, wobei die Glaswerker überhaupt nichts Zwingendes darboten, sondern auch im generellen Auftreten: Zweikämpfe, zum einen, Lautstärke – zum anderen. Wirklich jede noch so kleine Aktion, selbst wenn der Ball aus Sicherheitsgründen im eigenen Strafraum nur entschlossen ins Aus gedroschen wurde, bejubelten und beklatschten all jene Thüringer euphorisch, die auf der Bank ausharren mussten. Ja, der Gastgeber präsentierte sich wie eine verschworene Gemeinschaft, wie eine Gang – auch jenseits des Feldes. Ein Sound der Entschlossenheit breitete sich mitunter auf dem Kunstrasenplatz „Am Jenzig“ aus, der bisweilen an den Film „300“ erinnerte. Sparta und so. Auch das Umfeld habe einen enormen Anteil an dem Sieg, betonte Geisendorf.

„Ich bin hier nicht als Underdog angetreten“, sagte indes Matthias Sorge nach der Partie. Markige Worte, die man auf einem Zettel festhalten und als Motivation in die Kabine hängen kann – gerade mit Blick auf den kommenden Gegner. Da hoffen beim FC Thüringen Jena nun alle auf das ganz große Los: Rot-Weiß Erfurt oder – noch besser – der Platzhirsch in Sachen Fußball aus den heimischen Gefilden: der FC Carl Zeiss Jena. „Egal wer kommt, wir werden mit der gleichen Entschlossenheit antreten“, sagte Sorge. Naturgemäß durch und durch entschlossen.