Die Macht des "Engländers": 1. VSV Jena 90 startet in die Rückrunde

Ein erlesener Rück- und Ausblick unter dem Aspekt: Was das Heimpublikum für seinen VSV tun kann.

Stefan Mosig.  Foto: Anja Blankenburg

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Jena. Es war einmal ein Jenaer Fußballverein, der wollte einem fiesen Heimspielfluch ein Schnippchen schlagen: Gemeinsam mit dem Bus zum eigenen Sportplatz fahren, die "Gäste"-Kabine benutzen... "Und?" Stefan Mosig horcht auf. "Vielleicht sollten wir auch..." - Beim FC Thüringen hat der Trick damals nicht funktioniert. "Oh."

Der 1. VSV Jena 90 startet morgen in die Rückrunde, ohne bisher ein einziges Heimspiel gewonnen zu haben. Dass der Aufsteiger trotzdem bis hierher zwei Teams in der Tabelle hinter sich gelassen hat, verdankt er einem offensichtlichen Auswärts-Stärker. Oder dem wunderlichen, gewiss allen Sportlern geläufigen Umstand, dass es sich einfach besser gewinnt, wenn man meint, man müsse nicht.

Mosig jedenfalls, Außenangreifer und seit dieser Saison auch Co-Trainer des Drittligisten, macht sich bei allem Optimismus über die mannschaftliche Konstitution, seit Erfolge nicht mehr im Handumdrehen gelingen, lediglich in dem Punkt Sorgen, "dass der Druck daheim noch größer wird", je länger es dauert, und die Sache (wie mit der Katze und ihrem Schwanz) dadurch noch vertrackter wird. Vielleicht - nur so als kleine Gedankenspielerei - könnte das Jenaer Publikum zum Wohle seines Vereins auch einfach mal zu Hause zu bleiben. Nur gut, dass die VSVler zum Wiederreinkommen nach der Pause jetzt erst mal einem Auswärtswochenende entgegen sehen.

Man könnte das aber auch bedauern. Denn Stefan Mosig misst der Partie beim ASV Neumarkt einige Bedeutung zu. Das Saisonauftaktspiel hat der VSV (daheim eben) verloren. Wobei jenes 0:3 wohl eher der Nervosität zur Drittliga-Premiere geschuldet war. "Dieser ASV war absolut schlagbar", sagt Mosig, "das 0:3 rückblickend sehr ärgerlich." Aktuell gehören die Neumarkter zur Minderheit, die schlechter dasteht, allerdings punktgleich mit den Jenaern.

Eine Woche später gastiert dann der Tabellenvierte VGF Marktredwitz an der Saale. Gegen die mit starken Tschechen gespickten Oberfranken hat der VSV im Hinspiel am dritten Spieltag (auswärts eben) mit zwei gewonnenen Sätzen zum ersten Mal in dieser Liga aufhorchen lassen. Und noch mal eine Woche später empfangen Mosig und seine Männer den TSV Zschopau. Die Partie dort hatte der VSV bereits verloren, als er sich (genau: auswärts!) aufschwang, in Satz vier drei Matchbälle abzuwehren und den ersten Saisonsieg heimzubringen. Vielleicht - nur als Gedankenspielerei - könnten die treuen Fans künftig spontane nächtliche Empfangskomitees initiieren, sobald die Nachricht vom Auswärtssieg in Jena ankommt. Zum Beispiel eine weitere Woche später, wenn der VSV in München aufläuft. Hinwärts hatte man (daheim, verdammt) das Spiel mit 14:16 im Tiebreak vergeigt. Als nächstes wiederum steht dann der VC Eltmann in Jena auf dem Parkett. Gegen den allerdings hat der VSV schon auswärts "keinen Stich" gesehen, winkt Mosig ab. "Gegen alle anderen haben wir mitgespielt."

Nun ist es eins der gehüteten Geheimnisse des Sports selbst, wie man aus der Nummer mit dem selbst auferlegten Zuviel an Druck rauskommt. Mosig versteht es zwar, ein Maximum an Individual- und Mannschaftstraining in bescheidene drei Wochenstunden zu packen und dabei stolze 16 Mann Kader für jeden effektiv einzubeziehen. Als Trainer sei er "der Schleifer", sagt Mosig: "Wenn ich ‚Engländer‘ brülle...!", ein Kommando, das eine kleine athletische Grausamkeit für seine Zwei-Meter-Männer nach sich zieht. - Vielleicht sollte das mal das Heimpublikum ausprobieren...

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