Kaffeeklatsch vorm Derby zwischen 1. SV Pößneck und Rot-Weiß Knau

Pößneck  Vor dem Nachbarschaftsduell der Volleyballer aus Pößneck und Knau wagen die Trainer im OTZ-Interview einen Ausblick. Dabei geht es nicht nur ums Prestige, sondern auch um die Titelvergabe in der Bezirksliga Ost.

So viel Zeit muss sein: Jürgen Kühn (links) und Andre Weise bei einer Tasse Kaffee im Vorfeld des Volleyballderbys, das ganz nebenbei eine Vorentscheidung im Meisterschaftsrennen bringen könnte.

So viel Zeit muss sein: Jürgen Kühn (links) und Andre Weise bei einer Tasse Kaffee im Vorfeld des Volleyballderbys, das ganz nebenbei eine Vorentscheidung im Meisterschaftsrennen bringen könnte.

Foto: Alexander Hebenstreit

Die Volleyballsaison neigt sich dem Ende und am vorletzten Spieltag der Bezirksliga Ost kommt es in der Rosentalhalle zu einem echten Kracher zwischen den Herren 1. SV Pößneck und den Rot-Weißen aus Knau. Zweiter gegen Erster, Vorentscheidung um die Meisterschaft und das auch noch in einem Derby: Sportlerherz, was willst du mehr?

Im Vorfeld der Begegnung sprach OTZ-Sportreporter Alexander Hebenstreit mit den Trainern Jürgen Kühn (Pößneck) und Andre Weise (Knau) über das Mysterium des Volleyball-Liberos, Ambitionen in Sachen Aufstieg und die Konkurrenz von Jugend und Routine.

Herr Kühn, Herr Weise, eine Sache vorab: Jedes Mal, wenn ich beim Volleyball bin, frage ich mich aufs Neue, wieso der Libero ein andersfarbiges Trikot trägt. Warum?

Jürgen Kühn: Dass hat mich den Wechseln zu tun. Der Libero ist der einzige Spieler, der ohne Anmeldung ein- und ausgewechselt werden kann, und so kann das der Schiedsrichter erkennen.

Und was macht den Libero so anders, dass er diese Sonderrolle einnimmt?

Kühn: Es gibt bestimmte Dinge, die er darf und die er nicht darf. Er darf zum Beispiel nicht angreifen oder obere Zuspiele im Vorderfeld machen.

Andre Weise: Wie der Name schon sagt, ist er ein Abwehrspieler.

Kühn: Wir sagen immer, der Libero ist der einzige, der lesen und schreiben kann (lacht).

Blicken wir aufs Derby, das nicht nur ein Prestigeduell sondern auch ein Spitzenspiel ist. Der Zweite empfängt den Ersten. War das so im Vorfeld zu erwarten?

Weise: Es war auf jeden Fall davon auszugehen, dass beide Mannschaften unter den ersten Vier landen und oben mitspielen. Pößneck als Absteiger hat Ambition oben mitzumischen und bei uns war es zwar nicht das Grundziel, Meister zu werden, aber es war schon zu erwarten, dass das Aufeinandertreffen zwei Spieltage vor dem Saisonende ein Spitzenspiel wird.

Was ist denn das Grundziel in Knau? Pößneck hat den Wiederaufstieg ja offen als Zielsetzung ausgegeben.

Weise: Wir versuchen seit mehreren Jahren, junge Spieler nach und nach einzubauen. Da kann man den sportlichen Erfolg nicht immer vorne anstellen, man muss auch einmal mit einer Niederlage leben. Mit Absicht verlieren wir natürlich nicht.

Sonst wäre Ihr Team wohl auch nicht Spitzenreiter. Wie steht es denn um die Knauer Aufstiegsambitionen?

Weise: Das steht noch nicht fest. Wir handhaben das, wie in den letzten Jahren auch: Es wird vor dem letzten Spieltag eine Sitzung der sportlich Verantwortlichen geben, bei der wir überlegen, wie wir weitermachen. Sollten wir auch nach dem Spieltag Erster sein, werden wir in der Mannschaft darüber sprechen.

Gibt es eine Tendenz?

Weise: Ich denke, dass es in die Richtung geht, dass wir in der Bezirksliga bleiben würden, um den jungen Spielern mehr Einsatzzeiten zu geben. Aber ich lasse mich überraschen.

Auf einen Knauer Aufstiegsverzicht darf man sich in Pößneck also nicht verlassen. Da hilft nur eins: Das Derby gewinnen. Oder?

Kühn: Gewinnen wollen wir so oder so. Das ist ja als Sportler ganz normal.

Und was spricht dafür, dass es klappt?

Kühn: Die jüngeren Spieler, die wir seit zwei Jahren eingebaut haben, haben sich sehr gut entwickelt und gehören teilweise schon die komplette Saison zur Stammformation. Wir haben auch einen guten Trainingszustand erreicht, weil wir die Einheiten in dieser Saison intensiviert haben. Generell sehe ich die Chancen aber bei 50:50.

Was denken Sie, Herr Weise?

Weise: Ich erwarte auf jeden Fall ein ausgeglichenes Spiel mit engen Sätzen – ähnlich umkämpft wie das Hinspiel. Ich denke aber, dass wir gewinnen werden, wenn wir unser Leistungsniveau abrufen.

Was sind die größten Stärken und Schwächen des Gegners?

Weise: Ich spreche lieber über unsere Stärken. Ich denke, dass wir einen ausgeglichenen Kader mit einer höheren Bandbreite haben und sich das im Laufe des Spiels bemerkbar machen wird.

Was kann Pößneck dem entgegen setzen?

Kühn: Unsere junge Dynamik. Und mittlerweile auch, dass wir ein bisschen größer sind, was ja im Volleyball nicht ganz schlecht ist.

Das Hinspiel ging über die volle Distanz. Ist damit wieder zu rechnen?

Kühn: Ich würde mich zwar freuen, wenn es nicht so wird und wir das Spiel vorher gewinnen, gehe aber davon aus, dass es über fünf Sätze geht. Bei Knau spielt die Erfahrung eine Rolle und bei unserer jüngeren Mannschaft, kann die Kurve auch einmal nach unten zeigen – wie es im Hinspiel auch war.

Was ist denn der entscheidende Faktor in einem fünften Satz? Die größere Routine oder konditionelle Vorteile der Jugend?

Weise: Es ist jetzt nicht so, dass am Samstag eine Jugend- gegen Seniorenmannschaft spielt. Im harten Kern sind auch die Pößnecker eine sehr erfahrene Truppe. Generell spielen wie in jeder Sportart verschiedene Faktoren eine Rolle. Da es aber das erste Spiel des Tages ist, wird die Kondition eher nicht entscheidend sein.

Kühn: Das sehe ich auch so. Der mentale Faktor spielt eher eine Rolle.

Gehört auch die lokale Rivalität zum mentalen Faktor oder ist es doch nur ein Spiel, wie jedes andere auch?

Kühn: Wir gehen es an, wie jedes andere Spiel, aber es spielt in den Köpfen schon eine besondere Rolle.

Weise: Das würde ich auch so sagen. Die Mannschaften und Vereine kennen sich mitunter seit 20, 30 Jahren. Ich habe mir schon die ersten Tricks von Jürgen abgeschaut, da konnte ich noch nicht einmal spielen. Insofern ist es schon ein besonderes Duell – eben auch, weil es das aufgrund der verschieden Ligazugehörigkeit erst selten stattfand.

Kühn: Was ich immer sehr gut finde, ist, dass es zwar auf dem Spielfeld die sportliche Rivalität gibt und es ordentlich zur Sache geht, aber sowohl vor als auch nach dem Spiel vernünftig miteinander umgegangen wird. Das ist sehr wohltuend.

Welche Rolle spielt der Heimvorteil?

Kühn: Keine besonders große. Wir trainieren zwar in der Dreifelderhalle, haben dabei aber nur ein Drittel zur Verfügung.

Die Rosentalhalle war auch in den höheren Klassen auch Heimstätte des SV Rot-Weiß Knau. Hilft das?

Weise: Wir haben einige Akteure dabei, die mit dem Feld in der Mitte der Halle tolle Erinnerungen verbinden. Insofern ist es schön für uns. Wir freuen uns darauf, haben aber einen kleinen Nachteil, weil wir gegen Pößneck beide Male auswärts spielen (Anm. d. Red.: Das Hinspiel fand in Weimar statt).

Beim Fußball spielen Auswärtsteams gerne etwas defensive. Gibt es so etwas im Volleyball auch?

Weise: Nein. Es ist ein Rückschlagsport und man bekommt den Ball ja immer wieder – ob man nun will oder nicht.

Kühn: Eine grundsätzlich defensive Haltung gibt es im Volleyball nicht. Man denkt eher darüber nach, wie risikoreich man im Angriff spielt.

Beide Mannschaften haben in den letzten vier Spielen nur jeweils einen Satz verloren. Allerdings sind die letzten Spiele über einen Monat her. Kann man diese gute Form so lange konservieren?

Weise: Zum Teil schon, aber man spielt anders, wenn man nur eine oder zwei Wochen Pause hatte. Dann ist man einfach besser im Rhythmus.

Dürfen sich die Zuschauer denn auf ein Spitzenspiel zweier Mannschaften in Bestbesetzung freuen?

Kühn: Bei uns sind alle an Bord.

Weise: Wir haben zwei verletzte Mittelblocker, was uns etwas in unserer Variabilität einschränkt und ich werde leider wie schon im Hinspiel berufsbedingt fehlen. Aber auch so werden wir mit zwölf Mann anreisen.

1. SV Pößneck – Rot-Weiß Knau Aufschlag Sonnabend 11 Uhr, Rosenthalhalle PößneckIm Anschluss: 1. SV Pößneck – PSV Zeulenroda, SV Rot-Weiß Knau – PSV Zeulenroda

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