SV Wartburgstadt mit Achterbahnfahrt ins Glück

Eisenach  Volleyball, Verbandsliga: Die Frauen aus Eisenach sichern sich dank Eisfelder Schützenhilfe und des besseren Satzkoeffizienten den Staffelsieg.

Ausgelassener Jubel: Die Volleyballerinnen des SV Wartburgstadt feiern den Staffelsieg in der Verbandsliga Süd-Staffelsieg.

Ausgelassener Jubel: Die Volleyballerinnen des SV Wartburgstadt feiern den Staffelsieg in der Verbandsliga Süd-Staffelsieg.

Foto: Jensen Zlotowicz

Im Mannschaftssport gibt es viele Sprüche, die mehr oder weniger sinnvoll erscheinen. Einer von ihnen besagt, dass das zweite Jahr in einer Liga das schwerste ist. Für die Volleyballerinnen des SV Wartburgstadt hat sich das nicht bewahrheit. Ganz im Gegenteil, denn beim Saisonfinale in eigener Halle tüteten die Eisenacherinnen am Samstag nach einem dramatisch-kurios verlaufenem Turnier den Staffelsieg in der Verbandsliga Süd ein. „Es war ein fantastischer Tag, diese Momente werden die Frauen so schnell nicht vergessen“, sagte der überglückliche Trainer Michael Thiel, als er gegen Abend noch dabei war die Halle aufzuräumen. Auch das gehört zu seinem Traineramt. „Ich bin als Erster hier und gehe als Letzter heim“.

Bevor die Sekktorken knallen konnten, erlebten Thiel und seine Schützlinge eine emotionale Achterbahnfahrt. „Mein Puls war heute mehrfach auf 200“, gestand der Coach. Er durchlebte die komplette Gefühlsskala von oje-oje bis wunderbar – und benötigte nebenbei Rechenkünste. Denn bei Punktgleichheit entscheidet in Thüringen der Satzkoeffizient – dazu später im Text mehr.

Gleich zu Beginn stand das Topspiel gegen den als Tabellenführer angereisten SV 1860 Oberweißbach an. Die Frauen aus der Fröbelstadt im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt hatten vor Turnierbeginn einen Zähler Vorsprung. Für Eisenach war damit klar, dass das direkte Duell unbedingt gewonnen werden musste, um die Chance auf den Titel zu wahren. Der Gastgeber begann konzentriert, zeigte in den ersten beiden Sätzen seine gewachsene spielerische und mentale Stärke. Ina Heinz stellte mit ihren Aufschlägen den Gegner vor Probleme und im Netzangriff überzeugte speziell Ina Zaubitzer, so dass der SVW nach dem 25:20 und 25:21 einem schnellen Sieg entgegenzusteuern schien. Doch nach schneller klarer Führung schlichen sich im dritten Abschnitt zu viele Fehler ein. Oberweißbach, in dere Reihen die schlagkräftige ehemalige Regionalligaspielerin herausragte, nutzte diese Vorlage und verkürzte mit einem 25:23. Plötzlich ging beim SVW gar nichts mehr und Abschnitt vier endete mit einem 16:25. „In dieser Phase haben die Mädels zu viel nachgedacht“, erkannte Thiel. Im Nervenkrimi stand der SVW mit dem Rücken zur Wand. Doch er hatte in der gut gefüllten Halle auch eine Wand hinter sich. Der Trommelwirbel spornte an, zudem brachte Thiel in der Satzpause mit beruhigenden Worten die nötige Lockerheit zurück ins Team. Erneut kippte das Spiel, Eisenach dominierte den Tie-Break und schob sich mit dem 15:9 zumindest in der Blitztabelle“ wieder nach vorn.

Nach kurzem Durchatmen ging es ins Match gegen den SV 03 Eisfeld, das für die Eisenacherinnen unter dem Motto stand „Satzverlust verboten“. Das gelang jedoch nicht, denn nach zwei überlegenen Abschnitten (25:19, 25:15) flatterten erneut die Nerven. Doch der SVW hakte das 21:25 schnell ab, fing sich und holte sich mit einem 25:17 den enorm wichtigen 3:1-Sieg. Reich es oder reicht das nicht?, lautete nun die Frage. Eisenach benötigte Schützenhilfe und drückte Eisfeld die Daumen. Die bangen Minuten endeten im zweiten Satz, als Oberweisbach den 1:1-Ausgleich hinnehmen musste. Damit stand Eisenach als Staffelsieger fest. Obwohl Oberweißbach noch mit 3:1 (25:16, 22:25, 25:20, 25:22) siegte und nach Punkten (39) mit dem SVW gleichzog, hatte Eisenach aufgrund des Satzkoeffizienten, der aus dem Verhältnis verlorener und gewonnener Sätze errechnet wird mit 2,58:2,47 die Nase vorn.

Ob sich die Mannschaft nun der Herausforderung Thüringenliga stellt und das Aufstiegsrecht wahrnimmt, ist noch offen. „Jetzt sollen die Frauen erst einmal den Erfolg genießen. Wie es weitergeht, werden wir dann in den nächsten Tagen in Ruhe besprechen“, so der Coach. Bis Ende März – dann muss dem Verband eine Entscheidung vorliegen – hat der SVW noch Bedenkzeit.

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