Uwe Klenz vom 1. VSV Jena 90: "Wir waren nie auf eigenen Nachwuchs angewiesen"

Der 1. VSV Jena 90 hat einen neuen Vorstand, bleibt aber an der Spitze seit annähernd 20 Jahren beim "Alten": Uwe Klenz über Jugend, Geld und mangelnden "Arbeitsschutz". Im Gespräch mit Anja Blankenburg.

Uwe Klenz. Foto: Anja Blankenburg

Uwe Klenz. Foto: Anja Blankenburg

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Jena Zum Jahresende bereits hat der 1. VSV Jena 90 einen neuen Vorstand gewählt. Präsident ist - wieder - der "alte":

Uwe Klenz, wissen Sie überhaupt, zum wievielten Mal Sie den Posten übernehmen?

Nein, das weiß ich nicht mal. Ich bin seit ‘94 oder ‘95 im Amt.

Was beschäftigt den Vorstand - einst und heute?

Viele Jahre stand das Thema Nachwuchsarbeit ganz oben an. Nachdem wir 2001 mit unserer ersten Damenmannschaft den Sprung in die Thüringenliga geschafft und uns da fast zehn Jahre gehalten hatten, traf der vom Landesverband verhängte Zwangsabstieg uns hart. Wegen mangelnder Nachwuchsarbeit mussten die Damen zurück in die Oberliga. Das könnte uns im Moment jedenfalls nicht passieren. Und dafür haben wir viel, viel getan. Als ich damals dieses Schreiben in den Händen hielt, da habe ich mir geschworen: So was kommt nicht noch mal vor!

Wieso hat der Verein denn eigenem Nachwuchs vorher keine größere Aufmerksamkeit zukommen lassen?

Wir waren als Verein nie auf eigenen Nachwuchs angewiesen, um den Bestand unserer Mannschaften zu sichern. Wir sind es bis heute nicht. Es kommen jedes Jahr Anfragen von Spielern und Spielerinnen, die von anderswo her nach Jena zum Studium kommen. Dieser ‚Luxus' erwies sich damals als Stolperstein. Wir hatten einfach keinen Druck. Plötzlich hatten wir ihn - weil es Regularien gibt.

Welche Jugendmannschaften werden aktuell geführt?

Wir haben je eine männliche U14, U16 und U18 und je eine weibliche U14, U16 und U20 - wobei letztere für den Universitätssportverein startet.

Die Kooperation mit dem USV ist jetzt ein gutes Jahr alt und war gewissermaßen aus dem Mangel geboren. Hat sie sich als guter Zug erwiesen?

In keinem der beiden Vereine langte es in der Altersklasse für eine eigene komplette Mannschaft und trainiert wurden die Älteren zusammen mit den Jüngeren. Also beschlossen wir gemeinsame Sache. Natürlich waren die Mädchen am Anfang skeptisch. Aber die Vorteile leuchteten wohl auch schnell allen ein. Freundschaften waren ebenfalls ruckzuck geschlossen.

Auch ohne im Erwachsenenbereich darauf angewiesen zu sein - ist man nicht dennoch bestrebt, eigene Talente voran zu bringen?

Klar! Im Damenbereich hat der VSV zuletzt aus den eigenen Gewächsen eine zweite Mannschaft im Landesklasse-Spielbetrieb neu an den Start gebracht. Bisher konnten die jungen Mädels zwar lediglich einen Satz für sich verbuchen. Aber sie sind zäh, sie geben nicht auf.

Wenn es das Thema Jugend nicht mehr ist - was beschäftigt den Vorstand heute?

Die Ersten Herren sind natürlich in den Fokus gerückt, jetzt, da der VSV zum ersten Mal auf Bundesebene präsent ist.

Sportlich ist der Verein binnen zweier Jahre förmlich die Treppe rauf gefallen. Wie kommt da ein unerfahrener Verein strukturell hinterher?

Davon kann noch keine Rede sein. Das ganze Rundherum fordert unsere wenigen Engagierten schon ganz schön heraus.

Was denn zum Beispiel?

Schon die Organisation für einen Heimspieltag: Wer erstellt und druckt die Flyer, wer übernimmt den Getränkeverkauf, wer macht den Hallensprecher, wer kümmert sich um die Musik... Man muss an vieles denken, und sich zur Not auch selbst hinter den Ausschank stellen. Obwohl ich mich auch lieber auch mal unter die Zuschauer mischen würde, ein paar Leute persönlich begrüßen, oder auch mal ein Spiel aufmerksam ansehen.

Gibt es neue Gesichter und Funktionen im Vorstand?

Zum Beispiel Andreas Fiedler, seines Zeichens Kapitän der Zweiten Herren, der als so genannter Leistungskoordinator Spieler entwickeln und zwischen den Trainern vermitteln soll - manchmal muss da einer ein bisschen gut zureden.

Was haben Sie auf dem Wunschzettel für die Zukunft des Vereins?

Erstens, dass ich endlich mal von allen Mannschaften unverzüglich eine Meldung kriege, wie sie gerade ein Spiel beendet haben. SMS reicht. Auch einen freiwilligen Schiedsrichter-Anwärter würde ich gern sehen. Zwei B-Schiris muss der Verein ob seiner Drittliga-Mannschaft melden. Mit Volker Luther von unseren ‚Senatoren‘ und Frank Eberhardt, dem Trainer der Ersten, haben wir zwar zwei. Aber es gefällt mir eigentlich nicht, dass Frank Eberhardt neben seinen vielen anderen Aufgaben auch noch durch Thüringen und Sachsen fahren muss, um Spiele zu leiten. Eine Alternative aber fehlt momentan. Obwohl wir die nötige Ausbildung als Verein auch bezahlen würden.

Stichwort Geld. Kommt das auf Ihrem Wunschzettel nicht vor?

Doch, doch. 50 000 im Jahr für den gesamten Verein, 15 000 allein für die Ersten Herren würde ich sofort nehmen. Für die Dritte Liga haben wir im Vergleich zu anderen in der Spielklasse bis zu einem Zehntel des Budgets.

Wofür gibt die Konkurrenz denn so das Geld aus, das ihr nicht habt?

Vor allem im Personalbereich, natürlich auch für Spielerausstattung, einen Bus, den die Spieler nicht selber lenken müssen... Unsere fahren ja teils am Vormittag los, spielen am Abend und kommen in den frühen Morgenstunden erst daheim an - ohne einen separaten Fahrer. Sowas würde ich in meiner beruflichen Funktion niemals zulassen, dass jemand länger als zehn Stunden am Stück arbeitet. Und ganz was anderes ist das hier ja auch nicht.