Wissenswertes über Wismut Gera: Fibel erzählt viele Geschichten

Gera  Autor Mario Krüger macht in seiner Lesung im Stadion am Steg neugierig auf sein eben erschienenes Buch.

Knapp 50 interessierte Zuhörer erleben die Lesung von Buchautor Mario ­Krüger im Stadion am Steg.

Knapp 50 interessierte Zuhörer erleben die Lesung von Buchautor Mario ­Krüger im Stadion am Steg.

Foto: Jens Lohse

Wann wird Wismut Gera schon einmal in einem Atemzug mit dem FC Bayern München, dem 1. FC Köln oder dem FC St. Pauli genannt?

In der Reihe „Fußballfibel“ von Herausgeber Frank Willmann ist es so. Seit Anfang Dezember ist das Werk über den Traditionsverein in Orange-Schwarz in den Buchhandlungen oder online zu bestellen. Geschrieben hat es mit Mario Krüger ein Wismut-Fan. Der 39-Jährige verfolgt seit Mitte der 1980er-Jahre die Spiele der Geraer Fußballer. Zu einer ersten Lesung hatte er kürzlich mit Unterstützung des Vereins ins Stadion am Steg eingeladen. Knapp 50 Zuhörer waren gekommen, um den Geschichten um die schönste Nebensache der Welt zu lauschen. Die meisten von ihnen gingen mit einer Fußballfibel nach Hause.

50 Cent pro Buch für den Nachwuchs

Vor zweieinhalb Jahren entschied sich Mario Krüger, das Buch über Wismut Gera zu schreiben. Zwölf Monate brauchte er für das Manuskript. Neben eigenen Erfahrungsberichten recherchierte der Wismut-Anhänger im Stadtarchiv, in der Bibliothek und führte viele Gespräche mit Urgesteinen der Geraer Fanszene wie Wolfgang Teske. 50 Cent pro Buch gehen an die Nachwuchsabteilung der Wismut-Fußballer. Eingeteilt hat Mario Krüger sein Werk in drei große Kapitel. In „Vorwendezeit“ beschäftigt er sich mit der Entstehung des Vereins von den Anfängen nach dem Krieg als SG Gera-Pforten, über Gera Süd, Mechanik Gera, Motor Gera bis hin zur Wismut, mit den insgesamt sechs Spielzeiten in der DDR-Oberliga und den diversen Aufstiegsrunden. Am Steg las Mario Krüger das Kapitel über die letzte Geraer Oberliga-Spielzeit 1977/78.

Mit Kollektivgeist und Willensstärke hatte der junge Trainer Dietmar Pohl ein Team geformt, dem der Aufstieg gelungen war. Gerhard Hoppe, Udo Korn, Matthias Kaiser, Dieter Schirrmeister, Harald Irmscher, Ulrich Kühn, Ralf Kraft und andere bildeten eine verschworene Gemeinschaft, die allerdings in der höchsten DDR-Spielklasse ohne nennenswerte Neuzugänge auskommen musste. „Die finanziellen Mittel waren durchaus vorhanden. Aber eingezwängt zwischen Carl Zeiss Jena und Wismut Aue blieben Verstärkungen weitestgehend aus“, verrät Mario Krüger im Buch. Nach vielversprechendem Beginn mit drei Unentschieden gegen Rot-Weiß Erfurt (0:0), beim FC Karl-Marx-Stadt (1:1) und gegen Vorwärts Frankfurt/Oder (2:2) gelang in der Folge nicht mehr viel. Mit 6:40 Punkten und 17:75 Toren stiegen die Geraer als abgeschlagener Tabellenletzter sofort wieder ab. Der einzige Saisonsieg mit einem 2:1 bei Wismut Aue blieb ebenso in Erinnerung wie das Ausscheiden im FDGB-Pokal-Achtelfinale gegen Rot-Weiß Erfurt, nachdem man in der Blumenstadt das Hinspiel noch mit 2:1 gewonnen hatte.

Ausschreitungen gab es im Herbst nach der 2:3-Heimniederlage gegen Sachsenring Zwickau auf dem Hauptbahnhof, in deren Folge anschließend einige Anhänger bis zum Saisonende mit Stadionverbot bedacht wurden. Die namentliche Aufstellung der Sünder war im nächsten Programmheft gegen Lok Leipzig zu finden.

Vereinsentwicklung bis zur Insolvenz im Jahr 2003

Im Kapitel zwei beschreibt Mario Krüger die Vereinsentwicklung bis zur Insolvenz im Jahr 2003. Da stehen die Fans mehr im Mittelpunkt der Beschreibungen. Schon zu DDR-Zeiten hatte sich mit dem „Erzhammer“ im Herbst 1979 ein erster Fanclub gegründet, den der Autor als „wilden Haufen“ tituliert, der sich bei den Anhängern von Lok Leipzig auf einer langen gemeinsamen Zugfahrt Richtung Rostock im Mai 1983 viel Respekt verschaffte. Verfeindet waren die Geraer damals mit den Fanlagern aus Jena, Zwickau und Aue. Beim Gastspiel des VfB Stuttgart in Trnava 1986 musste man sich im Hotel nach einer Schlägerei vor aufgebrachten Gastgeber-Fans verstecken.

Die kleinen Geschichten machen das Buch zu einem wertvollen Zeitdokument. So gewannen die Wismut-Fans kurz nach der Wende ein Fan-Turnier in Fürth, wurden aber nur noch einmal eingeladen, weil man auch im Alkoholkonsum Spitze und negativ aufgefallen war. Als 1993 der 1. SV Gera entstand und die Vereinsfarben in Rot-Blau-Gelb wechselten, wandten sich viele Anhänger ab. Nach dem Zwischenhoch Landesmeistertitel 1999 und Oberliga-Aufstieg folgte vier Jahre später die Insolvenz.

Im dritten Kapitel widmet sich Mario Krüger dem Neubeginn im Sommer 2003, als man eine Woche vor Saisonstart noch keine Mannschaft beisammen hatte. Udo Korn nahm sich der Wismut als Trainer an. Die Spieler, die in dieser Situation in der Bezirksliga zum Verein hielten, werden von den Fans heute noch als Helden verehrt. „Der Zusammenhalt war damals toll. Platz fünf am Saisonende und eine Serie von zehn ungeschlagenen Spielen konnten sich unter diesen Umständen sehen lassen“, beschreibt Mario Krüger, der während der Lesung neugierig auf mehr machte.

Von Fans für Fans: Geraer schreibt Fußballfibel über BSG Wismut Gera

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