Zeulenrodaerin Heike Bergmann läuft für den Karlex

Dresden/Zeulenroda.  Heike Bergmann dreht beim Spendenlauf ihre Runden im Zug – blaue Flecke inklusive

Laufen im Zug. Die Zeulenrodaerin Heike Bergmann nimmt die „schräge Idee“ gern war für einen Spendenzweck.

Laufen im Zug. Die Zeulenrodaerin Heike Bergmann nimmt die „schräge Idee“ gern war für einen Spendenzweck.

Foto: Christian Poppitz

Zug um Zug soll der Karlex wieder ins Rollen kommen. Eine Herkulesaufgabe, den Vorzeigezug der Deutschen Reichsbahn wieder auf die Schiene zu bekommen. Ein Förderverein ehrenamtlicher Eisenbahnfreunde hat sich der Aufgabe angenommen – und ist für jeden Euro dankbar.

Am Wochenende nahm der Karlex wieder einmal Fahrt auf, im übertragenen Sinne. Ein Spendenlauf sollte etwas Geld in die Kasse bringen und das Projekt der Dresdner über Mitteldeutschland hinaus bekannt machen.

Schräge Idee

„Was für eine schräge Idee. Laufen durch einen Zug“, sagte Heike Bergmann. Ein Ultraläufer aus Dresden hatte die Zeulenrodaerin angesprochen, ob sie bei dem Spendenlauf mitmachen wolle. „Ich hab’ ja schon viele verrückte Dinge gemacht, aber durch einen Zug bin ich noch nicht gelaufen.“ Die 57-Jährige sagte zu, ohne zu wissen, was läuft. Am Sonnabend und Sonntag absolvierte Heike Bergemann Runde um Runde, 1,5 Stunden am ersten und 2,5 Stunden am zweiten Tag. „Am Sonntag waren das über zweihundert Runden.“

Am Ein- und Ausstieg waren Treppen aus Europaletten montiert worden, der Ein- und Ausstieg kein Problem. Außen an den Waggons vorbei, hieß es durchpusten und dann die Gedanken zusammen nehmen, um vielleicht doch ohne Blessuren durch die vier Waggons zu kommen.

Die Distanz war es nicht, mögen es um die 40 Kilometer gewesen sein, die den Karlex-Lauf so schwierig machte. Heike Bergmann ist schließlich 24-Stundenläufe gewohnt. 2018 nahm sie mit Team-Bronze ihren Abschied aus der Nationalmannschaft.

„Es geht eng zu im Zug, da musst du ums Eck, dann durch die Schiebetüren zwischen den Waggons und um die Tische im Speisewagen“, sagt sie und krempelt ihre Ärmel hoch. Die blauen Flecken hat sie nicht gezählt. „Jeder Blick auf die Uhr, jedes Mal, wenn ich mir den Schweiß abgewischt habe, bin ich angeeckt.“ Das sei den anderen Startern nicht anders ergangen.

Im Schlafwagen übernachtet

Halb so wild, das alles, sagt sie. Heike Bergmann hat wie die anderen handverlesenen Läufer ihr Startgeld auf 250 Euro aufgerundet und für die Restaurierung gespendet. „Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich in einem Schlafwagen vor einem Lauf übernachten werden“, sagt sie. Den „Karlex“ kennt sie nur vom Hören und Sagen und ist beeindruckt vom schnittigen Schnellzug aus DDR-Zeiten. Im Speisewagen wurde das Abendbrot gereicht, im Schlafwagen wurden die Betten herunter geklappt.

„Ich hab’ es nicht bereut mitzumachen“, sagt sie. 2023 soll der Karlex wieder rollen, von Dresden nach Görlitz. Und da wurde von den Ultraläufern am Wochenende auch die Idee geboren – für einen Lauf von Dresden nach Görlitz.

Auch für dieses Jahr hatte Heike Bergmann Pläne geschmiedet, wollte am 25./26. September zum 6. Mal beim Spartathlon starten, 246 Kilometer in 36 Stunden lautet die Vorgabe. Zum Ausklang des Corona-bedingt ausgedünnten Sportjahres steht zum 14. Mal in Folge der Borna-Marathon auf dem Programm, den sie einst als Barfuß-Läuferin für sich entdeckte.