Zierlicher Franzose mit großem Namen

Schleiz.  Geschichten vom Schleizer Dreieck: Eric Offenstadt vergleicht den Sozialismus in der DDR mit einem Science-Fiction-Roman.

Zweimal gewann der Franzose Eric Offenstadt den Rennwagenlauf. (Archivfoto)

Zweimal gewann der Franzose Eric Offenstadt den Rennwagenlauf. (Archivfoto)

Foto: Jürgen Müller

Als im August des Jahres 1966 Eric Offenstadt gemeinsam mit Werner Musiol den Gedenkstein an der Haarnadelkurve mit dem Tagesschnellsten enthüllte, hatte sich der zierliche Franzose auf dem Schleizer Dreieck längst einen Namen gemacht.

Bereits zweimal gewann er zuvor den Formel-Junior-Lauf beziehungsweise Formel-3-Lauf. 1963 überquerte er erstmals den Eisernen Vorhang in Richtung Schleiz. Sein erster Eindruck war ernüchternd: „Ich erinnere mich noch heute, wie die Grenzposten mit Spiegeln unter meinen Transporter schauten“, so Offenstadt. Auch der dominante Geruch der Zweitaktabgase und die eintönige Bekleidung der Bevölkerung sind bei ihm im Gedächtnis geblieben.

„Das Ganze war für uns wie der Einstieg in einen Science-Fiction-Roman. Es war für uns die Entdeckung einer anderen Welt. Gleichzeitig waren die Menschen sehr interessiert daran, wie das Leben in der kapitalistischen Welt abläuft“, fährt er fort.

Oft mit DDR-Bürgern im Gespräch

Gerne kam er mit DDR-Bürgern ins Gespräch. „Ich hatte die Gelegenheit mit Studenten zu diskutieren. Einige von ihnen waren sehr glücklich, alles kostenlos zu haben: Studium, Bibliothek, Schwimmbad. Mir schien die Grundidee gut, aber die Männer an der Macht waren dem nicht würdig“, so der Eindruck von Offenstadt.

Die Organisatoren und Zuschauer in Schleiz hat der Franzose in sehr guter Erinnerung – bis auf einen Zwischenfall, als ihm ein Polizist auf dem Weg ins Fahrerlager verhaftete, weil er eine junge Frau aus Schleiz in seinem Transporter mitgenommen hat.

Orangen für die Tochter eines Freundes

Für ihn war der Fall schnell erledigt. Welche Konsequenzen es für die Beifahrerin gab, ist nicht bekannt. Eine Freundschaft verband Offenstadt mit dem DDR-Piloten Max Byczkowski, für dessen Tochter Eva der Franzose stets Orangen mitbrachte.

Traurig stimmte ihn, als er erfuhr, dass Byczkowski enteignet wurde. Die Porzellanfabrik des Grimmaers wurde überführt. Der ehemalige DDR-Meister musste seinen Lebensunterhalt zukünftig als Taxifahrer verdienen.

Eric Offenstadt begann seine Laufbahn als Zweiradpilot. Zwischen 1963 und 1968 war der Franzose ausschließlich auf vier Rädern unterwegs. Unfälle, schlechte Autos und eine schwere Krankheit brachten ihn 1969 wieder zu den Motorrädern, wo er in der Halbliterklasse unterwegs war.