Urteil gegen Corona-Test in Portugal: Was taugt der PCR-Test?

Gera.  In Portugal hat ein Gericht die Corona-Quarantäne aufgehoben, die nach einem positiven PCR-Test zustande gekommen war. Wir haben in Thüringen nachgehakt.

Das Institut für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Jena untersucht Proben auf das Coronavirus.

Das Institut für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Jena untersucht Proben auf das Coronavirus.

Foto: Tino Zippel

In Portugal hat das Berufungsgericht von Lissabon die Quarantäne für vier Personen aufgehoben, von denen eine mit einem PCR-Test positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Kritiker sehen sich damit bestätigt, dass der Test unzuverlässig sei und falschpositive Fälle produziere. Hat das Urteil eine Signal­wirkung für Deutschland? Wir haben eine Expertin befragt und die Praxis von Gesundheitsämtern in Thüringen erkundet. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

So begründet das Gericht in Portugal sein Urteil

Das portugiesische Gericht sah die Quarantäne aus zwei Gründen als nicht verhältnismäßig. Zum einen sei nicht erkenntlich, dass in dem Fall ein Arzt die Diagnose gestellt habe. Zum anderen ist nach Auffassung des Gerichtes der PCR-Test nicht zuverlässig, jedenfalls dann, wenn der CT-Wert hoch ist.

„Der CT-Wert gibt an, wie oft das genetische Material in einer Probe repliziert werden muss, bevor das Gerät darin die RNA des Virus detektieren kann“, erläutert Bettina Löffler. Die Professorin leitet das Institut für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Jena. „Internisten und Intensivmediziner können anhand des CT-Wertes einschätzen, wie infektiös ein Patient ist.“ Im portugiesischen Fall lag kein CT-Wert vor.

Das Jenaer Unilabor liefert den Wert mit. „Bei uns befunden nur Ärzte oder Naturwissenschaftler, die in das System eingearbeitet sind, die Detektionskurve. Dabei untersuchen sie, wann und wie diese Kurve ansteigt. Bei CT-Werten über 30, insbesondere über 35, beurteilen wir Kurven äußerst kritisch“, sagt Löffler.

So agieren die hiesigen Gesundheitsämter

Eine Stichprobe bei hiesigen Gesundheitsämtern zeigt, dass der CT-Wert keinen Einfluss auf die Quarantäneentscheidung hat. „Wenn eine Person positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde, werden immer weitergehende Infektionsschutzmaßnahmen, zu denen auch die Quarantäne gehört, erlassen. Der Fachdienst Gesundheit orientiert sich dabei nicht an bestimmten CT-Werten“, sagt Stefanie Braune von der Stadt Jena. Die Stadt Gera kann keine Auskunft auf die Frage geben, bis zu welchem CT-Wert eine Quarantäne verhängt wird, und verweist an Labore oder das Robert-Koch-Institut. Beim Landkreis Greiz findet der CT-Wert keine Berücksichtigung. „Der Labornachweis zählt“, sagt Sprecherin Ilona Roth.

„Die Anordnung der Quarantäne wird von einem Arzt unterzeichnet“, sagt Julia Weiß vom Landratsamt des Saale-Orla-Kreises. Der CT-Wert spielt keine Rolle, weil nicht jedes Labor diesen angebe und es keinen Standard für den Wert gebe.

Das Robert-Koch-Institut bestätigt das. CT-Werte variierten in Abhängigkeit von Abstrichqualität und Testdetails. Zum Kriterium wird er, wenn Patienten zehn Tagen nach Symptombeginn immer noch positiv getestet sind, aber der Wert über 30 liege. Dann könne eine Entlassung aus der Isolierung erfolgen.

So wirkt sich das Urteil in Deutschland aus

Rechtlich entfaltet das Urteil aus Portugal keine Wirkung in Deutschland. Wer sich zu Unrecht aufgrund eines Tests unter Quarantäne gestellt sieht, kann dagegen klagen.

Institutsdirektorin Löffler verteidigt den PCR-Test indes gegen die Kritik. Er sei das genauste Hilfs­mittel zur Diagnose einer Corona-Infektion. Antigen-Schnelltests seien viel anfälliger für Fehler. „Ganz generell, aber insbesondere bei niedrigen CT-Werten, ist der PCR-Test der Goldstandard, um SARS-CoV-2 im Nasen-Rachen-Raum nachzuweisen“, sagt die Fachärztin. „Eine hohe RNA-Last kann nicht in die Nase kommen, ohne dass die Viren dort repliziert worden sind und dieser Mensch infiziert ist.“

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