Urteil gesprochen: Maurer verprügeln Köchin und werfen Leiche aus Fenster

Gera.  Zwei Männer wollten mit einer vorgetäuschten Zugpanne der Bestrafung entgehen. Nun hat sie das Landgericht Gera wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt.

Die Verteidiger Helge Klein (2. von links) und Carl Sommer mit ihren Mandanten.

Die Verteidiger Helge Klein (2. von links) und Carl Sommer mit ihren Mandanten.

Foto: Tino Zippel

Sie hatten versucht, sich mit einer vorgetäuschten Zugpanne dem Urteil zu entziehen. Doch die Polizei hat zwei Maurer, 58 und 59 Jahre alt, in Altenburg aufgespürt und in Haft genommen. Das Landgericht Gera hat nun Recht gesprochen. Beide haben das Leben einer Köchin auf dem Gewissen.

Was war passiert? Am Abend des 6. April 2017 kamen die beiden Angeklagten, zwei weitere Männer und das spätere Opfer in einer Wohnung in Altenburg-Nord zusammen. Alle kennen sich, gehören dem Trinkermilieu an. Als sie zusammensitzen und Alkohol konsumieren, eröffnet die Frau den nun Angeklagten, dass sie am gleichen Tag bei der Polizei gewesen sei. Dort habe sie die beiden als Verdächtige für einen Einbruch in ihrer Wohnung benannt. Ein Streit entbrennt.

Frau erstickt, während die Männer weiter Alkohol trinken

Für die erste Strafkammer unter Vorsitz von Uwe Tonndorf steht nach der Beweisaufnahme fest: Der ältere Angeklagte hat die Frau mehrfach auf den Kopf geschlagen. Anschließend hat der jüngere Angeklagte mit den Füßen auf die am Boden Liegende eingetreten. Die Frau erleidet schwerste Verletzungen. Blut läuft in ihre Lunge, sie erstickt. Keiner ruft einen Notarzt. Stattdessen trinken die Männer weiter. Zwei von ihnen brechen auf, um Nachschub vom Supermarkt zu holen.

Sonderlich heben die Ausführungen des Vorsitzenden die einstigen Bauarbeiter nicht an. Beide haben Knasterfahrung, einer schmunzelt immer mal wieder. Das Gericht beruft sich auf die Aussagen des Geraer Rechtsmediziners Hans-Peter Kinzl, wonach die Frau noch in der Wohnung verstorben sei. Schließlich habe einer der Männer – laut Strafkammer sehr wahrscheinlich der ältere, große und kräftige Angeklagte – die Tote aus dem Fenster geworfen, um das Verbrechen als Unfall zu tarnen. „Im Zweifel für den Angeklagten müssen wir davon ausgehen, dass ihm bewusst war, dass sie schon tot war“, sagt Tonndorf.

Staatsanwaltschaft wollte Verurteilung wegen Totschlags

Staatsanwältin Caroline-Sophie Graf-Jena hatte für den älteren Angeklagten elf Jahre Freiheitsstrafe wegen Totschlags beantragt, sein Verteidiger drei Jahre wegen gefährlicher Körperverletzung. Für den jüngeren Angeklagten plädierte die Staatsanwältin auf zehn Jahre wegen Totschlags, seine Verteidiger Carl und Martin Sommer stellten keinen konkreten Antrag, aber verlangten einen Freispruch vom Totschlag. Die Vertreterin des Sohnes der Getöteten, Franziska Schäfer, schloss sich der Staatsanwältin an.

Einen Tötungsvorsatz hingegen erkennt die erste Strafkammer nicht, wohl aber jenen für lebensgefährliche Verletzungen. Sie entscheidet auf Körperverletzung mit Todesfolge. Weil der Jüngere der Frau die tödlichen Verletzungen beigebracht hat, soll er sieben Jahre in Haft, der ältere sechs Jahre. Beide hatten zur Tatzeit zwischen zwei und drei Promille Alkohol im Blut. Eine verminderte Schuldfähigkeit aufgrund der Alkoholisierung sieht das Gericht nicht, wohl aber eine Abhängigkeitstat – beide müssen in die Entzugsklinik. Vorab sollen sie einen Teil der Haftstrafe absitzen. Für den jüngeren gelten sechs Monate als bereits verbüßt, weil das Verfahren so lange gedauert hat.

Der Prozess hatte zunächst am Amtsgericht Altenburg begonnen, bis sich zeigte, dass die Frau schon vorm Sturz gestorben war. Darauf gab das Schöffengericht angesichts der Straferwartung ans Landgericht ab. Die erste Strafkammer war aufgrund vieler Haftsachen aber überlastet, sagt der Vorsitzende Richter: „Das liegt uns Berufsrichtern schwer im Magen, dass die Tat so lange ungesühnt geblieben ist.“

Sofortige Haft nach Foppen des Gerichtes

Die Aktion der Angeklagten, der Verhandlung vorige Woche fernzubleiben, bringt ihnen nun die sofortige Haft wegen Fluchtgefahr ein. Was der Ältere nicht wusste: Die Polizei hörte vorige Woche sein Handy ab. Er versuchte, bei einem Kumpel für zehn Tage unterzukommen. Zudem kündigte er seine Buskarte beim Verkehrsbetrieb im Altenburger Land. Er sei bis nächstes Jahr im Mai in einer Maßnahme, sagt er am Telefon als Begründung. Er wird wohl noch länger keine Monatskarte brauchen.