Wie der Intershop-Turm in Jena seine Leuchtreklame verliert

Jena.  Am Montag haben die Arbeiten an Jenas markantestem Gebäude begonnen: Wir waren beim Abbau des Schriftzuges am Intershop-Turm dabei.

Toller Ausblick bei der Arbeit: Ralf Görner (links) und Timo Wernicke warten gut gesichert an der Brüstung auf Buchstabenteile, die ihre Kollegen hochreichen.

Toller Ausblick bei der Arbeit: Ralf Görner (links) und Timo Wernicke warten gut gesichert an der Brüstung auf Buchstabenteile, die ihre Kollegen hochreichen.

Foto: Tino Zippel

„Wir sind die Demontage in luftiger Höhe gewohnt“, sagt Timo Wernicke. Der Leuchtwerkmonteur des Leipziger Unternehmens NEL Neontechnik gehört zum vierköpfigen Team, das in den kommenden zwei Wochen den Intershop-Schriftzug vom höchsten Büroturm Thüringens entfernen soll. Trotz der Routine erwartet die Männer eine knifflige Aufgabe in Jena.

Ursprünglich waren drei Schriftzüge geplant

Fast 20 Jahre lang war „Intershop“ in roter Leuchtschrift in 116 Metern Höhe weithin sichtbar. Der Softwarehersteller entschied sich zu Hochzeiten an der Börse, den kompletten Turm zu mieten. Ursprünglich sollten gar drei Schriftzüge hoch über Jena prangen, damit ihn Reisende aus allen Richtungen sehen. Doch dies fiel den Sparmaßnahmen zum Opfer und so blieb nur ein Schriftzug, den NEL aus Leipzig installierte.

Stadt Jena lehnt innovative Nachfolge für Intershop-Schriftzug ab

In diesem Jahr nun verlässt Intershop den Turm. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgt Intershop-Vorstandschef Jochen Wiechen den Abbau. „Es war eine für Jena wichtige Landmarke, die nachts beeindruckend geleuchtet hat“, sagt er. Andererseits sei es für das Unternehmen ein Meilenstein, in einen Neubau am Steinweg zu ziehen. Nach Fertigstellung des Unicampus befindet sich die Fakultät für Mathematik und Informatik direkt in der Nachbarschaft. „Wir haben künftig eine höhere Qualität der Büroräume zum gleichbleibenden Preis.“

Leuchtröhren in Handarbeit hergestellt

Mit dem Auszug stand aber fest, dass der Schriftzug von der Fassade muss. Die einzelnen Buchstaben messen 2,70 Meter. 165 individuell geschwungene Leuchtröhren aus Klarglas mit Rotentladung – hergestellt in Handarbeit – verrichteten ihren Dienst in der Anlage, erläutert NEL-Vertriebsleiterin Corinna Lentz. Diese Röhren bauen die Techniker nun zuerst aus – beim P fanden sich noch welche aus der Erstausstattung.

Jeder Buchstabe besteht aus vier Teilen, die die Arbeiter aus der kleinen Gondel der Fassadenbefahranlage zunächst auf die Ebene des Turmrestaurants heben, dort wiegen und anschließend mit der Außengondel zum Boden bringen. Drinnen passen die sperrigen Bauteile nämlich nicht in den Lift vom Restaurant zu den Hauptaufzügen.

Schlechtes Wetter kann Abbau verzögern

Bei starkem Wind wiederum würde die Befahranlage an der Fassade zu stark schwanken: Deshalb müssen die Arbeiten bei Regen oder Wind unterbrochen werden, sagt Lentz. 14 Tage hat die Firma deshalb für den Abbau der neun Buchstaben kalkuliert.

Die Intershop-Crew drückt die Daumen, dass möglichst viele der Bauteile heil den Boden erreichen. Die Firma braucht den Schriftzug nicht für den Neubau: Dort werden zwei moderne, stromsparende LED-Varianten des heutigen Logos installiert. Die alten Buchstaben sollen bei einer Auktion Geld für die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Friedrich-Schiller-Universität und den Masterstudiengang E-Commerce der Ernst-Abbe-Hochschule Jena bringen. Intershop registriert Interesse weit über Jena hinaus. Vorstandschef Wiechen will um das „i“ mitbieten. Was er damit plant? „Na in meine Wohnung hängen“, sagt er und lächelt.