100 Jahre Druckerei Gebr. Frank: Ausstellung im Stadtmuseum Gera

Im Rückblick fast ein Krimi: Die Geraer Druckerei Gebr. Frank behauptet sich seit 100 Jahren in dieser Stadt - trotz vier Neustarts seit ihren Anfängen. Das Stadtmuseum nimmt das Jubiläum nun zum Anlass, die Geraer Druckereigeschichte in einer Ausstellung zu beleuchten.

 Im Stadtmuseum eröffnet eine Kabinettausstellung "100 Jahre Gebrüder Frank - 400 Jahre Druckereien und Verlage in Gera". Die Druckerei Gebr. Frank wird am 1. April 100 Jahre. Foto: Christine Schimmel

Im Stadtmuseum eröffnet eine Kabinettausstellung "100 Jahre Gebrüder Frank - 400 Jahre Druckereien und Verlage in Gera". Die Druckerei Gebr. Frank wird am 1. April 100 Jahre. Foto: Christine Schimmel

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Gera. Als es noch bewegliche Lettern und das aufwändige Steindruck-Verfahren gab und Buchdruck als reine Handwerkskunst betrieben wurde, startete auch in Gera die Geschichte der Druckereien. Das älteste erhaltene Büchlein stammt aus der Werkstatt von Martin Spieß, 1607 gedruckt. Durch ein Privileg der Landesherren war die Werkstatt 200 Jahre lang die einzige zugelassene Druckerei in der Stadt. Erst nach 1850 entwickelte sich eine Vielfalt der Branche, denn mit der Einführung der Gewerbefreiheit gab es plötzlich Konkurrenz. 1867 waren zwei, 1880 fünf, 1900 sogar 13 und im Jahr 1930 bereits 20 Buchdruckereien in der Stadt ansässig.

Mit Innovation eine Nische besetzt

Am 1. April 1914 nutzten der Lithograph Paul Frank und sein Bruder, der Buchbinder Karl, die Gunst der Stunde und reagierten mit der Gründung einer Klischee-Anstalt auf den gestiegenen Bedarf an Zinkätzungen. "Meine Vorfahren besetzten mit dem Angebot geätzter Druckstöcke für die Herstellung von Bildern und Illustrationen klugerweise mit einer Innovation eine Nische. Sie hatten damit eine Art Monopolstellung in Ostthüringen", zeigt sich der jetzige Druckereichef Harald Frank stolz auf die Geschichte von Gebr. Frank, die aktuell in einer Kabinettausstellung im Geraer Stadtmuseum unter dem Titel "100 Jahre Gebr. Frank - 400 Jahre Druckereien und Verlage in Gera" aufgearbeitet ist.

Seit diesen Anfängen vor 100 Jahren hat sich viel getan. Die technische Entwicklung nahm ihren rasanten Lauf - die politischen Ereignisse machten dem Unternehmen sogar mehrfach einen Strich durch die Rechnung. Vier Neustarts waren über die Jahre nötig: Sechs Jahre Schließung bescherte allein der Erste Weltkrieg. Erst 1920 konnte die Firma neu gegründet werden. Dann kam der Zweite Weltkrieg und wieder legte man die Produktion still. 1945 konnte man den Betrieb endlich wieder aufnehmen und in den 1950er-Jahren sogar die wirtschaftlich angeschlagene "Vereinigte Kunstdruckerei Gebr. Neupert" in der Schillerstraße übernehmen. Seitdem ist dort der Hauptsitz des Unternehmens.

Das Jahr 1972 brachte Enteignung und die Zugehörigkeit zur Druckerei Volkswacht Gera, erst mit der Wende 1990 vollzog sich die Reprivatisierung. Die Firmenchronik liest sich also wie ein Krimi - allerdings mit einem guten Ausgang. "Jetzt diktiert die Technik das Geschehen. Wie schon die Firmengründer müssen wir uns auch heute an dem orientieren, was die Kunden wollen", sagt Harald Frank, der die Geschicke des Traditionshauses seit dem Jahr 2000 leitet. Produziert er heutzutage fast ausschließlich für die Industrie, vor allem Faltschachteln und andere Verpackungen für Kunden im Umkreis von rund 200 Kilometern, fand er seine Kundschaft früher noch in der Stadt. Doch seit dort immer weniger Industriebetriebe ansässig sind, muss er sich bundesweit etablieren. Die Losung für die nächsten Jahrzehnte heißt: den Standort des Familienbetriebes in Gera halten.

"In der heutigen, schnelllebigen Zeit sollte man sich ab und zu bewusst machen, wie in unserer Branche früher gearbeitet wurde. Die Technik war bedeutend schlechter. Weil das Handwerk jedoch viel ausgefeilter betrieben wurde, kann man vor der damaligen Qualität der Druckerzeugnisse nur den Hut ziehen", sagte Frank.

Doch nicht nur die Buch- und Kunstdrucktechniken entwickelten sich von Jahr zu Jahr weiter, auch die Zeitungslandschaft formte sich. 1795 war die erste Geraer Zeitung erschienen, um 1900 konnten sich die Geraer bereits in drei verschiedenen Tagesblättern informieren, 1920 schon unter sechs Titeln wählen. "Gera war einmal eine boomende Stadt - und das wird in den historischen Druckerzeugnissen ersichtlich. Unsere Produkte halten somit auch Erinnerungen wach", will Frank Interesse für die Geschichte und deren Zeugnisse wecken.

Druckwerke halten Erinnerungen wach

Seiner Überzeugung nach sollte ein Familienunternehmen wie seines nie seine Wurzeln vergessen, sich jedoch auch in die Lage versetzen, sich stets an die aktuellen Umstände anpassen zu können. Die 100-jährige Vergangenheit erzeuge zwar auch Ehrfurcht, doch zu allererst ein intensives Bewusstsein für die große Verantwortung.

Die Ausstellung ist bis zum 25. Mai im Stadtmuseum zu besichtigen. Geöffnet ist das Haus mittwochs bis sonntags und feiertags 12 bis 17 Uhr.

Bild 1: Harald Frank, dessen Druckerei Gebr. Frank am 1. April seit 100 Jahren besteht, erläutert Ausstellungsbesuchern eine historische Boston-Tiegelpresse. Foto: Christine Schimmel