26-jähriger Weidaer mit florierender Software-Firma in Jena

Vor drei Jahren erhielt der aus Weida stammende Marcus Funk den Thüringer Gründerpreis. Doch danach erwies sich seine Entwicklung als Flop. Trotzdem hat er weiter gemacht. Und das hat sich gelohnt.

Marcus Funk gehört mit 26 Jahren zu den jüngsten erfolgreichen Gründern in Jena. Seine Firma Flyacts GmbH existiert in diesem Monat drei Jahre. 2013 wurden in Jena 34 neue Unternehmen im Bereich Hightech gegründet. Fotos(2): Lutz Prager

Foto: zgt

Jena. Es muss nicht zwangsläufig eine Schnapsidee sein, die abends beim Bier in einer Geraer Kneipe entsteht.

Marcus Funk aus Weida hatte dort vor vier Jahren ein Schlüsselerlebnis: Weil der Biernachschub nicht klappte, zückte einer seiner Kumpels das Handy und rief in der Kneipe an, in der sie gerade saßen, um die Kellner auf Trab zu bringen.

Marcus Funk, der bei den Stadtwerken Jena-Pößneck Informatiker gelernt hatte und zu dieser Zeit bei einer Softwarefirma im Jenaer Intershop-Turm arbeitete, programmierte in seiner Freizeit eine App, also ein kleines Anwenderprogramm für Smartphones. Die Idee: Der Gastronom stellt an seinen Tischen einen Code auf, der mit dem Handy abfotografiert wird. Damit findet das Mobiltelefon automatisch die Internetspeisekarte des Lokals. Der Gast sucht sich Speisen und Getränke aus und sendet seine Bestellung an die Theke. Wer will, kann sogar schon bestellen, wenn er noch auf dem Weg zur Gaststätte ist. Etwas für eilige Kunden, etwa für Berufstätige mit kurzer Mittagspause. Für die App gab es 2010 beim Thüringer Gründerwettbewerb für Marcus Funk den Sonderpreis.

Der damals 23-Jährige schmiss seinen festen Job, brach sein Fernstudium ab und gründete die Firma Flywai. Das sei die englische Kurzform von "Fliegender Kellner", sagt Funk. So nannte er seine App.

Der Jungunternehmer lernte allerdings sehr schnell, dass ein renommierter Preis noch keinen wirtschaftlichen Erfolg garantiert. Die Kneipen-App floppte. Das alternative Bestellsystem wurde zwar in einer Münchner Bar getestet, doch weitere Verbreitung fand es bei den Wirten nicht. Funk fehlten einfach die Strukturen, um ein neues Produkt in den Markt zu bringen. "Vielleicht war ja einfach auch die Zeit noch nicht reif", sagt der IT-Spezialist. Haken dran.

Geblieben ist die Firma, die jetzt Flyacts GmbH statt "Fliegender Kellner" heißt und seit Mitte 2011 die kreativen Ideen anderer Unternehmen in anwendungsbereite Applikationen umsetzt, also jene Apps, ohne die moderne, internetfähige Mobiltelefone wertlos wären.

Am 10. Januar feierte die Flyacts GmbH ihr dreijähriges Bestehen. Flügge geworden im Jenaer Gründerzentrum TIP, findet man das Unternehmen mit inzwischen 11 Mitarbeitern seit Mitte vergangenen Jahres im Erdgeschoss einer Villa in der Ebertstraße 8 im noblen Jenaer Westviertel. "2013 war wieder ein sehr gutes Jahr", sagt Marcus Funk. Arbeit für die sieben Entwickler, eine Designerin und zwei Marketingfrauen gibt es genug. "Bis Mai sind wir vollständig ausgebucht", sagt der 26-jährige Inhaber.

Apps entwarf und programmierte die kleine Softwareschmiede beispielsweise für den Puppenhersteller Zapf AG aus dem oberfränkischen Rödental. Auch die App, mit der sich die Kundschaft der Hund Büromöbel GmbH Biberach das Büro am Rechner oder sogar auf dem Smartphone individuell zusammenstellen kann, stammt aus Jena. Im Moment arbeitet Flyacts an einem Redaktionsprogramm für Zeitschriften mit und an einer Basis-Plattform für das Lernen im Internet. Den Traum, doch noch mit einem eigenen Produkt wie dem "Fliegenden Kellner" im Markt zu landen, träumt Marcus Funk immer noch. Vielleicht klappt‘s mit der zündenden Idee ja wieder einmal bei einem Kneipenbesuch.

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