Ab 2016 drei Elektrobusse in der Linie: Jena wird im Nahverkehr ÖkoVorreiter

Jena/Erfurt  Nach den ersten drei Linien soll später das ganze Netz folgen. Und bei den künftigen Bewohnern des neuen Stadtteils „Immergrün“ ist das Entgelt für ein gemeinsames Elektroauto bereits in der Miete drin. Gera bleibt wegen Insolvenz und unklarer Finanzverhältnisse bei der Elektro-Umstellung außen vor.

Vorstellung des Elektrobusses Sileo. Foto: Peter Michaelis

Vorstellung des Elektrobusses Sileo. Foto: Peter Michaelis

Foto: zgt

Wieder einmal geht respektive fährt Jena voran: Bereits ab 2017 sollen in der Saalestadt drei zweiachsige Elektrobusse im Linienverkehr auf kleineren Strecken rollen. Neben der vom Land zu 75 Prozent geförderten Anschaffung sollen auch eine Ladestation sowie entsprechende Werkstattkapazitäten errichtet werden, bestätigte gestern auf Anfrage Andreas Möller, Geschäftsführer der städtischen Nahverkehrsbetriebe Jenah.

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Bündnisgrüne) hatte sich am vergangenen Freitag mit Vertretern der Städte Jena, Gera, Erfurt, Nordhausen sowie des Landkreises Gotha getroffen, um über die Umsetzung des bereits im Frühjahr angelaufenen Förderprogramms zu diskutieren, mit dem bisherige Dieselbusse durch Elektro-Fahrzeuge ersetzt werden sollen, die mit Ökostrom betrieben werden. Ziel sei es, den Stadtbusverkehr in Thüringen klimafreundlicher zu gestalten, erklärte Siegesmund in Jena. „Durch die Umstellung von einem Diesel- auf einen Elektrobus werden pro Jahr rund 100 Tonnen des Klimagases CO2 vermieden. Das entspricht der Umstellung von 60 Pkw auf Elektroantriebe“, sagte die Ministerin. Voraussetzung sei, dass der Strom ökologisch erzeugt werde. Die fünf Städte seien als Startregionen ausgewählt worden, weil sie aufgrund ihrer Straßenbahnnetze über beste Voraussetzungen verfügten, da mit deren leistungsstarker Stromversorgung entsprechende Ladestationen unkompliziert aufgebaut werden können. Allerdings, so Teilnehmer des Treffens, habe bislang nur Jena konkrete Umrüstungspläne für E-Busse vorgelegt, während die anderen vier Städte vage blieben, im Falle Geras begründet mit der Insolvenz des Verkehrsbetriebes und dessen unklarer Zukunft.

So bleibt Jena einmal mehr die ökologische Vorreiterrolle in Thüringen überlassen. Stadt und Nahverkehrsgesellschaft wollen sogar noch weiter gehen. Laut Möller sollen langfristig alle Buslinien der Stadt auf elektrischen Betrieb umgestellt werden. Im Zuge der Ersatzbeschaffung für Dieselfahrzeuge werde man Elektrobusse anschaffen, gleichzeitig aber auch noch Dieselbusse vorhalten, um auf Verkehrsspitzen oder bei Fahrzeugausfällen flexibel reagieren zu können, erklärte der Jenah-Geschäftsführer. Zwar sei die Wahl des konkreten E-Bus-Modells noch offen, jedoch werde das Unternehmen grundsätzlich auf Akku-Antrieb und nicht etwa Strom aus Oberleitungen setzen, sagte Möller. Dabei soll der 100prozentige Ökostrom genutzt werden, den die Stadtwerke seit 2013 anbieten und der bereits die Straßenbahnen antreibt. Laut Möller nutzen derzeit etwa 25 Prozent der Nahverkehrs-Nutzer in Jena die rund 40 Jenah-Linienbusse.

Mit einem anderen Projekt zur Elektromobilität ist die Stadtwerke-Gruppe sogar noch weiter: Möller nahm von der Ministerin am Freitag einen Förderbescheid zur Beschaffung eines Elektroautos entgegen; Matthias Stüwe, Projektleiter Elektromobilität der Stadtwerke, erhielt die Förder-Bestätigung zum Aufbau von Ladesäulen.

Die Förderung nutzt der Jenaer Nahverkehr für den Kauf eines elektrisch angetriebenen Carsharing-Fahrzeugs, das neben einem Diesel-Fahrzeug des Unternehmens „TeilAuto“ den Bewohnern im fast fertigen neuen Wohngebiet „Immergrün“ im Jenaer Norden zur Verfügung stehen wird. Außerdem bauen die Stadtwerke Energie bis zum Jahr 2016 vier öffentliche Ladesäulen, vier Wandladestationen und eine Schnellladestation für Elektrofahrzeuge an verschiedenen Neubaustandorten in Jena.

Das geschieht in einem gemeinsamen Projekt des Jenaer Nahverkehrs mit der Wohnungsgesellschaft jenawohnen sowie den Stadtwerken Energie als Infrastruktur- und Energiedienstleister. Außerdem, so Möller, würden drei Elektro-Pkw für den internen Fuhrpark angeschafft.

"Durch die Umstellung von einem Diesel- auf einen Elektrobus werden pro Jahr rund 100 Tonnen des Klimagases CO2 vermieden"

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Bündnisgrüne)

Für Thüringen insgesamt fördert das Umweltministerium den klimafreundlichen Stadtbusverkehr und Elektromobilität in den Kommunen bis zum Jahr 2020 mit insgesamt 14 Millionen Euro. Noch in diesem Jahr stehen rund 172 000 Euro zur Verfügung, mit denen in neun Kommunalverwaltungen die Anschaffung von sieben Elektrofahrzeugen, elf Auto-Ladestationen und ebenfalls elf Ladestationen für E-Fahrräder unterstützt wird. Für sechs weitere E-Bike-Ladestationen in Jena und neun in Erfurt hatte Siegesmund am Freitag die Förderbescheide bereits übergeben.

Gemeinsam mit zwei Dresdener Instituten und den jeweiligen Nahverkehrsunternehmen hat die Landesregierung ein Konzept zur Umstellung von jeweils einer stark ausgelasteten Stadtbuslinie in Erfurt, Jena, Gera, Gotha und Nordhausen erarbeitet. Seit Anfang diesen Jahres wurden Elektrobusse im Probebetrieb gefahren.

Zu den Kommentaren