Agrargenossenschaft Hochland Gahma investiert in die Zukunft

Gahma  Genossenschaft „Wärme und Abwasser“ wünscht sich Ansprechpartner auf Landesebene. Neue Melkanlage bei der Agrargenossenschaft

Ronny Braunschweig und Jochen Tiesel erklären CDU-Landtagsabgeordneten Stefan Gruhner (v.l.) die Anlage der Agrargenossenschaft Hochland Gahma.  

Ronny Braunschweig und Jochen Tiesel erklären CDU-Landtagsabgeordneten Stefan Gruhner (v.l.) die Anlage der Agrargenossenschaft Hochland Gahma.  

Foto: Alex Neumüller

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die kleine Ortschaft in Remptendorf geht eigene Wege, was das Wärme- und Abwassernetz angeht. Und auch die ­Agrargenossenschaft Hochland Gahma investiert in die Zukunft. Davon konnte sich der Landtagsabgeordnete Stefan Gruhner (CDU) überzeugen, der zu einem politischen Stammtisch in Gahma eingeladen hatte.

Die Genossenschaft „Wärme und Abwasser Gahma“ stand dabei im Mittelpunkt. Diese hat zum Ziel, eine gemeinschaftliche und langfristig kostenstabile Entsorgung von häuslichen ­Abwässern mit gleichzeitiger Wärmeversorgung zu schaffen. Zur Wärmeerzeugung soll hierbei vor allem nicht industriell nutzbares Holz und Restholz aus der Region genutzt werden.

Zum Hintergrund: Im Herbst 2016 hat der Zweckverband Wasser und Abwasser ­Lobensteiner Oberland (Walo) mitgeteilt, dass das Abwassernetz erneuert werden müsse. Jedoch nicht in Gahma, da der Ort nicht an zentrale Kläranlagen angeschlossen ist, und es deswegen für den Zweckverband eine Sanierung dort nicht rentabel wäre. Die Anwohner standen daher vor der Wahl, entweder eigene Kleinkläranlagen auf ihren Grundstücken zu bauen, oder ein ortseigenes Netz mit Kläranlage zu errichten. Da es sich nicht lohnen würde, allein für das Abwassernetz die Straßen aufzureißen, entstand sich der Plan, auch ein Wärmenetz zu entwickeln. Die Organisatoren, unter anderem Gemeinderatsmitglied Tino König (CDU), steckten viel Arbeit in das Projekt. Es gab eine Umfrage und Besuche bei ähnlichen Projekten. Im vergangenen Jahr wurde dann schließlich die Genossenschaft gegründet.

Stefan Gruhner, der auch energiepolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion ist, unterstrich, dass das Vorhaben in den Fokus der Landespolitik muss. „Aus meiner Sicht sollte die Energiegenossenschaft in Gahma zu einem landesweiten Pilotprojekt gemacht werden“, ist der Landtagsabgeordnete überzeugt. „Wir brauchen ­Ansprechpartner auf Landesebene“, so Tino König. Auch Remptendorfs Bürgermeister Thomas Franke pflichtete ihm bei. Es sei notwendig, dass Projekte wie die Bürgerenergie­genossenschaft in Gahma beraten und die Fördermittelbeschaffung koordiniert werden. „Es gibt dabei einigen Verbesserungsbedarf“, stellten beide klar.

Aber nicht nur der Stammtisch war Grund für den Besuch des Landtagsabgeordneten. Er besuchte zuvor die Agrargenossenschaft Hochland Gahma gemeinsam mit Thomas Franke und Tino König. Eine „Investition in die Zukunft“ nannte Thomas Franke die Investition der Agrargenossenschaft in einen vollautomatischen Melkstand. Das sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, so Jochen Tiesel, stellvertretender Leiter der Agrargenossenschaft. Aber was nutze die moderne Technik, wenn der Fettpreis weiter niedrig bleibe. „Keiner will anscheinend mehr Butter essen“, erklärte er.

Ein Schwerpunkt der Diskussion mit Vertretern der Agrargenossenschaft war das neue Thüringer Wassergesetz. „Wir sehen die Gewässerrandstreifen eher kritisch“, so Ronny Braunschweig, Mitarbeiter der Agrargenossenschaft. Denn das Wassergesetz sieht vor, dass Landwirte künftig entweder fünf Meter am Gewässer dauerhaft begrünen müssen oder einen mindestens Zehn-Meter-Streifen zwar als Ackerland nutzen können, aber dort auf Einsatz von Düngemitteln verzichten.

Kritik an neuem Wassergesetz

„Das betrifft einige unserer Flächen“, so Ronny Braunschweig. Er habe sich erkundigt, selbst Saatgut für Blumen, die vor allem für Bienen bestimmt sind, dürfte nicht in diesem Bereich verteilt werden.

Stefan Gruhner teilt die Kritik der Landwirtschaft und bezeichnete diese Regelung als „quasi Enteignung“. Es sei zwar richtig, die Nährstoffbelastung in Gewässern zu reduzieren und alles für die Gewässerreinhaltung zu unternehmen, allerdings sei dies der falsche Weg. „Wir reden davon, dass der Landwirtschaft in Thüringen mit dieser Regelung 8000 Hektar Ackerland entzogen werden“, sagte der Landtagsabgeordnete, der auch Mitglied des Umweltausschusses ist. Stefan Gruhner ist stattdessen von einer Regelung, wie sie in Rheinland-Pfalz praktiziert wird, überzeugt. Dort wird der Gewässerrandstreifen standortbezogen festgelegt. Wo höhere Belastungen gemessen werden, muss der Randstreifen eingehalten werden. Eine pauschale Regelung wird nicht getroffen.

Meine Meinung: Sophie Filipiak über die Zukunft auf dem Dorf

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.