Agrofarm Knau setzt auf neue Pflanzenschutzmittel-Düsen

Knau/Peuschen  Technik soll Insektenschutz verbessern. Landwirte und Imker im Dialog

Thomas Köhler vom Vorstand der Agrofarm Knau (braune ­Weste) beantwortet Fragen zur Entscheidung, zur Blütenspritzung im Raps die Dropleg-Technik zum Einsatz zu bringen. ­Mit den schwarzen Röhren wird unterhalb der Blütenebene ­gespritzt.

Foto: Martin Lücke

Eine Veranstaltung in der Agrofarm Knau am Mittwoch war sowohl in räumlicher als auch in inhaltlicher Hinsicht zweigeteilt. Denn die Zusammenkunft der Thüringer Arbeitsgemeinschaft Imkerei und Landwirtschaft ­(ThAGIL) am Vormittag in Knau diente laut Ankündigung der Präsentation neuer Pflanzenschutztechnik, die den Insektenschutz verbessern soll.

Daher drehte sich ein Großteil der Gespräche und Nachfragen bei der Praxis-Vorführung einer Blütenbehandlung mit sogenannten Dropleg-Düsen an einem Rapsschlag bei Peuschen auch um technische Details der Anwendung, Haltbarkeit und des Nutzwerts dieser speziellen Ausbringungsform von Pflanzenschutzmitteln via Selbstfahrspritze.

Der Veranstaltungsteil, der zuvor das Hofcafé auf dem Gelände der Agrofarm in Knau bis fast auf den letzten Platz füllte, drehte sich zwar in Teilen ebenfalls um die Dropleg-Düsen, mittels derer Pflanzenschutzmittel unterhalb der Blütenebene des Raps‘ und damit insektenschonender ausgebracht werden. Doch das Zusammentreffen von Landwirten und Imkern sowie Vertretern der entsprechenden Landesverbände diente vor ­allem der Diskussion aktueller Themen an den Schnittpunkten von Imkerei und Landwirtschaft. Hier besteht anscheinend Redebedarf, denn nicht wenige Anwesende bemerkten, wie wichtig es sei, untereinander mehr in Austausch zu treten. So erläuterte einleitend Thomas Köhler vom Vorstand der Agrofarm Knau das Ansinnen, in diesem Jahr beim verantwortungsbewussten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln einen Schritt weiter gehen zu wollen. Das Ziel sei es, eine Beeinträchtigung von Bienen, Pollen und Blüten weitestgehend auszuschließen. Gemeinsam mit dem Technik-Partner RWZ Rhein-Main habe man mit der neuen Spritzvariante eine Lösung gefunden, die nicht etwa auf Ertragssteigerung ziele, sondern auf eine weitere Rückstandsreduktion im Honig und eine Minderung des Abdrifts. Das dürfte den Imkern gefallen.

Frank Reichardt, Vorstandsvorsitzender des Landesverbands der Thüringer Imker, unterstrich, wie wichtig es sei, dass Imkervereine angesichts medial diskutierter Themen wie Bienen- und Insektensterben, Pflanzenschutzmitteleinsatz, Biodiversität und Naturschutz mit den Landwirtschaftsbetrieben vor Ort in Kontakt treten.

Weiterhin wurde mehrfach durch Anwesende dargelegt, dass auch durch das herkömm­liche Spritzen kaum Honigbienenvölker gefährdet seien (Wildbienen hätten es in der Kulturlandschaft schwerer) und, dass es nicht sein könne, bei allen Fragen des Umweltschutzes stets die heimische Landwirtschaft zum Buhmann zu machen. Auch Udo Große, ein Vizepräsident des Thüringer Bauernverbands, erinnerte an gemeinsame Interessen und das Ansehen der Landwirtschaft in der öffentlichen Diskussion: „Uns kommt die gesellschaft­liche Akzeptanz abhanden.“ So prägten auch viele politische ­Aspekte die facettenreiche Diskussion im Rahmen des an diesem Tag in Knau von vielen Anwesenden hoch gelobten Veranstaltungsformats.

Meine Meinung: Martin Lücke über fruchtbare Dialoge

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