Backfrauen haben zu Jugendweihe und Konfirmation ihre Hoch-Zeit

Die Zeit der Jugendweihen und Konfirmationen ist jedes Jahr auch eine Hoch-Zeit für die Backfrauen der Region. Denn nicht nur für die Feste selbst werden unzählige Kuchenplatten gebraucht.

Stephanie Steffes, hier mit einer fertigen Kuchenplatte, ist eine von vielen Backfrauen der Region, die jetzt in der Jugendweihe- und Konfirmations-Zeit viel zu tun haben. Foto: Claudia Bioly

Stephanie Steffes, hier mit einer fertigen Kuchenplatte, ist eine von vielen Backfrauen der Region, die jetzt in der Jugendweihe- und Konfirmations-Zeit viel zu tun haben. Foto: Claudia Bioly

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Eisenberg. Auch für die Päckchen mit kleinen Kostproben, die man Gratulanten und Überbringern von Karten und Geschenken mitgibt - eine Tradition vor allem auf den Dörfern, die sich vielerorts erhalten hat.

Ja, es gibt sie noch, die Backfrauen, die zig Rezepte im Kopf haben und zig Kuchen an einem Tag gebacken kriegen. Zu denen die Stammkundschaft von weither pilgert und die man weiter empfiehlt, wenn’s lecker war.

Eine von ihnen ist Stephanie Steffes aus Silbitz. Der Back- & Buffetservice ist sogar im Internet zu finden, während sonst in diesem Metier die Mundpropaganda ganz oben steht.

Im sechsten Jahr geht der Laden "super". Voriges Wochenende (u. a. Jugendweihe in Hermsdorf) hat Frau Steffes 73 Bleche gebacken, diesmal werden’s um die 60. Nächste Woche (u. a. Jugendweihe in Bad Köstritz) kommen zwei Hochzeiten dazu. Wer Kuchen bestellt, bucht oft das Büfett gleich mit - darum kümmert sich Ehemann Thomas.

Bestellt wird vor allem "altdeutscher Kuchen", Pflaume, Apfel, Mohn, derzeit ist Rhabarbersaison. Hinzu kommt Modernes - etwa Lambada-Kuchen, der wird mit Multivitaminsaft gemacht. Steffes’ Kuchen wurden u. a. schon zu einer Hochzeit ins Jenaer Stadion geliefert oder von Kunden mitgenommen in den Harz, an die Ostsee und in den Schwarzwald. Nicht immer geht alles glatt, manchmal passiert auch was. "Das gehört dazu", erinnern sich Steffes’ an Torten, bei deren Anlieferung der Bräutigam helfen wollte und die dann auf dem Boden landeten. Übrigens: Zur Schuleinführung ist Frau Steffes schon ausgebucht, selbst für die von 2012 hat sie schon drei Bestellungen.

Einen Namen in der Backfrauenbranche hat auch Regina Polz. Sie betreibt mit ihrer Schwester Viola Gräfe schon seit elf Jahren die "Backstube Polz" in St. Gangloff. "Es läuft sehr gut, an uns ist die Wirtschaftskrise vorbei gegangen", sagt Regina Polz rundheraus, "wir sind deutschlandweit bekannt."

Ehrlich? "Ja, viele reisen extra auch aus den alten Bundesländern an, um unseren Kuchen abzuholen - und mitzunehmen, selbst nach Italien oder Schweden." Aber jetzt in den Wochen zwischen Palmsonntag und Pfingsten kommen viele Kunden aus der näheren Umgebung. In der Jugendweihezeit ist der Arbeitstag 14 bis 16 Stunden lang, inklusive Samstag. Auf den Kaffeetischen der Jugendweihlinge vorige Woche in Hermsdorf stand Polzscher Kuchen ebenso, wie dieses Wochenende in Eisenberg und Umgebung und nächstes in Stadtroda. Wer z. B. acht Platten à zehn Sorten bestellt, kann 80 der insgesamt 198 (!) Sorten der Backstube kosten. Wenn er’s schafft.

Auch bei Regina Polz wird hauptsächlich altdeutscher Kuchen geordert. Obst-, Sahne- oder Buttercremetorten aber auch immer gern. Nach der Jugendweihesaison sind im Sommer viele Hochzeiten und Silberhochzeiten zu beliefern. "Im Herbst mehr goldene, das war früher die Zeit zum Heiraten, wenn die Bauern mit der Feldarbeit fertig waren."

Allerdings ist auch bei den Backfrauen die Konkurrenz nicht klein. Der große Auftrag, über den sich die eine freut, ist die Enttäuschung für eine andere. Nicht immer läuft alles bestens.

Kerstin Henn in Mertendorf hat sich 2004 als Backfrau selbstständig gemacht. Dies ist jetzt das sprichwörtliche verflixte siebte Jahr, gesteht sie. Im Januar und Februar musste sie sich gar arbeitslos melden. Im März aber ging die übliche Flaute (die jedes Jahr im November beginnt) zu Ende. Jetzt hat sie wieder viele Jugendweiheaufträge. Da werden schon mal 30 Kuchen pro Wochenende geordert. Die Kunden kommen aus den Nachbardörfern und Eisenberg, viele wohnen Richtung Naumburg, Camburg und Tautenburg. Bis Pfingsten, schätzt Kerstin Henn, wird noch gut zu tun sein.

Und danach? "Leichter wird’s nicht. Die Konkurrenz schläft nicht", sagt die gelernte Konditorin. "Ein großer Abnehmer, der jede Woche was ordert, das wäre schon schön." Den Verkauf aus der eigenen Backstube hat sie eingeschränkt, nur noch auf Bestellung. "Aber ohne Kuchen ist bei mir noch keiner rausgegangen."

"Ältere Leute mögen eher die bäuerlichen Kuchen, das Traditionelle: Quark, Mohn, Bienenstich, Streusel", ist Kerstin Henns Erfahrung. "Die Jugend will eher was Flippiges, Schoko-Banana oder sonstwas Modernes." Gibt’s eigentlich den guten alten LPG-Kuchen noch (Boden, Buttercreme, in Schnaps getränkte Kekse, Schokoguss)?- "Na klar, und den mögen sogar Jung und Alt gleichermaßen."

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