Bad Blankenburg: Handwerker alter Schule bringt den Neuen alte Kniffe bei

Bad Blankenburg  Eigentlich ist Achim Rückert seit 2015 in Rente. Trotzdem steht er zweimal die Woche in der Werkstatt der Firma Jahn.

Achim Rückert erklärt Anni Reif, Auszubildende bei der Tischlerei Jahn in Bad Blankenburg, die Feinheiten des Handwerks.

Achim Rückert erklärt Anni Reif, Auszubildende bei der Tischlerei Jahn in Bad Blankenburg, die Feinheiten des Handwerks.

Foto: Martin Hauswald

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Achim Rückert ist ein Handwerker der alten Schule. Wenn der Tischler-Meister die verschiedenen Arbeitsschritte beschreibt, holt er weit mit den Armen aus, deutet Hobelbewegungen und das Ansetzen der Säge an.

Seit 2015 ist der 66-Jährige eigentlich in Rente. Das hält ihn aber nicht davon ab, sein Wissen weiter zu geben. In der Firma Jahn in Bad Blankenburg kümmert er sich an zwei Tagen in der Woche um die Auszubildenden. Er bringt ihnen die alten Kniffe bei: das richtige Lesen von Bauzeichnungen, Kanten entgraten, ein Regal von A bis Z zusammensetzen. Für die Lehrlinge eine Selbstverständlichkeit? Keinesfalls, sagt Geschäftsführer Tobias Jahn: „Unsere Tischlerei ist hochgradig organisiert.“ Die verschiedenen Arbeitsschritte fließen ineinander, bei der Fertigung von Möbeln etwa für die Systemgastronomie herrscht beinahe Fließbandarbeit. Die Tischler fertigen oft nur Einzelteile, keine kompletten Möbel.

Den Blick für das Gesamtwerk soll Rückert den Auszubildenden vermitteln. „Hier geht es darum, den Lehrlingen den Blick über den Tellerrand näher zu bringen“, ergänzt Jahn. In der täglichen Produktion fehle oft die Zeit, sich intensiv mit dem Nachwuchs zu beschäftigen, deswegen wollte die Firma jemanden holen, der sich ausschließlich mit den Auszubildenden beschäftigt.

Achim Rückert war die logische Wahl. 1968 hat er seine Gesellenprüfung abgelegt, die Fortbildung zum Meister folgte. Zur Firma Jahn kam er über seinen Sohn, der selbst in dem Unternehmen arbeitet. „Wir haben zuletzt ein CD-Regal gebaut, einfach damit die Lehrlinge ein Gefühl für ihre Arbeit bekommen“, sagt Rückert. Den Lehrlingen etwas mitzugeben, das fertige Ergebnis ihrer Arbeit in der Hand zu halten, sind Aspekte, die den 66-Jährigen nach wie vor antreiben.

„Das sind eigentlich ganz lapidare Dinge. Aber so lernen die jungen Leute die handwerklichen Grundlagen“, sagt Jahn. Darauf baue einfach alles auf. Auch der automatisierte Fertigungsprozess. Außerdem biete diese Form die Möglichkeit, individuell auf die Lehrlinge einzugehen. Manche lernen schneller, andere langsamer, sagt Rückert.

Warum er trotz Rente noch zweimal die Woche in die Werkstatt geht? „Ich fühl mich noch nicht so alt und ich gehöre zu einer verrückten Generation. Ich kenne noch die Balken in meinem Haus mit Vornamen“, scherzt der 66-Jährige. Alte Schule eben.

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