Bahnbetriebswerk mit Lokschuppen im Angebot: Ausverkauf am Güterbahnhof Saalfeld

Saalfeld  Einst haben hier 400 „Bahner“ gearbeitet. Jetzt beginnt der Ausverkauf am Saalfelder Güterbahnhof. Die Deutsche Bahn bietet das fast 15 000 Quadratmeter große Grundstück im Internet zum Verkauf an.

Der Ringlokschuppen auf dem Gelände des Saalfelder Güterbahnhofs steht wie andere Gebäude auch ab sofort zum Verkauf. Foto: Martin Hauswald

Der Ringlokschuppen auf dem Gelände des Saalfelder Güterbahnhofs steht wie andere Gebäude auch ab sofort zum Verkauf. Foto: Martin Hauswald

Foto: zgt

Auf dem langgestreckten, unregelmäßig geschnittenen, annähernd ebenen Grundstück, das von der Größe her in etwa zwei Fußballfeldern entspricht, befindet sich das Bahnbetriebswerk. Die Zufahrt ist von der Straße „Hinterm Bahnhof“ beziehungsweise „Am Güterbahnhof“ möglich. „Bei den Aufbauten handelt es sich im Wesentlichen um einen gleis­seitig orientierten Ringlokschuppen mit aktiver Drehscheibe und 24 Ständen, ein Verwaltungsgebäude, ein Sozialgebäude, eine Lagerhalle, ein ehemaliges Sauerstofflager und Garagen“, heißt es in dem Verkaufsangebot.

Etwa die Hälfte der 7600 Quadratmeter Nutzfläche entfällt auf den Ringlokschuppen, weitere knapp 2000 Quadratmeter auf die Lagerhalle. „Die aufstehenden Gebäude weisen einen deutlichen Sanierungsstau auf“, heißt es weiter. Es ­bestehe ein rechtskräftiger ­Flächennutzungsplan der Stadt Saalfeld vom 17.12.2014. Das Grundstück mit Gleisanschluss sei als Bahnfläche ausgewiesen. Angrenzende Flächen seien im Wesentlichen als Gewerbe­flächen dargestellt.

Aufschwung der Stadt mit Bahnknoten verbunden

Beim Anblick der Fotos, die dem Angebot beigelegt sind, dürfte so manchem alten Eisenbahner das Herz bluten. Als der Bahnverkehrsknoten Saalfeld noch seinen Namen verdiente, rollten hier täglich Hunderte an, um ihr Geld mit der Bahn zu verdienen.

Zuletzt war die Bahn in Saalfeld noch Arbeitgeber für rund 200 Leute. 120 bei der Güterverkehrstochter DB Schenker Rail, jeweils 30 bei DB Netz sowie Station + Service, dazu die Bahnreinigung, so hatte ein ­Betriebsrat vor anderthalb Jahren überschlagen. Das Stellwerk wird inzwischen von Leipzig aus gesteuert, der Wegfall des Fernverkehrs ab Ende 2017 wird mindestens Auswirkungen auf die Bahnreinigung haben. Schon jetzt verkehren keine ICE mehr im Saaletal, weil die ­Strecke monatelang gesperrt ist.

Der wirtschaftliche Aufschwung Saalfelds war eng mit der Bahn verbunden, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrere Strecken mit Zielpunkt Saalfeld eröffnete. Mit der Bedeutung des Bahnknotens wuchs auch das Bahnbetriebswerk. So wurde 1905 der ­16-ständige Lokschuppen auf 24 Stände erweitert. Mit Einzug immer größerer Maschinen musste schließlich auch die 16 Meter Drehscheibe auf 20, später auf 23 Meter geändert werden. Berühmt war Saalfeld vor allem für seine Dampf­lokomotiven, die hier noch bis 1986 stationiert waren. 1978 waren noch 44 Dampfloks regulär in Saalfeld in Betrieb.

Kaufangebote werden bis 10. Februar erwartet

Die Geschichte ist inklusive beim Verkauf des Grundstücks, ein Preis ist nicht angegeben. Als Verkäufer tritt die Deutsche Bahn AG DB Immobilien - Region Südost auf. Laut Angebot hat der derzeitige Eigentümer geplant, „einen geringen Teil der Büroräume nach dem Verkauf weiterhin mietvertraglich zu nutzen.“ Der Mietvertrag soll für einen Zeitraum von etwa zwei Jahren abgeschlossen werden.

Kaufangebote werden bis 10. Februar erwartet. Ausdrücklich heißt es: „Die Deutsche Bahn AG behält sich die Entscheidung vor, ob, wann, an wen und zu welchen Bedingungen die Liegenschaft verkauft oder vermietet wird.“ Es handele sich um „eine unverbindliche Auf­forderung zur Abgabe von Angeboten.“

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