"Bewusste Täuschung": Verkauf von Vital-Hotel Sitzendorf scheitert

Weihnachtstraum geplatzt: Der Verkauf des Sitzendorfer Vital-Hotels scheitert, obwohl ein Notartermin bereits fest stand. Die Sparkasse spricht von bewusster Täuschung durch Interessenten. Somit ist die Zukunft der Immobilie "wieder höchst ungewiss".

Das seit dem Brand im Juli 2010 leer stehende Vital-Hotel "Am Thüringer Wald" verfällt trotz Notsicherung stetig weiter. Den Ausfall bekommt vor allem, aber nicht nur die Gemeinde Sitzendorf schmerzlich zu spüren. Foto: Michael Graf

Das seit dem Brand im Juli 2010 leer stehende Vital-Hotel "Am Thüringer Wald" verfällt trotz Notsicherung stetig weiter. Den Ausfall bekommt vor allem, aber nicht nur die Gemeinde Sitzendorf schmerzlich zu spüren. Foto: Michael Graf

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Sitzendorf. "Die Zukunft der Immobilie ist nunmehr wieder höchst ungewiss", heißt es von der Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt, die als Grundpfandrechtsgläubigerin großes Interesse daran hat, sie zu verwerten. Und für Sitzendorfs Bürgermeister Günther Gothe (Brauchtumsverein) erhebt sich die Frage, ob das Objekt etwa schon für die Abrissbirne frei gegeben wurde. Immobilie, Objekt - die Rede ist vom Vital-Hotel "Am Thüringer Wald" in Sitzendorf, dessen Dachstuhl bei einem Brand im Juli 2010 völlig zerstört wurde. Ein Verkauf wäre jetzt beinahe zu Stande gekommen, beinahe...

Zwei Interessenten hatten nach Auskunft der Sparkasse im Sommer 2012 ihr ernsthaftes Interesse am Erwerb der Hotel-Immobilie geäußert. Daraufhin wurde "durch unser Haus der Kontakt zur Insolvenzverwaltung in Erfurt vermittelt, da ausschließlich der Insolvenzverwalter einen Kaufvertrag abschließen kann", ließ Bernd Prause, Rechtsreferent der Kreissparkasse, wissen. "In enger Zusammenarbeit zwischen uns und der Insolvenzverwaltung wurden der Inhalt eines möglichen Kaufvertrages und insbesondere die Konditionen für einen Kaufpreis verhandelt", teilte er weiter mit. Letztlich sei ein Vertragsentwurf mit allen Beteiligten ausgehandelt und final abgestimmt worden, ein Notartermin habe bereits fest gestanden.

Was bis dahin scheinbar so gut lief, entpuppte sich jedoch als "Luftschloss". Wie Bernd Prause berichtet, trugen Dritte der Sparkasse diverse Informationen zu, die den ursprünglichen Angaben der beiden Interessenten widersprachen, "sodass wir in der Sache das persönliche Gespräch mit ihnen gesucht haben." Diese Informationen seien zwar von den beiden als Gerüchte abgetan, aber bei hauseigenen Recherchen bestätigt worden. Die Interessenten hätten sämtliche Beteiligte während der Verhandlungen sowohl über ihre persönlichen Verhältnisse als auch über ihre Leistungsfähigkeit bewusst mit unwahren Behauptungen getäuscht.

Günther Gothe wusste ebenfalls von den potenziellen Investoren, die seinen Worten nach "eine Teileröffnung mit 40 Betten" noch für dieses Jahr in Aussicht gestellt hatten. Insgesamt mehr als eine Million Euro wollten die Mellenbacher angeblich in das Hotel stecken, in das sie sich kurzzeitig einquartiert hätten. Stutzig sei er geworden, als ein 20-Kubikmeter-Schrottcontainer parat stand, sagte der Bürgermeister. "Wir wollen nur ein paar Rohre ausbauen", sei die Begründung gewesen – und für ihn der Anlass, "einen Riegel vor zu schieben, bevor die Bude ganz ausgeräumt wird".

Für die offensichtlich unseriösen Bewerber wurde die Angelegenheit wohl zu heiß. Entgegen anderweitiger Zusicherungen und Beteuerungen hätten sie den Notartermin nicht wahr genommen, jeglichen Kontakt zu den Beteiligten ohne Ankündigung abgebrochen und vermutlich auch die Region verlassen, ließ Bernd Prause wissen. Der Verkauf ist also nicht zu Stande gekommen. Und so sei die anfänglich "kollektive Freude in Sitzendorf" umgeschlagen in riesige Enttäuschung darüber, "dass der Weihnachtswunsch, eine Lösung für das Hotel zu finden", geplatzt ist, konstatierte Günther Gothe. Weitere Interesse-Bekundungen lägen derzeit nicht vor, verlautete von der Sparkasse.

Der Erfurter Insolvenzverwalter reagierte auf eine OTZ-Mail mit Anfragen nicht.

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