Biermann-Quartier Gera: Streit um Zufahrten, Grün, Hochwasserschutz

Debatte zum öffentlichen Ortstermin im künftigen Biermann-Quartier in Gera-Untermhaus

Über 50 Bürger, Vertreter des Baudezernats und der Bauträger diskutieren auf dem Gelände des Biermann-Quartiers über den Bauplan.

Über 50 Bürger, Vertreter des Baudezernats und der Bauträger diskutieren auf dem Gelände des Biermann-Quartiers über den Bauplan.

Foto: zgt

Gera. Unter der Plane eines mobilen Pavillons war gestern Nachmittag neben der Ruine der Biermann-Villa der Bauplan für das künftige Biermann-Quartier aufgebaut. Zwischen Leibniz-, Tobias-Hoppe- und Kantstraße soll es entstehen. Mehr als 50 Bürger, darunter viele Anwohner und Mitglieder der Bürgerinitiative "Luboldt-Garten" und Naturschützer waren zur Ortsbegehung gekommen, der ersten öffentlichen Runde im umstrittenen Planungsprozess zum Quartier. Mit dem Stadtratsbeschluss zur Aufstellung des Bebauungsplanes war der Investor zur Information für die Bürger verpflichtet worden.

Grundstücksnachbar Bernd Beyer hat aber den Eindruck, dass mit dem vorgestellten Plan bereits alles festgeklopft sei. Konrad Steinbrecht vom Baudezernat verwies auf das förmliche Verfahren mit der Beteiligung der Öffentlichkeit. Vorgestellt sei ein Entwurf, die Entscheidung falle im Stadtrat.

Für Misstrauen sorgte nicht nur bei Enrico Vogel das "beschleunigte Verfahren", mit dem Baurecht geschaffen werden soll. Das sei rechtlich zulässig und die Zeit für die öffentliche Beteiligung sei sogar von einem auf zwei Monate verlängert worden, verteidigte Steinbrecht das Vorgehen. Aber das verkürzte Verfahren schließt unter anderem ein Umweltgutachten aus. Welche Auswirkungen das Wohnen im Quartier auf das bestehende Wohnumfeld haben wird, sei nicht untersucht, kritisieren Anwohner. Weder in Hinblick auf Lärm, noch eventuelle Abluft aus den vorgesehenen Siedlungs-Reihenhäusern, die den höhere wohnenden Nachbarn in die Fenster steigen könnte. "Wenn die Esse wieder rauchen sollte, ziehen meine Mieter aus", wies Beyer auf einen Schornstein auf der baufälligen Remise an der Rückseite der Häuser an der Schellingstraße.

Erster Erfolg für die Naturschützer

Der seit Monaten schwelende Streit um die Bäume auf dem verwilderten Parkgelände hat für die Naturfreunde einen ersten Erfolg gebracht. Es sollen weniger Bäume abgeholzt werden, als zunächst geplant. In den vergangenen Wochen hatten Untere Naturschutzbehörde, Dendrologen und Naturschutzbeirat das Gelände untersucht. Die genauen Ergebnisse werden in der nächsten Infoveranstaltung vorgestellt. Der von Schimmel befallene Baum, der in der Vorwoche von der Feuerwehr gefällt wurde, musste weichen, weil Gefahr in Verzug war. "Der Grundstückeigentümer war außer Landes, deshalb hat die Stadt ihn in Ersatzvornahme gefällt. Die Rechnung dafür geht an den Eigentümer", hieß es auf OTZ-Nachfrage aus der Stadtverwaltung.

Bei den Anwohner bleibt die Sorge um den Wasserrückhalt bei Hochwasser, wenn der Mühlgraben in der Kantstraße von Häusern überbaut würde. Einen Teich im Quartier, den der Bauträger Hans-Gerd Reit als Pendant betrachtet, sehen sie nicht als schützenden Ersatz. Die geplante Zufahrt ins Quartier über die Kantstraße, die engste im Geviert, bleibt ebenso umstritten wie die Sorge um den Wegfall von Parkplätzen. Auch mit Einfamilienhauszeilen im Gründerzeitviertel können sich Nachbarn nicht anfreunden. Alexander Göpfert sah zwar ein, dass ein Investor verdienen will, aber befürchtet eine Dauerbaustelle, wenn immer dann ein Haus errichtet wird, wenn sich ein Käufer findet. Denn Käufer wolle er erst werben, wenn die Pläne bestätigt sind, sagte Reit. Als städtebauliche Lösung schlagen Anwohner nun Stadtvillen vor.

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