"Bisher hat sich keiner rangetraut": Pößnecker Recycling-Pioniere schreddern Tonerkartuschen

Neu gegründete Shredex GmbH tritt Beweis an, dass maschinelles Schreddern von Tonerkatuschen wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll ist. Pro Monat werden 400 Tonnen gebrauchte Tonerkatuschen recycelt. Tendenz steigend.

Geschredderte Tonerkartuschen. Mario Greiner und Andreas Steiner schreddern im neuen Unternehmen Shredex in Pößneck Tonerkartuschen und führen die Inhaltsstoffe einer stoff­lichen Verwertung zu. Foto: Brit Wollschläger

Geschredderte Tonerkartuschen. Mario Greiner und Andreas Steiner schreddern im neuen Unternehmen Shredex in Pößneck Tonerkartuschen und führen die Inhaltsstoffe einer stoff­lichen Verwertung zu. Foto: Brit Wollschläger

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Pößneck. "Wir sind Pioniere auf diesem Gebiet. Bisher hat sich da keiner rangetraut", sagt Mario Greiner, Geschäftsführer der Shredex GmbH, die sich neu in Pößneck angesiedelt hat.

Es geht um die stoffliche Verwertung von Tonerkartuschen, die man aus fast jedem Drucker und Kopier-Gerät kennt. Mario Greiner, der seit 1996 professionell mit gebrauchten Tonerkartuschen arbeitet, hat eine Technik entwickelt, wie die nicht mehr verwendbaren Kartuschen maschinell geschreddert, nach Materialien getrennt und einer Wiederverwertung zugeführt werden können.

Die Idee, die meisten Bestandteile der Tonerkassetten zu recyceln, beschäftigt den Leutenberger schon lange. In seinem 1996 gegründeten Unternehmen Cartridge-Space kauft er inzwischen von über 14000 Kunden, darunter namhafte Unternehmen und Behörden aus ganz Deutschland, Tonerkartuschen auf. Sie werden sortiert und kommissioniert, originale, einwandfreie Kartuschen gehen an Wiederbefüller. Die nicht wieder befüllbaren Tonerkartuschen - Tausende am Tag - gehen bisher in die thermische Verwertung, das heißt, sie werden zwecks einmaliger Energiegewinnung verbrannt.

"Ich war immer davon überzeugt, dass auch hier Recycling funktioniert", sagt Greiner und machte sich gemeinsam mit Andras Steiner, der seit drei Jahren in dem Kaulsdorfer Unternehmen mitarbeitet, daran, seine Idee konkret umzusetzen.

Greiner und Steiner beweisen nun, dass eine stoffliche Verwertung von Tonerkartuschen nicht nur maschinell- technisch möglich, sondern auch wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll ist. "Vor allem werden Bodenschätze und Ressourcen geschont. Was wir machen, ist aktiver Umweltschutz", erklärt Shredex-Prokurist Andreas Steiner.

Über zwei Jahre liefen die Vorbereitungen zur Unternehmensgründung - die technische Entwicklung, Planung, Finanzierung, Umsetzung und Kundengenerierung. 1,6 Millionen Euro wurden hier investiert, ohne jede Förderung, ohne Feedback aus der Politik oder von Umweltverbänden.

"Wir haben allen großen Parteien schriftlich vorgestellt, was wir hier für den Umweltschutz machen wollen. Keine Reaktion. Nicht mal von den Grünen", konstatiert Mario Greiner.

Dabei werden durch dieses Recycling Arbeitskraft, Energie, Wasser sowie Erdöl gespart und umweltschädlicher Abbau von beispielsweise Aluminium sowie hohe CO²-Emissionen vermieden, argumentieren die Firmengründer. "Wir verstehen nicht, dass die thermische Verwertung von Tonerkartuschen immer noch als fachgerechte Entsorgung gilt, obwohl ein ressourcenschonendes Recycling möglich ist", sagt Mario Greiner.

Im Mai ist die Shredex-Anlage im Gewerbegebiet Pößneck-Ost, wo die beiden Unternehmer in der Naßäckerstraße eine Halle in der geeigneten Größe fanden und kauften, in Betrieb gegangen. Die feierliche Eröffnung findet in der kommenden Woche statt.

400 Tonnen Tonerkartuschen können pro Monat geschreddert werden. Das sind fünf bis sieben Sattelzüge gebrauchter Kartuschen pro Woche, die hier ankommen und - getrennt in circa 50 Prozent Kunststoffe, 40 Prozent Metalle und 10 Prozent Reststoffe - die Firma wieder in alle Himmelsrichtungen verlassen. Kunststoffe, Pappverpackungen und Metalle werden in nahegelegenen Thüringer Unternehmen verarbeitet.

Bis zu sieben gefüllte Sattelzüge wöchentlich

Das neue Unternehmen hat seine Arbeit mit zunächst sieben Beschäftigten im Einschicht-Betrieb aufgenommen. Bald soll eine Steigerung auf den Zwei-Schicht-Betrieb erfolgen - je nach Aufkommen an Tonerkartuschen.

Zahlreiche Großkunden, die Material liefern, kommen aus europäischen Nachbarländern wie Frankreich, England, Italien. Extrem viele Nachfragen verzeichnen die Shredex-Gründer seit ihrer Teilnahme an der IFAT, der Weltleitmesse für Wasser, Abwasser, Abfall- und Rohstoffwirtschaft mit 135 000 Besuchern aus rund 170 Ländern Ende Mai dieses Jahres in München.

Das Unternehmen hat eine Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSch) und strebt die Zertifizierung als Entsorgungsfachbetrieb an.

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