Blankensteiner Zellstoff-Unternehmen will von der Straße auf die Schiene

Die endlose Kette der Holzlaster belasten die Blankensteiner. Deshalb will ZPR die Holztransporte auf die Schiene verlagern und nimmt dafür viel Geld in die Hand. Doch die Bahn muss mitmachen.

Im vergangenen Jahr hat die Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal in Blankenstein die höchsten Investitionen seit dem Jahr 2000 auf den Weg gebracht. Foto: Jan Hartmann

Im vergangenen Jahr hat die Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal in Blankenstein die höchsten Investitionen seit dem Jahr 2000 auf den Weg gebracht. Foto: Jan Hartmann

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Blankenstein. Die Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal (ZPR) in Blankenstein (Saale-Orla-Kreis) investiert weiter kräftig. Fünf Millionen Euro sind für die Errichtung einer Übernahmestelle für Holz und dessen Weitertransport zur Entrindung und Hackerei geplant, sagte Geschäftsführer Leonhard Nossol der OTZ. Dafür müssen zunächst Arbeiten an den Gleisen der Anschlussbahn ins Werk durchgeführt werden. Außerdem wird ein Stetigförderer gebaut, mit dem Holzstämme zur Entrindung gebracht werden. Angeschafft wird überdies ein Bagger zur Bewegung der Holzstämme und es entsteht eine Zwischenlagerfläche für Holz.

Bahnhof Blankenstein ist ein Nadelöhr

Die jetzt geplante Investition ist Teil eines größeren Vorhabens, mit dem Rundholztransporte in einem substanziellen Umfang von der Straße auf die Schiene verlagert werden sollen. Das schließt nach Angaben der ZPR ein, Rundholzwagen von Saalfeld und vielleicht künftig auch über die Höllentalbahn zum Bahnhof Blankenstein zu bringen. Des Weiteren soll letzterer so erweitert werden, dass er Holzwaggons aufnehmen und der Holztransport von den Zellstoff- und Chemikalientransporten entkoppelt werden kann.

Im derzeitigen Zustand stellt der Bahnhof Blankenstein den Engpass für den Aufbau der geplanten Holzverkehre dar, sagte Logistik-Chef Sieghard Rennert. Deshalb gebe es Überlegungen, die bestehende Anschlussbahn um zwei weitere Gleise und vier Weichen zu erweitern, um die erforderlichen Gleislängen für die Aufnahme der Holzzüge zu schaffen. Dazu liefen derzeit Verhandlungen mit der Deutschen Bahn Netz. Nossol hofft, dass Gespräche mit der Bahn, weiteren Logistikern und Bauunternehmen Anfang März einen Durchbruch für die zukünftige Gestaltung des Bahnhofs bringen können.

Hinter diesen Projekten liegen handfeste wirtschaftliche Motive. Denn für die Zellstoffproduktion muss Holz aus immer entfernteren Gegenden beschafft werden. Gründe nennt Nossol gleich mehrere. Zum einen sinkt die Schnittleistung von Sägewerken, was wiederum zu einem geringeren Hackschnitzelanfall führt.

Höllentalbahn wieder in Betrieb nehmen

Zum anderen sind die Staatsforste zurückhaltender bei der Bereitstellung von Industrie-Rundholz geworden. Schließlich werden immer weniger Waldflächen in Thüringen bewirtschaftet und der Natur überlassen. "Das zwingt uns dazu, unseren Rohstoff von weiter her zu beziehen als früher", sagte Nossol.

Für die ZPR wäre es daher ideal, wenn die 1945 stillgelegte Höllentalbahn zwischen Blankenstein und dem bayerischen Marxgrün wieder reaktiviert würde.

Das ermöglichte es, weitere Holztransporte von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Mit der Lückenschließung Marxgrün-Blankenstein könnten mindestens 12"500 Lkw-Fahrten jährlich entfallen. Zudem verringerten sich die Distanzen zu den Kunden in Bayern, Baden-Württemberg, Österreich und Italien sowie den Holzlieferanten aus Oberfranken, dem Fichtelgebirge, der Oberpfalz und aus Tschechien. So ließe sich der Transportweg zwischen dem tschechischen Verladebahnhof Asch und Blankenstein von 267 auf 62 Kilometer verringern.

Nossol kann auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2014 zurückblicken. Der Umsatz lag 2014 bei 214 Millionen Euro und soll auch in diesem Jahr wieder erreicht werden. 2014 produzierten die 366 Beschäftigten rund 360"000 Tonnen Zellstoff. 60 weitere Mitarbeiter sind in der ZPR Logistik GmbH beschäftigt. Hinzu kommen außerdem zehn Auszubildende. Die Auftragslage bezeichnet Nossol als nach wie vor gut. Seit 2010 sei das Unternehmen nun schon voll ausgelastet.

In diesem Jahr will das Unternehmen noch zwei weitere Investitionsvorhaben zum Abschluss bringen. Für 7,1 Millionen Euro entsteht bis zum Ende des dritten Quartals ein neuer Hackschnitzelplatz mit einer Lagerkapazität von 50"000 Festmeter Holz. 8,5 Millionen Euro investiert die ZPR bis Jahresende in die Erweiterung der Eindampfungsanlage.

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