Braunichswalder entwickelt Drohne zum Fensterputzen: Selbst Dubai zeigt Interesse

Tino Zippel
| Lesedauer: 4 Minuten
Die Drohne Marke Eigenbau putzt hoch oben die Fenster, ohne dass Marcus Fritzsche eingreifen muss. Fotos: Tino Zippel

Die Drohne Marke Eigenbau putzt hoch oben die Fenster, ohne dass Marcus Fritzsche eingreifen muss. Fotos: Tino Zippel

Foto: zgt

Marcus Fritzsche aus Braunichswalde im Landkreis Greiz hat eine Spezialdrohne entwickelt. Diese Idee hat dem Mathematiker einen Spitzenplatz beim Wettkampf um eine Million US-Dollar eingebracht.

Braunichswalde. Leise surren die vier Rotoren der Drohne, als sie an die Glasscheibe in der zweiten Etage andockt. Marcus Fritzsche nimmt die Hände von der Steuerung: Die Drohne drückt den nassen Schwamm an das Fenster und beginnt mit dem Einweichen.

Jahrelange Tüftlerarbeit steckt in dem Prototypen - und alles begann im heimischen Wintergarten. Fritzsche hatte schon während seines Mathematikstudiums an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena mit Freunden Drohnen gebaut. Eines Tages kam im Haus seiner Eltern die Frage auf, wer die ungünstig zu erreichenden Glas­flächen des Wintergartens putzt. "Und das, ohne die Blumen drumherum zu zerstören", sagt der 32-Jährige, dessen Ehrgeiz geweckt war: "Kein Problem."

Beim Experimentieren gabs auch Abstürze

Doch die Aufgabe war anspruchsvoller als gedacht. "Zunächst habe ich mit schräggestellten Bierbänken trainiert. Bei jedem zweiten Flug ist die Drohne abgestürzt", berichtet Fritzsche, der bei Volkswagen in Braunschweig promoviert. Nebenbei trieb er sein Freizeitprojekt voran.

Er experimentierte unter anderem mit dem Anstellwinkel beim Putzen oder mit der Traglast der Drohnen. Schleppen sie zu viel Wasser und eine zu aufwendige Bürstenkonstruktion mit, bringen sie nicht mehr genug Anpressdruck an die Scheibe. Geht kein Wasservorrat mit in die Höhe, sind zu viele Flugbewegungen notwendig, um Nachschub zu holen.

Mit Unterstützung seiner Eltern investierte Fritzsche einen fünfstelligen Betrag in die Entwicklung. Weil Bauteile von der Stange nicht weiterhelfen, nutzte er einen 3D-Drucker, der eigens konstruierte Spezial­stücke für den Rahmen fertigt.

Mindestens genauso wichtig wie die Technik ist aber die Programmierung. "Ziel war, dass die Drohne selbst bei Wind stabil ihren Dienst verrichtet", sagt Fritzsche, der sich zu einem Wettbewerb in Dubai anmeldete: Eine Million Dollar Preisgeld erhielt jenes Team, das die beste Drohne für eine zivile Anwendung baut. Die Bewerbung aus Thüringen kam gut an: Aus 800 Einsendungen wählten die Organisatoren 20 aus. Fritzsche gehörte dazu. "In Dubai haben wir angesichts der vielen Wolkenkratzer gespürt, dass wir mit unserer Idee auf dem richtigen Weg sind", sagt der Thüringer.

Im Halbfinale stellte das Team der Jury die Entwicklung vor, scheiterte nur knapp daran, ins Finale einzuziehen. Platz sechs hieß es unterm Strich.

Der Sieg ging an eine Schweizer Gruppe, die eine Drohne mit umgebenden Käfig gebaut hat, die selbst in schmale Spalten fliegen kann - ideal zur Suche nach Überlebenden nach einem Erdbeben.

Einsatz als Putzkolonne für Solaranlagen

"Aber wir haben versucht, so viel wie möglich Kontakte zu knüpfen", sagt Fritzsche, der weiter dranbleiben will. Er sieht gute Chancen für einen Alltagseinsatz, weil die Drohnen dem Menschen die Arbeit erleichtern. "Denkbar wäre, dass eine Person 20 Drohnen überwacht, die parallel Fenster an Hochhäusern putzen", sagt Fritzsche.

Sein Vater Mathias bringt als weiteres Einsatzgebiet große Solaranlagen ins Gespräch. "Die müssen aller paar Jahre gereinigt werden. Das könnten Drohnen automatisiert erledigen", sagt der Inhaber von Fritzsche Haustechnik in Braunichswalde. Er könne sich vorstellen, das Drohnenprojekt als neuen Geschäftszweig aufzunehmen oder eine extra Firma gründen.

Doch die Entscheidung überlässt er seinem Sohn. Er will zunächst im Sommer die Promotion einreichen. Nebenbei bleibt er natürlich am Drohnenprojekt dran. Als nächstes will er eine integrierte Wisch- und Abzieheinheit testen. Bislang muss sich die Drohne nämlich einmal drehen, wenn sie zwischen den Arbeitsschritten Einweichen und Abziehen wechselt.

"Das wird über einen Kippmechanismus geregelt", sagt der junge Erfinder, der bei technisch kniffligen Fragen Rat bei seinen Freunden findet. "Als Mathematiker war ich geneigt, alles zunächst in der Theorie zu berechnen. Oft hat sich aber gezeigt, dass Probieren über Studieren geht." Doch welches Objekt reizt ihn in Thüringen für einen Test? Fritzsche überlegt nicht lange: "Ein Versuch am Intershop-Turm in Jena, das wärs."