Corona erreicht massiv das Thüringer Handwerk

Rudolstadt.  Die Präsidenten der ostdeutschen Handwerkskammern fordern mehr Aufträge durch die öffentliche Hand, um die Arbeitsplätze zu retten.

Die Handwerkskammern in den ostdeutschen Bundesländern warnen vor massiven Einbrüchen im Handwerk durch die Corona-Krise. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Handwerkskammern in den ostdeutschen Bundesländern warnen vor massiven Einbrüchen im Handwerk durch die Corona-Krise. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Mit einem dringenden Appell haben sich die Präsidenten der ostdeutschen Handwerkskammern an die Politik gerichtet. Um ein Ausbluten des Handwerks zu verhindern müsse schnell gegengesteuert werden, heißt es in ihrer Resolution nach einem Treffen in Rudolstadt.

Bisher habe das Handwerk die Corona-Auswirkungen besser gemeistert, als die Industrie, doch nun träfen die Folgen zeitverzögert die Branche. Prognosen gehen von massiven Einbrüchen im Kfz-Gewerbe aus, im Gesundheitsbereich und bei personenbezogenen Dienstleistungen. Auch im Baugewerbe schwäche sich die Auftragslage ab.

Um das Überleben kleiner und mittelständiger Betriebe zu sichern, fordern die Kammerchefs eine Vergabeinitiative für öffentliche Aufträge. Bund, Länder und Kommunen müssten Bauleistungen zeitnah und in kleinen Losen vergeben. Sollte der Abschwung auch das Baugewerbe in Größenordnungen erreichen, befürchten die Handwerkskammern den Verlust tausender Arbeitsplätze über Jahre hinweg.

Angemahnt wird auch ein Abbau bürokratischer Hürden, zum Beispiel bei Bauanträgen. Die könnten in vielen alten Bundesländern für Häuser mit weniger als 400 Quadratmetern Fläche auch vom bauausführenden Handwerksmeister eingereicht werden. In den meisten ostdeutschen Ländern dürfen das dagegen nur Ingenieure und Architekten, eine Nachbesserung würde Bauvorhaben vereinfachen.

Weitere überlebensnotwendigen Hilfen sind aus Sicht der Kammerpräsidenten steuerliche Erleichterungen und die Weiterführung finanzieller Hilfen. Die Politik müsse sich dabei stärker auf Kleinstunternehmen und Handwerker fokussieren. Deren Eigenkapitaldecke habe sich während der Corona-Krise deutlich verringert, zudem seien Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten von einigen Hilfsmaßnahmen gänzlich ausgeschlossen.

An vorderster Stelle allerdings, resümieren die Kammerchefs, müsse jetzt ein zweiter Lockdown verhindert werden. Das Handwerk werde mit seinen gut durchdachten Hygienekonzepten dazu beitragen.