Der Trüffel unter den Käsesorten: Milbenkäse aus dem Altenburger Land soll die Welt erobern

Illsitz  Das Jahr 2016 wird für Ulrich Müller aus Illsitz und Lutz Albert aus Mumsdorf ein ganz Besonderes. Mit Altenburger Milbenkäse wollen sie die Welt erobern und für das Altenburger Land werben.

So muss ein „Lumpziger Mühlstein“ aussehen, nachdem die Milben für sein besonderes Aroma gesorgt haben. Lutz Albert (li.) und Ulrich Müller wollen diese regionale Köstlichkeit auf der Grünen Woche präsentieren. Foto: Jana Borath

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Der Startschuss dafür fällt schon in zwei Wochen mit der Grünen Woche in Berlin. Vom 15. bis 24. Januar wollen Ulrich Müller und Lutz Albert im Namen des Vereins Altenburger Bauernhöfe den ­„Lumpziger Mühlstein“ einem internationalen Messepublikum anbieten.

Bei diesen Mühlsteinen handelt es sich um Milbenkäse, eine durch und durch lokale Spezialität aus dem Altenburger Land. Dessen Wiege hat auch dort gestanden. „Allerdings nicht in den heutigen politischen Kreisgrenzen“, so Ulrich Müller, „sondern in jenen Grenzen des Altenburger Landes im 11. und 12. Jahrhundert.“ Damals, so fügt Albert hinzu, sei der Altenburger Milbenkäse erstmals erwähnt worden. Und selbst Kaiser Barbarossa habe, so er durchs Altenburger Land reiste, stets nach Brot, Bier und ­Milbenkäse verlangt.

Milbenkäse ist auch Brauchtumspflege

Noch heute wird die Herstellung von Milbenkäse auch als alter Brauch gepflegt. Beispielsweise in nahen Würchwitz, wo einige Familien die Milbenkäse-Tradition am Leben erhalten und unter anderem zu Müller und Albert aus dem Altenburger Land enge Freundschaft ­pflegen. Die beiden Männer betreuen privat ihre eigenen Milbenkäse-Produktionen. Für den erfolgreichen Betrieb sind außer ganz vielen Milben vor allem reichlich Erfahrung und viel Geduld nötig. Denn ehe unter anderem aus Magerquark mit Kümmel und Salz ein Altenburger Milbenkäse geworden ist, vergehen schon mal drei Monate. Dass am Ende dieses Prozesses ein genießbares Lebensmittel herauskommt, steht übrigens auch nicht immer von Anfang an fest. „Versuch und Irrtum bleiben bei der Milben­käseherstellung enge Begleiter“, umreißt Lutz Albert und lacht.

Milbenkäse, so werben Ulrich Müller, Lutz Albert und auch die Würchwitzer, sei ein Trüffel unter den Käsesorten. Er ist lange haltbar und besonders würzig. Die Herstellung selbst ist aufwendig. Denn während des Reifeprozesses muss der Käse täglich betreut werden. „Ich geh mal meine Milben streicheln“, beschreibt Ulrich Müller diese Tätigkeit. Was beim Reifeprozess passiert, ist indes schnell erklärt. Die Milben fermentieren mit Hilfe ihrer Enzyme den Käse über mehrere Monate hinweg. Dabei dürfen sie etwa die Hälfte eines späteren „Lumpziger Mühlsteines“ verspeisen. Was etwa 100 Gramm entspricht.

Trotz des recht langen Herstellungsprozesses sind Müller und Albert für die Grüne Woche in Berlin gerüstet. Bis zu 400 „Lumpziger Mühlsteine“ wollen sie mitnehmen auf diese Messe. Dafür füttert Müller seine Milben auch mit Traubenzucker, um sie noch energiegeladener ans Werk gehen zu lassen. Einen kleinen Vorrat an „Lumpziger Mühlsteinen“ für den Messeauftritt hat er unabhängig vom Traubenzuckereinsatz schon mal angelegt. Denn ob sich dieser zusätzliche Energieschub für die Milben tatsächlich in höherer Produktivität niederschlägt, wissen die beiden Männer derzeit noch nicht wirklich. „Wie gesagt – Versuch und Irrtum liegen meist eng beieinander“, sagt Lutz Albert dazu.

Sicher ist jedenfalls die Vermarktungsstrategie, die ab 2016 gefahren werden soll. Mit „Lumpziger Mühlstein“ ist ein charakteristischer Name gefunden für den Altenburger Milbenkäse. Die Entwürfe für eine schicke Verpackung sind erarbeitet und werden alsbald ausgewertet. Bereits am 4. Januar starten Ulrich Müller und Lutz Albert gemeinsam mit dem Verein ­Altenburger Bauernhöfe sowie den Organisatoren des Messe-Auftritts für das Altenburger Land in die heiße Vorbereitungsphase für die Premiere des Altenburger Milbenkäses aus ­Illsitz und Mumsdorf auf internationalem Parkett in Berlin.

Im Laufe des kommenden Jahres sollen weitere Aktionen folgen. „Für uns wird 2016 damit tatsächlich sehr besonders“, freuen sich Müller und Albert.

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