Serie „Selbst gemacht“: Der Wolle glücklicher Schafe verschrieben

Meilitz.  Regina Oels aus Meilitz strickt Pantoffeln, Westen und Pullover.

Ob Schals oder Bettschuhe, Sofadecken oder Nackenrollen – Regina Oels hat allerhand Selbstgestricktes zu bieten.

Ob Schals oder Bettschuhe, Sofadecken oder Nackenrollen – Regina Oels hat allerhand Selbstgestricktes zu bieten.

Foto: Christine Schimmel

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Regina Oels hat ein Faible für die Natur und ihre Produkte. Im ländlichen Zuhause und alten, historischen Dingen und Interieurs verbunden, hat sie sich der Schafwolle verschrieben. Man könnte sagen, sie ist ihr erlegen, dieser weichen, fluffigen, wärmenden Faser. Bis bei ihr jedoch die Stricknadeln klappern, klackt erst einmal ihr Spinnrad.

„Wolle kaufen kann sich jeder“, sagt sie nicht ohne Stolz auf ihr Hobby, in dem sie es mittlerweile zur Meisterschaft gebracht hat. Im Jahr 2008 wollte sie plötzlich wissen, wie das geht, das Spinnen, nachdem sie das Stricken aus dem Effeff beherrschte. Denn das lag irgendwie in der Familie.

Schon die Mutter hatte ihre Familie und Freunde eingestrickt, stets gab es selbst gestrickte Socken, Pullover und dergleichen. „Als Kind mochte ich das gar nicht, das alles anzuziehen“, erinnert sich Oels, die von der Mutter dennoch die Fertigkeit lernte und seitdem selbst die eigene Familie und Bekannte mit ihren Strickereien versorgt. Fragt man sie jetzt, will sie gar nicht aufhören, von der massierenden und wärmenden Qualität der Schafwollprodukte zu erzählen.

Vor zwölf Jahren belegte die Meilitzerin einen Spinnkurs in Waltersdorf, den ihr ein ehemaliger Kollege vermittelte. „Da habe ich gleich gemerkt, dass das genau mein Ding ist. Ich konnte das sofort“, sagt sie. Das Problem war nur, an ein eigenes Spinnrad zu kommen. Es musste natürlich ein altes, schon gebrauchtes sein. Das wurde dann auch extra in Arnstadt geholt, aus einer Familie, die es lange in Benutzung hatte.

Spinnen konnte es gut, doch nicht ohne laute Geräusche. Obwohl der Nachbar Ersatzteile gedrechselt hatte, war es oft kaputt. „Auch mein Partner plädierte für ein Neues mit Kugellager, das dann auch für mich in Brandenburg gebaut wurde“, schwärmt Regina Oels von dem wichtigen Werkzeug, das ihr seitdem entspanntes Spinnen während des Fernsehens ermöglicht.

Dann entstehen Meter um Meter feinste Schafwollgarne, mal dünn, mal dick, je nachdem, was die Naturfreundin daraus machen will. Persönlich liebt sie die dicken Socken und Kleidungsstücke, die aus flauschigen Garnen gemacht sind.

Vor der Zeit des Spinnens und Strickens, vorrangig in der kalten Jahreszeit, gibt es auch allerhand zu tun rund um die Wolle. Das frisch geschorene Schafhaar muss von grobem Dreck und Gras befreit werden. Nach dem geduldigen Auszupfen ist schließlich das Waschen mit Regenwasser und Kernseife in großen Bottichen angesagt.

„Nach dem Vortrocknen in einer alten Tischschleuder hänge ich die Bündel dann im Garten auf“, erzählt Regina Oels, die in einem späteren Schritt die Wolle meist kämmt und ohne chemische Zusätze, dafür mit Brennessel, Schöllkraut, Blutpflaume oder Frauenmantel einfärbt. Auch Walnussschalen und Aroniabeeren kommen dafür zum Einsatz.

So bekommen die Wollknäule mal eine gelbe, mal violette, mal braune oder naturbelassene Färbung. „Wenn die Bündel endlich daliegen, bin ich erst einmal sehr zufrieden“, sagt die passionierte Strickkünstlerin. In ihren Händen verwandelt sie die Garne schließlich in robuste Pantoffeln, kuschlige Bettschuhe, Stirnbänder und Schals, Westen und Pullover.

Für Familie und Freunde, die Selbstgestricktes mögen und schätzen, entstehen in stundenlanger Arbeit auch Babygarnituren, Sofadecken oder Nackenrollen. Die Adressaten haben immer wieder Wünsche und Regina Oels immer wieder neue Ideen. Für sie selbst springt aus dem Hobby auch etwas heraus: Sie findet Entspannung und Ausgleich für ihre berufliche Büroarbeit.

Übrigens kennt die Meilitzerin fast jedes der Schafe, das ihr Wolle spendet, persönlich. „Man merkt gleich an der Wolle, ob es ein glückliches Schaf von einem ordentlichen Bauern ist mit gepflegten Wiesen für die Tiere“, freut sie sich über aus dem Umland in Weida, Seifersdorf, Zedlitz und Wolfsgefährt oft unaufgefordert gelieferten Nachschub an dem Naturprodukt, an dem ihr Herz hängt.

Selbst gemacht

In unserer Serie „Selbst gemacht“ stellen wir Ihnen Handarbeitskreative aus Ostthüringen vor. Darüber hinaus werden wir Ihnen Anregungen geben, was Sie aus Stoff, Garn und Wolle so alles machen können.

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