Erste Stromer auf Jenas Straßen

Serienmäßige Elektroautos bietet der erste Jenaer Auto-Händler an. Die Stadtwerke bauen eine E-Tankstelle auf.

Marko Thiele mit seinem Mitsubishi i miev einem Elektroauto

Marko Thiele mit seinem Mitsubishi i miev einem Elektroauto

Foto: zgt

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Jena. Der Name "i-Miev" für ein gänzlich ohne Abgase fahrendes Elektroauto ist eigentlich ein ziemlicher Fehlgriff der Marketingabteilung. "Das heißt Mitsubishi innovative electric Vehicle", übersetzt der Lobedaer Autohändler Marko Thiele rasch die Abkürzung.

Doch Name hin, Name her: Der "i-Miev" ist derzeit das einzige wirklich serienmäßig bestellbare Elektroauto auf dem Markt. Klimaanlage, ESP, elektrische Fensterheber – alles an Bord im Öko-Mobil.

"Eine ’Tankfüllung’ an der Steckdose kostet 2,50 Euro, reicht maximal für 150 Kilometer. Das Auto hat einen Anzug wie ein Golf GTI – völlig lautlos. Spitze 130 km/h", schwärmt Thiele. Nur mit der Probefahrt, das gehe gerade nicht. "Unser Auto ist unterwegs und kommt erst abends zurück. Die Neugierde der Kunden ist sehr groß", erklärt der Automann. Verkauft hat er noch keinen "i-Miev". Das liegt sicher weniger an den sechs Stunden Ladezeit an einer gewöhnlichen Steckdose oder den 20 Minuten Schnellladung an 380 Volt Kraftstrom. Die Hürde ist der Preis: 35 000 Euro für ein Mini-Auto – dafür gibts beim gleichen Händler ausgewachsene Geländewagen.

Marko Thiele hält das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 rund eine Million E-Autos auf die Straße zu bringen, trotzdem für realistisch. "Wenn der Preis erst mal auf 20 000 Euro gefallen ist, rechnet sich das für Leute, die viel in der Stadt unterwegs sind", sagt der Händler. Für Gewerbetreibende auf jeden Fall. "Natürlich muss man für so eine neue Technologie auch ein Faible haben", so Thiele. Was die steuerliche Förderung angeht, so wäre für den Händler der Wegfall der Mehrwertsteuer ein Kaufanreiz. "Kfz-Steuer fällt für E-Autos nicht an. Was soll die Befreiung für zehn Jahre", fragt Thiele.

Elektromobilität ist auch bei den Stadtwerken Energie Jena-Pößneck ein Thema. "Seit drei Jahren steht es bei uns auf der Agenda", sagt Wolfgang Eisenberg. Als ersten Schritt haben sich die Stadtwerke für die Förderung bei Fahrrädern entschieden. Mit vier Fahrradhändlern, drei in Jena und einem in Pößneck, gibt es Verträge. Sie vertreiben ein spezielles Stadtwerke-Pedelec, also ein Rad mit Elektromotor-Unterstützung. "Wir haben selbst zwei solche Räder für unsere Mitarbeiter angeschafft und werden im Sommer vor den Stadtwerken eine Tankstelle für E-Autos und Pedelecs aufbauen", sagt Eisenberg. Für neue Technologien brauche man Geduld, weiß der Bereichsleiter Erzeugung. Der Strom soll von der großen Solaranlage auf dem Dach der Stadtwerke kommen. Wenn schon, dann richtig grün.

Die Quelle der Energieerzeugung ist auch für den Wissenschaftler Prof. Dr. Bruno M. Spessert von der Fachhochschule Jena die Gretchenfrage. "Solange der Strom für die E-Autos über fossile Brennstoffe oder Atomkraft gewonnen wird, verbessert das nicht die Öko-Bilanz", sagt der Maschinenbauexperte. Noch mehr CO2 oder noch mehr Atommüll ist die Folge. Hybridantriebe, also die Kopplung von Verbrennungsmotor und Elektromotor im Auto, sind für Spessert im Kurzstreckenverkehr die beste Alternative, weil die Elektroenergie beim Bremsen des Fahrzeuges gewonnen wird. Diese Technologie vermeide Abprodukte . KOMMENTAR

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