Ganz nach Bienen-Geschmack

Die Zeit des Überflusses ist vorbei. Zumindest, wenn man Honigbiene ist. Denn Apfel- und Kirschbäume tragen längst Früchte, die Rapsfelder sind abgeerntet und auch die Wiesen, auf denen satter Hahnenfuß, Rot- und Weißklee oder Storchenschnabel reichlich Nektar und Blütenstaub boten, sind gemäht.

Imker Achim Krause (links) und Landwirt Tristan Sammer von der Gönnataler Agrar eG sind froh über ihre gute Partnerschaft. Beide profitieren von Naturschutzprojekten wie Blühstreifen im Mais. Den bauen die Landwirte als Futter für ihre Rinder und die Biogasanlage an. Dennoch hat der Mais nur neun Prozent Anteil am Pflanzenbau des Unternehmens, hält Sammer Befürchtungen entgegen, die Körnerfrucht könnte andere Kulturen dominieren.

Foto: Angelika Schimmel

Imker Achim Krause (links) und Landwirt Tristan Sammer von der Gönnataler Agrar eG sind froh über ihre gute Partnerschaft. Beide profitieren von Naturschutzprojekten wie Blühstreifen im Mais. Den bauen die Landwirte als Futter für ihre Rinder und die Biogasanlage an. Dennoch hat der Mais nur neun Prozent Anteil am Pflanzenbau des Unternehmens, hält Sammer Befürchtungen entgegen, die Körnerfrucht könnte andere Kulturen dominieren. Foto: Angelika Schimmel

Foto: zgt

Wilsdorf. Die Blütenpracht, die sich in manchen Schreber- und Bauerngärten im Wind wiegt, bietet dagegen nur noch ein begrenztes Nahrungsangebot für die fleißigen Pollensammler.

"Dabei brauchen die Bienen gerade jetzt ausreichend Nahrung, um sich ein ordentliches Fett-Eiweißpolster anzuschaffen, mit dem sie über den Winter kommen können", sagt Achim Krause. Er ist Imker und verdient mit Aufzucht und Pflege von derzeit 60 Bienenvölkern sowie der Verarbeitung der Bienen-Produkte seinen Lebensunterhalt. Seinen Bienen, die in der Flur zwischen Wilsdorf und Hirschroda ihr "Domizil" haben, geht es da deutlich besser als Artgenossen anderswo. Denn durch die Maisfelder bei Wilsdorf, die die Gönnataler Agrar eG dort stehen hat, ziehen sich zwei breite Streifen mit mannshohen Sonnenblumen. "Wir haben in Absprache mit dem hier ansässigen Imker diese Blühstreifen angelegt, um den Bienen eine bessere Nahrungsgrundlage zu bieten", erklärt Tristan Sammer, Abteilungsleiter Pflanzenproduktion. Angeregt wurden die Landwirtte zu diesem Naturschutzprojekt durch die Aktion "Farbe ins Feld" des Fachverbandes Biogas e.V. Auf dem Feld bei Wilsdorf wachsen nun auf insgesamt 1,4 Hektar Sonnenblumen, Bohnen, Erbsen und Lein zwischen dem Mais. Ein paar Kilometer weiter bei Krippendorf haben die Landwirte mit verschiedenen Zwischenfrüchten experimentiert, auch hier sind die Bienen voll auf ihre Kosten gekommen. "Wir freuen uns über dieses freiwillige Engagement der Landwirte", gesteht Imker Krause. Seine etwa 20 Völker, die bei Hirschroda zu Hause sind, können sich so den nötigen "Winterspeck" anfuttern, ohne lange Wege zum Futter fliegen zu müssen. "Bis zu fünf Kilometer im Umkreis der Bienenstöcke gehen die Tiere auf Nahrungssuche, doch besser ist es, wenn sie nicht so große Entfernungen zurücklegen müssen, um das Bienenvolk gut erhalten zu können. In der Hochzeit gehören bis zu 50 000 Tiere zu einem Volk, berichtet der Imker. Anders als bei den Wespen, bei denen nur die Jung-Königinnen überwintern, müssen die Bienen zudem ihr gesamtes Volk über die kalte Jahreszeit bringen.

Ziel von Achim Krause und seinen Imker-Kollegen ist es, wieder mehr Bienenvölker an mehr Standorten in der Region anzusiedeln. Dabei geht es nicht nur darum, eine größere Honigausbeute zu bekommen. Die Imker haben vor allem den Nutzen der Insekten für die Landwirtschaft und das natürliche Gleichgewicht insgesamt im Blick. "Wenn Bienen großflächig als Bestäuber ausfallen, dann gedeihen nicht nur auf den Feldern weniger Früchte", sagt Krause. Immerhin zwei Drittel aller Kulturpflanzen werden von Bienen bestäubt. Mit den Blühstreifen sichern sich die Gönnataler Bauern also sehr bewusst auch künftige gute Ernten.

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