Geplante Schweinemastanlage sorgt für Ärger in Wetzdorf

Schweine-Zwiespalt in Wetzdorf: Der geplante Bau einer Schweinemastanlage bietet in dem 200-Seelen-Dorf jede Menge Zündstoff für Diskussionen. Erste Stellungnahmen zum Raumordnungsverfahren wurden bereits abgegeben. Ein klares Nein kommt vom Naturschutzbund.

Ortseingang von Wetzdorf mit der gegenwärtigen alten Schweinemastanlage im Hintergrund. Foto: Margit Kasper

Ortseingang von Wetzdorf mit der gegenwärtigen alten Schweinemastanlage im Hintergrund. Foto: Margit Kasper

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Wetzdorf. Die friedliche Ruhe zur Mittagszeit in dem schmucken Wetzdorf, einem Ortsteil von Schkölen, ist trügerisch.

Im Dorf gärt es – und zwar mindestens schon seit gut einem Jahr. Damals wurden auf einer Einwohnerversammlung auf Betreiben des Ortsbürgermeisters Dietmar König offiziell Pläne der Heideland Gutsverwaltung aus Thiemendorf zum beabsichtigten Bau einer Schweinemastanlage mit 12 544 Stellplätzen und Biogasanlage bekannt.

Noch ist nichts entschieden, damit gibt es auch noch keine Baugenehmigung. Dennoch hat sich einiges getan. So hat das Ingenieurbüro des dänischen Investors fleißig seine Hausaufgaben gemacht, und nun geht es ins Raumordnungsverfahren. Die ersten Träger öffentlicher Belange haben dazu ihre Stellungnahmen abgegeben.

"Unser Fazit: Es ist eine Investitionsmaßnahme, die wir nicht ablehnen. Aber wir erwarten, dass alles abgestellt wird, was eine Belastung für Bürger sein könnte. Das betrifft insbesondere Geruch und Verkehr", sagte Schkölens Bürgermeister Matthias Darnstädt zur gemeinsamen Stellungnahme der Stadt Schkölen und des Ortsteilrates Wetzdorf. Positiv gesehen werden die Auswirkungen auf die Arbeitsplatzsituation (sechs bis sieben Arbeitsplätze) und auf die Auslastung territorialer Handwerksbetriebe. Allerdings: Berechnungen hätten zwar ergeben, dass die Geruchsbelästigungen die zulässigen Werte nicht überschreiten, heißt es in der Stellungnahme, aber diese seien "doch in erheblicher Weise vorhanden". Der geplante Standort liege 490 Meter von der Wohnbebauung entfernt, nicht 600 Meter, wie im Antrag angegeben – im Dorf spricht man sogar davon, dass die letzte Ablufthaube der angedachten Anlage sich nur 55 Meter vor der ersten Bebauung finde. Hinzu kommen als Geruchsbelästigungen noch die offene Güllegrube, die Silagelagerung sowie das Ausbringen der Gülle (über 24 000 Tonnen inklusive Maissilage pro Jahr fallen an). Die zur Ver- und Entsorgung der Anlage angegebenen wöchentlich etwa 15 Fahrten erscheinen als zu niedrig angenommen. Rund 80 Lastzüge pro Woche hatte König vor einem Jahr ausgerechnet. Zur Entlastung schlägt die Stadt vor, einen ehemaligen Weg außerhalb Wetzdorfs als Zufahrt auszubauen. Die Fläche, die für die Anlage nun ins Auge gefasst ist, soll drei Frauen aus Dresden gehören.

Im Ort selbst gehen die Meinungen weit auseinander: von "Ist mir egal, wenn es stinkt, dann stinkt’s halt. Essen wollen ja auch alle." über "Wir können ja sowieso nichts machen, wenn der Eigentümer verkauft." oder "Der Wind weht meist so, dass der Geruch wohl an uns vorbei ziehen würde." bis zu "Ich halte gar nichts davon, und Sie werden wenige im Ort finden, die dafür sind. Schon jetzt ist die Geruchsbelästigung groß, aber wenn die Gülle auf die Felder ringsum ausgebracht wird, ist sie noch größer."

Dabei befinden sich die Einwohner in einer klaren Zwickmühle. Denn der Investor hat angekündigt, die alten Schweineställe unmittelbar am Ort (die heutigen Standards in keinem Fall entsprechen) maximal auszulasten (etwa 4500 Schweine). Dafür hat er schon eine Genehmigung in der Tasche. "Erpressung" nennen es Wetzdorfer.

Ein ganz klares "Nein" zur beabsichtigten Anlage kommt vom Naturschutzbund Thüringen. Wie Stadt und Ortsteilrat sieht Gutachter Klaus Götze zum einen schon eine enorme Belastung durch das Vorhandensein mehrerer Windkraftanlagen und der alten Schweinemastanlage. Hinzu käme die Inanspruchnahme von 4,5 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, davon Neuversiegelung von 1,7 Hektar Mutterboden durch die Stallbauten. Die anfallende Gülle muss auf großen Flächen verteilt werden, was mit Belastungen des Bodens und des Grundwassers verbunden ist. Begründung des Investors sei die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln. "Die haben wir zur Genüge, denn Deutschland exportiert etwa 1,6 Millionen Tonnen Schweinefleisch in Entwicklungsländer", entgegnet der Nabu.

Im Internet beschreibt Schkölen seinen Ortsteil unter anderem so: "Da Wetzdorf unweit des Tautenburger Forstes liegt, Dornburg und Naumburg leicht erreichbar sind und die gastronomische Betreuung hervorragend gesichert wird, ist es auch für Touristen interessant." Das können die Wetzdorfer ganz schnell vergessen – jedenfalls dann, wenn die neue Schweinemastanlage kommt.

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