Heberndorfer Knowhow für Modellbauernhof in Uganda

Heberndorf  Sylvia Namukasa aus Uganda will in ihrem Heimatland einen Modellbauernhof mit Schulungszentrum nach Oberländer System errichten

Christine Leidenfrost (v.l.), Frank Augsten, André Telle, Sylvia Namukasa , Bernd Leidenfrost und Eckhard Wieseke bei der Agrar eG Heberndorf

Christine Leidenfrost (v.l.), Frank Augsten, André Telle, Sylvia Namukasa , Bernd Leidenfrost und Eckhard Wieseke bei der Agrar eG Heberndorf

Foto: Oliver Nowak

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Die Agrar eG Heberndorf ist in der Entwicklungshilfe aktiv – durch eine Praktikantin aus Uganda, die das in Heberndorf erworbene Wissen in ihr Heimatland bringen und verbreiten möchte.

Sylvia Namukasa heißt die ­37-jährige Frau, die durch ­private Initiativen zum Heberndorfer Betrieb kam. „Wir kennen Sylvia seit sie 2015 bei einem internationalen Seminar für Führungskräfte im ländlichem Raum in Hersching teilgenommen hat, wo unsere Tochter als Referentin war“, erzählt Bernd Leidenfrost, Amtsleiter a.D. vom Landwirtschaftsamt Hildburghausen. Und sie wollten Namukasas Idee, sich in der deutschen Schweinehaltung Wissen für landwirtschaftliche Aufbauarbeit in ihrem Heimatland anzueignen, unterstützen. „Im Bereich Hildburghausen wollte sich keiner engagieren, ­also rief ich einen alten Studienkollegen an.“ Und das war der Vater von Landwirt André Telle. Und so kam Namukasa für zwei Monate nach Herberndorf.

„Ich habe viel gelernt“, sagt sie. Vor allem, was Haltung, ­Hygiene und Versorgung betrifft. Besonders erstaunt habe sie, wie viele Ferkel in Heberndorf pro Muttertier geboren werden: 30 Stück im Jahr. In Uganda sind es in der Regel weniger als 20 und die Sterberate der Ferkel ist hoch. Auch wie schnell die Tiere zunehmen hat Namukasa überrascht. Das alles liegt an den Haltungsbedingungen. Hygieneschleusen für die Arbeiter sind in Uganda völlig unbekannt. Ebenso wie die Mittel der Tiermedizin.

Eines Tages rief der Vater von Sylvia Namukasa an, um zu fragen, ob sie ein Mittel wüsste, wie einem kranken Schwein geholfen werden könne. Namukasa holte sich Rat bei Telle, den sie weitergab. Der Vater solle dem Schwein Apfelsaft oder eine Cola zu trinken geben, damit sich die Verdauung reguliere. Und das war für den Vater völlig unverständlich. Cola gebe man nur seinen Gästen. Und Namukasa habe kommentiert: Den Schweinen in Deutschland ginge es besser als den Babys in Uganda. Das menschliche Leid, was sich in dieser Äußerung offenbarte, „hat mich sehr bestürzt und bewegt“, sagt André Telle.

Namukasa, die Umwelt­managment studiert hat, plant in Uganda eine Art Modellbauernhof mit Schulungszen­trum aufzubauen. Mit einem Stall für die Sauen und Ferkel, einer Mast, einer Fleischerei und einem Labor. Die Bauern in Uganda sollen auf dem Modellbauernhof gezeigt bekommen, wie eine moderne und effektive Schweinehaltung möglich ist. Und mit zehn Muttersauen wolle sie anfangen. Das sei bei den Landwirten in Uganda schon sehr viel. Denn meist sind es nur drei bis fünf Sauen, die dort in Holzverschlägen unter freiem Himmel gehalten werden. Mehr als zehn Sauen auf dem Modellhof zu halten, sei aufgrund der Ressourcen von Wasser und Nahrung kaum möglich. Das Personal zur Versorgung der Tiere soll dabei durch die Landwirte gestellt werden, die auf dem Modellhof geschult werden. Diese Idee stellte Sylvia ­Namukasa jüngst auch der Thüringer Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (Die Linke) vor.

Um die Idee des Modellhofes zu verwirklichen, ­suchen Sylvia Namukasa, Bernd Leidenfrost und Frank Augsten, der kommissarischer Präsident der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, und Eckhard Wieseke vom Berufsverband Landwirtschaft und ländlicher Raum nun Institute und Organisationen, die für die Finanzierung und Umsetzung des Projektes einstehen wollen. Der Agrarwissenschaftler Augsten sieht in dem Projekt auch eine gute Möglichkeit, Fluchtursachen in Afrika zu bekämpfen. Durch eine gute Binnenmarktentwicklung können die Versorgungsprobleme in diesen Ländern eingedämmt werden.

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