Hoffnung für Intensivpatienten: InflaRx aus Jena siegt beim IQ Innovationswettbewerb

Niels Riedemann ist kein Freund voreiliger Erfolgsprognosen. Vor allem nicht, wenn es um neue medizinische Wirkstoffe geht.

Die Mitarbeiter von InflaRx haben großen Anteil am Erfolg. Von links: Othmar Zenker, Marlen Hermann, Katrin Reiher, Heidrun Schwalbe, Conny Schneider und Maria Habel.
Foto: Lutz Prager

Die Mitarbeiter von InflaRx haben großen Anteil am Erfolg. Von links: Othmar Zenker, Marlen Hermann, Katrin Reiher, Heidrun Schwalbe, Conny Schneider und Maria Habel. Foto: Lutz Prager

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Jena. "Wissen Sie", sagt der 42-Jährige, "ehe ein neues Medikament die Marktreife hat, dauern Entwicklung und klinische Tests um die 15 Jahre. Scheitern ist immer inbegriffen. Die Ausfallquote liegt irgendwo zwischen 50 und 90 Prozent." Über dieses kritische Stadium hofft Riedemann inzwischen hinweg zu sein.

Sein Antikörper, der gegen schwerste Entzündungen wie etwa Sepsis wirken soll, ist bereits in der ersten Phase der klinischen Erprobung angekommen. In fünf Jahren könnte daraus ein zugelassenes Medikament werden. Eines, das die Intensivmedizin weltweit revolutioniert.

Es ist der erste funktionierende Antikörper, der das Protein C5a im Blut bindet und in seiner Wirkung blockiert. "Bei C5a handelt es sich um ein körpereigenes Schlüsselmolekül, das bei schwersten Entzündungen wie ein Katalysator wirkt und die Organe des eigenen Körpers angreift", erklärt Riedemann. Solche Entzündungen entstehen etwa bei großflächigen Brandverletzungen, nach Organtransplantationen oder schweren Unfällen mit hohem Blutverlust.

Der Jenaer Intensivmediziner und sein Partner Renfeng Guo, ein Amerikaner mit chinesischen Wurzeln, gründeten Ende 2007 die InflaRx GmbH, die aus dem biologischen Wirkstoff ein anwendungsfähiges Medikament machen soll. Acht Beschäftigte arbeiten in angemieteten Labors des Bioinstrumentezentrums am Beutenberg an der Neuentwicklung. Finanziert wird das ausschließlich über private Risikokapitalgeber. "Da würde kein Lottogewinn reichen, um eine Pharmaentwicklung dieser Art zu finanzieren", sagt Riedemann.

Überzeugt hat das aussichtsreiche Produkt aber nicht nur die Geldgeber, sondern auch die Jury des 10. IQ Innovationspreises Mitteldeutschland. Sie zeichnete die InflaRx GmbH am Mittwochabend in Leipzig mit dem diesjährigen Hauptpreis aus.

"Der von der InflaRx GmbH entwickelte Antikörper ist gleich doppelt eine echte Innovation. Zum einen wissenschaftlich, weil er dazu beitragen kann, eine der größten Herausforderungen der modernen Medizin zu lösen. Und wirtschaftlich, weil allein das weltweite Marktpotenzial im Bereich der Sepsisbekämpfung auf mehr als fünf Milliarden Euro geschätzt wird", begründet Jörn-Heinrich Tobaben, Geschäftsführer der Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH.

Die Grundlagenforschung für den Antikörper erfolgte allerdings nicht in Jena, sondern in den USA. Niels Riedemann und sein Partner Renfeng Guo, der als Professor in den USA arbeitet, sind Mitinhaber der Patente, die bei der University of Michigan liegen.

Nach Jena kam der gebürtige Ostwestfale Riedemann über den Jenaer Sepsisforscher und Direktor der Klinik für Intensivmedizin, Konrad Reinhart. "Jena bietet mit seinem Forschungscluster erstklassige Rahmenbedingungen", sagt Riedemann, der neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer von InflaRx als Leitender Oberarzt am Uniklinikum in der Intensivmedizin arbeitet. Auch diese direkte Vernetzung mit der klinischen Praxis sei ein unschätzbarer Vorteil, der in Jena geboten werde. Riedemann lebt seit 2007 mit seiner Frau in Jena. Die drei Kinder des Ehepaares sind echte Jenenser - sie wurden in der Saalestadt geboren.

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