Hotel-Zukunft des Geraer Novotel steht in den Sternen

Gera  Nachgehakt Ende 2017 endet nach 25 Jahren der Pachtvertrag des Novotels Gera. Wie es dann weiter geht, ist offen.

Das Novotel in Gera, zum Ende des Jahres läuft der Pachtvertrag aus. Links ­Hoteldirektor Jörg Tempel. Foto: Marcel Hilbert

Das Novotel in Gera, zum Ende des Jahres läuft der Pachtvertrag aus. Links ­Hoteldirektor Jörg Tempel. Foto: Marcel Hilbert

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"Stimmt es, dass das ­Novotel in Gera schließt?" So einfach die Frage, die unsere ­Redaktion erreichte, so schwierig ist sie zu beantworten. Dass die Frage auch ihm zuletzt häufiger gestellt wurde, kann Jörg Tempel, Direktor des Hotels in der Berliner Straße, bestätigen, ihr aber weder ein klares Ja noch ein klares Nein entgegnen.

Im Gespräch mit unserer Zeitung versucht er, die Hintergründe nachvollziehbar zu machen. Fest steht: Am 31. Dezember 2017 endet der 25-jährige Pachtvertrag mit dem Gebäudeeigentümer, der 1993 mit der Eröffnung des damaligen Dorint-Hotels in Kraft trat. Fest steht laut Tempel seit längerem auch, dass die ­Accor-Hotelgruppe, die 2006 das Dorint übernahm und der eigenen Vier-Sterne-Marke Novotel zuordnete, den Pachtvertrag nicht verlängern werde. Grund sei ein Strategiewechsel des Unternehmens vor drei, vier Jahren, sagt Tempel.

Die Uhr tickt erbarmungslos

Da das Datum für das Vertragsende mit dessen Abschluss feststand, beschäftige man sich seit einigen Jahren schon mit der Frage, wie es danach weitergeht. Ein Grundgedanke der Überlegungen: In dieser Größe und zu dieser Pacht wird das Hotel nicht weiterzubetreiben sein.

"Wir haben 282 Zimmer mit 480 Betten." Überdimensioniert geplant, sagt er. Dazu eine Pacht, die 25 Jahre fix gewesen sei und, wie die Größe des Hotels, unter dem Eindruck der Wende und ausgehend von zu euphorischen Prognosen zur Entwicklung der Stadt festgelegt wurde, die so nicht eintraten.

Deshalb habe er ein neues ­Hotelkonzept erarbeitet, das auf einer Analyse des derzeit Machbaren in Gera fußt und mit dem er den Gebäudeeigentümer bei dessen Suche nach einem Nachfolge-Betreiber unterstützen wollte. Wesentliche Erkenntnis: "Dieses Hotel mit 50 Prozent der Kapazitäten, mit 144 Zimmern, wäre wirtschaftlich zu führen", sagt Tempel. Das bedeute gleichzeitig, dass die Vermietung von Büros und Geschäftsräumen im Gebäudeteil zur Gagarinstraße hin intensiviert werden müsste.

Was das Hotel angeht, so gebe es laut Jörg Tempel zwar die Ansage der Accor-Gruppe, keine eigene Filiale mehr in Gera zu betreiben, wohl aber die Bereitschaft, hier als Franchise-Geber aufzutreten, was für einen künftigen Pächter Vorteile mit sich bringen könnte.

Das Problem ist nun, dass es zwar einige Interessenten gebe, allerdings bisher keine Entscheidung getroffen wurde, kein Folgevertrag zustande kam. Und die Uhr tickt erbarmungslos. "Der Vermieter muss eine Lösung finden und wir haben deswegen jahrelang Druck gemacht", sagt der Novotel-Chef. Dass nun das Thema Schließung die Runde macht, habe einen einfachen Grund. "Bisher haben wir die Kundschaft auf einen ­Betriebsüber­gang orientiert." Nun aber sei die Zeit soweit vorangeschritten, dass man auf eine Schließung orientieren müsse. Das heißt: War das Hotel bisher 405 Tage nach vorn buchbar, so werden seit Kurzem keine Buchungen mehr für das kommende Jahr angenommen, auch nicht für Veranstaltungen in den Hotelräumen. Dass damit einem Nachfolge-Betreiber statt eines Vorschusses für den Neustart eher eine Hypothek mit auf den Weg gegeben wird, ist dem Hoteldirektor klar: "Hier wird eine Chance vergeben." Doch der fortgeschrittene Zeitpunkt birgt noch andere Schwierigkeiten. Zum einen müsse man wegen Fristen demnächst wohl oder übel den Untermietern kündigen, also jenen, die anderweitig Büro- und Geschäftsräume im dem Gebäude, derzeit noch bei der Accor-Gruppe, gemietet haben.

Zum anderen sind da die Mitarbeiter, immerhin 56, von denen 32 festangestellt, neun in Ausbildung und der Rest Aushilfen und Minijobber für Spitzenzeiten sind. Auch gegenüber der Belegschaft sei man laut Jörg Tempel stets offensiv mit dem Thema umgegangen. Allerdings sei auch hier der Optimismus hinsichtlich eines Betriebsübergangs etwas dem Realismus gewichen. "Wir haben Mitarbeiter, die sehr lange dabei sind und heute bis zu sieben Monate Kündigungsfrist haben." Schweren Herzens müsse bereits an betriebsbedingte Kündigungen gedacht werden, auch wenn es einen örtlichen Betriebsrat und Sozialplanverhandlungen gibt.

"Ich will so gern für die Mitarbeiter noch etwas erreichen", sagt Tempel. Vor allem deshalb macht er sich weiter für die Nachpächter-Suche stark. "Wir lassen uns nicht unterkriegen", sagt er: "Dieser Prozess ist immer noch umkehrbar, es wird aber von Woche zu Woche schwieriger." Er hofft, dass der Vermieter noch eine Lösung präsentieren kann, das käme den Mitarbeitern, aber auch der Stadt zu Gute. Denn keiner braucht eine leere Gebäudehülle in solch zentraler Lage. Vom Vermieter waren gestern so kurzfristig keine Aussagen zum Verhandlungsstand zu erhalten.

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