Interner Bericht von Ministerium: "Grauenhafte Zustände im Schlachthof Jena"

Ein interner Bericht des Thüringer Landwirtschaftsministeriums an den Landtagsausschuss wirft ein Schlaglicht auf die Leitung des Jenaer Schlachthofes zwischen 2008 und 2012. Eklatante Verstöße gegen Hygiene und Tierschutzrecht.

Seit der Übernahme des Geschäftsbetriebes durch Insolvenzverwalter Rolf Rombach gab es keinerlei Beanstandungen. Mit rund 50 Mitarbeitern läuft der Schlachtbetrieb derzeit wieder stabil.

Seit der Übernahme des Geschäftsbetriebes durch Insolvenzverwalter Rolf Rombach gab es keinerlei Beanstandungen. Mit rund 50 Mitarbeitern läuft der Schlachtbetrieb derzeit wieder stabil.

Foto: zgt

Jena. In dem seit Anfang März insolventen Jenaer Schlachthof wurden über Jahre hinweg die gesetzlichen Bestimmungen der Hygiene und des Tierschutzes schwer verletzt.

Ein achtseitiger Bericht der beiden Thüringer Ministerien für Landwirtschaft und Gesundheit listete jetzt gegenüber dem Landwirtschaftsausschuss des Landtages Missstände auf. Zwischen 2008 und 2012 leitete der Zweckverband Veterinär- und Lebensmittelüberwachung Jena-Saale-Holzland als zuständige Behörde 19 Ordnungswidrigkeitsverfahren sowie eine Strafanzeige gegen die Leitung des Schlachthofes ein. Zwischen 2010 und 2012 wurden wegen fortgesetzter Verstöße zusätzlich zu den täglichen Kontrollen 36 Zusatzprüfungen durch­geführt, also monatlich eine.

Polizei musste Prüfern Einlass verschaffen

Dabei stellten die Kontrolleure oft fest, dass Beanstandungen abgestellt wurden, dafür neue hinzukamen oder beim nächsten Mal wieder alte auftraten. Laut Bericht sei die Zusammenarbeit mit der Leitung "sehr zäh" gewesen. Einmal mussten die Prüfer sogar die Polizei anrücken lassen, um sich Zutritt zu verschaffen. Es ist unklar , was an diesem Tag tatsächlich im Schlachthof vor sich ging. Immer wieder im Visier der Kontrolleure stand die nicht funktionierende Tierbetäubungsanlage. Vor allem in der Schweineschlachtung sei sie regelmäßig defekt gewesen. Das habe man festgestellt, da Tiere mehrere Einschusslöcher hatten. Auch bei Rindern wurde laut Bericht bis zur vier Mal nachgeschossen. "Grauenhafte Zustände und eine Tortour für Tiere und Menschen, so ein Experte.

Ende November 2012 war das Maß dann endgültig voll. Die Aufsichtsbehörde wollte die gesamte Anlage stilllegen. Daraufhin wurde über Nacht eine andere Betäubungsanlage eingebaut, die aber bei Tests erneut versagte. 25 Prozent der Schweine ­waren nicht ordnungsgemäß ­betäubt. Die Behörden scheuten aber offenbar eine langwierige juristische Auseinandersetzung mit der Eigentümerin des Schlachthofes, so dass Einzelheiten der skandalösen Zustände erst nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens öffentlich wurden.

"Wenn immer wieder schwere Tiermisshandlungen festgestellt wurden, weil die Betäubung der Tiere nicht richtig funktionierte, und trotzdem weiter geschlachtet werden durfte, so ist das ein massiver Gesetzesbruch", kritisiert die agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Thüringer Landtag ­Johanna Scheringer-Wright. Die promovierte Agrarwissenschaftlerin kritisiert die Landesregierung, dass die Zustände nicht eher öffentlich gemacht wurden. "Das hätte den Kontrolleuren einen ganz anderen Rückenhalt gegeben", so Scheringer-Wright. Denn wer glaubt denn noch an Kontrollen, wenn die Missstände nicht abgestellt werden.

Seit der Übernahme des Geschäftsbetriebes durch Insolvenzverwalter Rolf Rombach gab es keinerlei Beanstandungen. Mit rund 50 Mitarbeitern läuft der Schlachtbetrieb derzeit wieder stabil.

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