Invitronic Jena ist erfolgreich als Spezialist für gut bedienbare Software

Thomas Jochmann und Enrico Seise, die Geschäftsführer von Invitronic Jena, haben sich über Computerprogramme geärgert und stellen im fünften Jahr gut bedienbare Software her. Über zwei Existenzgründer, die mal eben nebenbei noch ihre Doktorarbeit schreiben.

Die Geschäftsführer der Invitronic GmbH Jena: Thomas Jochmann (links) und Enrico Seise entwickeln Softwarelösungen, unter anderem um solche Wafer mit Schaltkreisen auf Fehlerstellen zu untersuchen. Foto: Tino Zippel

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Jena. "Im Supermarkt an der Kasse hätten wir sicherlich mehr verdient", sagt Thomas Jochmann. Er ist 26 Jahre alt und Geschäftsführer der Jenaer Firma Invitronic. Sein Geschäftspartner Enrico Seise (28) nickt zustimmend. "Aber so läuft das Geschäft schon, wenn wir demnächst unsere Promotion abschließen."

Die beiden Jenaer Physiker stemmen eine Doppelbelastung, liegen in den Endzügen ihrer Doktorarbeiten. In die Selbstständigkeit waren sie gegangen, als sie noch nicht einmal ihr Diplom in der Tasche hatten. "Nach einem Auslandspraktikum wollten wir beide etwas Eigenes machen", berichtet Seise. Mit zwei weiteren Kumpels gründeten sie 2007 die Firma, um kundenspezifische Softwarelösungen zu erstellen.

Der erste Auftrag kam aus dem Verwandtenkreis von der Mellinger Firma Layertec. Die Physiker sollten die Beschichtungen und Reflexion von Laserspiegeln simulieren. Die Firma Confovis, Nachbar im Technologie- und Innovationspark Jena, ging eine Zusammenarbeit ein. Mit diesen erfolgreich bearbeiteten Referenzprojekten warb Invitronic auf Messen um neue Kunden.

Inzwischen gilt das Unternehmen in der Branche als Spezialist für gut bedienbare Programme. "Software für die Forschung und die High-Tech-Industrie muss keine Zumutung sein", sagt Jochmann. "Wir haben während der Doktorarbeit selbst genug unter schlechter Software gelitten", fügt er an und erläutert: Oft werden die Programme für technische Anwendungen von Wissenschaftlern nebenbei geschrieben. Der Schwerpunkt liegt auf der Funktion. Gute Bedienbarkeit bleibt aber oft auf der Strecke.

Zu den Kunden gehören auch verschiedene Fraunhofer-Institute. In diesem Monat lieferte das Team ein Komplettsystem an die Dresdner Außenstelle des Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration aus. Die Software steuert, Schaltkreise auf großen Wafern unterm 3D-Mikroskop automatisch zu vermessen und zu inspizieren. Das Jenaer Team schrieb nicht nur das Programm, sondern realisierte auch die Anbindung an den Messtisch, der die Proben bewegt. "Unsere Steuerung ist intuitiv bedienbar – der Nutzer muss nur eine Art Rezept zusammenklicken", erläutert Jochmann. Vier Mann-Jahre Entwicklungsleistung stecken im Projekt, das Invitronic binnen eines Jahres realisierte.

Inzwischen beschäftigt die Firma neben den beiden Geschäftsführern fünf Angestellte. "Wir haben einst mit studentischen Hilfskräften begonnen, die tageweise für uns arbeiteten", berichtet Seise. Mit der Zeit sei die Belegschaft gewachsen – zumeist kennen sie die Angestellten von früher. Viele von ihnen besuchten den Spezialschulteil des Carl-Zeiss-Gymnasiums, der mathematische, naturwissenschaftliche und technische Begabungen fördert.

Zwei der Gründer entschieden sich zwischenzeitlich für eine Karriere außerhalb von Invitronic. Man habe sich im Guten getrennt, versichert Seise: "Einer promoviert an der Universität und will eine akademische Laufbahn einschlagen, der andere ist in die Firma seiner Eltern gewechselt."

Als weiteren Schwerpunkt wollen die Geschäftsführer die Signalverarbeitung etablieren. Jochmann forscht für seine Doktorarbeit an der Auswertung von Hirnströmen. Die Lösung tauge aber auch für vielfältige andere Datenquellen wie beispielsweise Laserspektren, hebt er hervor.

Doch wie schaffen es die beiden, ihre Doppelbelastung von Job und Promotion zu stemmen? "Wenig Schlaf ist der Schlüssel", sagt Thomas Jochmann und lacht. Enrico Seise fügt an: "Wir haben einfach viel Lust auf die Arbeit."

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