Jena: Erfolgsgeschichte Beutenberg

Auf Einladung der FDP-Landtagsfraktion besuchte gestern der ungarische Botschafter in Deutschland den Beutenberg-Campus und die Friedrich-Schiller-Universität. Viele neue Arbeitsplätze dank exzellenter Forschung.

Prof. Dr. Wilhelm Boland zeigt seinem  auf einem Luftbild des Beutenberg-Campus die einzelnen Institute. Prof. Boland ist Direktor des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie und stellvertretender Vorsitzender des Campus Beutenberg e. V.

Prof. Dr. Wilhelm Boland zeigt seinem auf einem Luftbild des Beutenberg-Campus die einzelnen Institute. Prof. Boland ist Direktor des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie und stellvertretender Vorsitzender des Campus Beutenberg e. V.

Foto: zgt

Jena. Neun Forschungsinstitute, zwei Gründerzentren, eine forschungsnahe Industrieansiedelung, mehr als 2300 Mitarbeiter, Jahresetat nur für die Forschung 130 Millionen Euro, plus 88 Millionen Euro Drittmittel aus der Industrie, 38 Ausgründungen von Unternehmen mit eigenen Produkten aus den Instituten: Das sind die imposanten Eckdaten des Beutenberg-Campus im Jahr 2013. Mehr als eine halbe Milliarde Euro investierten Freistaat, Bund und EU seit 1991 in den Ausbau dieser Forschungsinfrastruktur in Jena.

Sehr gut angelegtes Geld, wie Prof. Dr. Wilhelm Boland gestern dem ungarischen Botschafter Dr. Jòzsef Czukor berichtete. Auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften und der Lichttechnologien spielen die Jenaer Wissenschaftler längst in der Bundesliga, in nicht wenigen Bereichen sogar in der Champions League. Das Max-Planck-Institut für chemische Ökologie etwa, das Prof. Boland seit 1996 leitet, ist sogar weltweit führend. Die an diesem Institut angesiedelte Graduierten-Schule für Mikrobiologie gehört zu den vom Bund geförderten Exzellenz-Projekten. Viele der Nachwuchswissenschaftler, die in Jena promovieren, kommen aus dem Ausland. "Inder, Chinesen, Kolumbianer und Spanier stellen die höchsten Anteile. Ein Ungar war leider noch nicht darunter", sagte Wilhelm Boland. Das Auswahlverfahren der Doktoranden sei extrem aufwändig. Nur die Besten der Besten schaffen es nach Jena.

Botschafter Jòzsef Czukor führt das Fehlen von jungen Landsleuten in diesem Zweig der Wissenschaft auf die Deindustrialisierung nach 1989 und den lange Zeit sinkenden Stellenwert der Naturwissenschaft in Ungarn zurück. "Erst jetzt besinnen wir uns wieder darauf. Ungarn ist bewusst, dass es ohne Industrie den Anschluss in Europa verliert", sagte der Botschafter, der auf Einladung des FDP-Landtagsfraktionsvorsitzenden Uwe Barth Jena besuchte. Barth und Boland kritisierten allerdings die seit Jahren technikfeindliche Stimmung in Deutschland. "In der Genforschung hat Europa seine Kompetenzen an Asien und die USA verloren", sagte Boland. "In Deutschland wird heute nur noch über die Risiken geredet, nie über die Chancen. Wir verbieten uns das Denken", sagte FDP-Politiker Barth.

Herzlich begrüßt wurde der Diplomat auch an der Friedrich-Schiller-Universität von Rektor Prof. Dr. Klaus Dicke. Im Bereich der Geisteswissenschaften beschäftigt sich das Jenaer Imre-Kertész-Kolleg, an dem auch ungarische Wissenschaftler tätig sind, mit der Erforschung der Geschichte des östlichen Europas im 20. Jahrhundert. Die Professoren Wlodzimierz Borodziej und Joachim von Puttkamer stellten dem Gast das 2010 gegründete und nach dem ungarischen Literaturnobelpreisträger benannte Kolleg vor.