Jena nun doch das "München des Ostens"

Das Magazin "WirtschaftsWoche" und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln haben die attraktivsten Städte für Akademiker ermittelt. Jena liegt ganz vorn - mit Folgen für die Immobilienpreise.

Am Camsdorfer Ufer in Wenigenjena hat oberhalb der Agentur für Arbeit der Bau einer neuen Wohnanlage mit unverbautem Blick auf Saale und Stadtzentrum begonnen.
Foto: Lutz Prager

Am Camsdorfer Ufer in Wenigenjena hat oberhalb der Agentur für Arbeit der Bau einer neuen Wohnanlage mit unverbautem Blick auf Saale und Stadtzentrum begonnen. Foto: Lutz Prager

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Jena. Erlangen, Jena und München sind die drei deutschen Städte mit der höchsten Akademikerdichte. Die beiden Partnerstädte Erlangen und Jena rangieren dabei mit einem Anteil von jeweils über 29 Prozent Hochqualifizierten bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten noch deutlich vor der bayerischen Landeshauptstadt, die es auf einen Anteil von 25 Prozent bringt. Knapp dahinter rangieren in der "Top Five", mit jeweils einem Prozentpunkt weniger, Darmstadt und Stuttgart. Diese Rangliste geht aus einer Untersuchung des Magazins "WirtschaftsWoche" und des Internetportals "Immobilienscout 24" hervor.

Beliebt sind die Universitätsstädte Erlangen, Jena und München für Akademiker vor allem wegen interessanter Jobs in Forschungseinrichtungen und in der Wirtschaft. Max-Planck-Institute oder Fraunhofer-Forschungseinrichtungen gibt es in allen drei Städten, dazu die Universitäten selbst und große Kliniken. In Jena listet die Studie Biotechnologieunternehmen, die Carl-Zeiss-Gruppe oder Jenoptik als international aufgestellte Unternehmen auf, die besonders gefragte Jobs für Akademiker bieten.

Die von Wissenschaftlern des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln durchgeführte Studie, die im elften Jahr alle 69 kreisfreien deutschen Großstädte vergleicht, hat zum zweiten Mal auch den Einfluss der Bevölkerungszusammensetzung auf die Immobilienpreise untersucht. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass der hohe Anteil gut verdienender Akademiker auch die Mieten in den Städten stark beeinflusst. Durchschnittlich müssen Mieter in Erlangen circa 18 Prozent ihres Einkommens für die Miete ausgegeben. Die Durchschnittsmiete liegt bei 8,40 Euro pro Quadratmeter. Den deutschlandweiten Spitzenplatz belegt allerdings München. Dort blättern die Einwohner durchschnittlich 25 Prozent des Einkommens für die Wohnkosten hin. Die Durchschnittsmiete liegt bei 13 Euro pro Quadratmeter. Verglichen damit ist die für Ost-Verhältnisse hohe Jenaer Durchschnittsmiete von 7,40 Euro pro Quadratmeter moderat.

Jenas Stadtentwicklungsdezernent Denis Peisker (Grüne) sieht in der deutschlandweit höchsten Akademikerdichte neben Erlangen und München das Geheimnis des Erfolgs von Jena. "Auf diesen Lorbeeren dürfen wir uns aber nicht ausruhen", kommentierte Peisker das Städteranking. Dass sich gleichzeitig aber die Mietpreisspirale weiter nach oben bewegt, sei ein Effekt, dem die Stadt nach Peiskers Auffassung nur mit einem erhöhten Angebot an Baugrund und damit mehr privatem Wohnungsbau begegnen könne. Derzeit bereite sein Dezernat eine neuen Beschluss dazu vor, der ab Mai diskutiert werden soll. "In dieser Debatte wird es auch um bisherige Kleingartenflächen gehen, ohne die wir nicht auskommen", so Peisker.

Immer der Rangfolge nach: Lutz Prager über die Folgen von guten Bewertungen

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