Jenaer Antriebstechnik will weiter wachsen: Nach Neubau 100 neue Jobs geplant

Jena  Auch viele kleinste, kleine oder mittlere Firmen leisten Erstaunliches. Manchmal sind sogar heimliche Gewinner, sogenannte Hidden Champions, darunter. Die OTZ stellt wöchentlich Betriebe und Dienstleister aus Ostthüringen vor. Heute: Jena. Die Jenaer Antriebstechnik (JAT)

JAT-Geschäftsführer Stephan Preuß vor einem Prüfgerät. In der Hand hält er einen Kompaktantrieb. Motor und Antriebstechnik sind hier in einem Gerät.

JAT-Geschäftsführer Stephan Preuß vor einem Prüfgerät. In der Hand hält er einen Kompaktantrieb. Motor und Antriebstechnik sind hier in einem Gerät.

Foto: Jane Sichting

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Die Jenaer Antriebstechnik (JAT) gehört zu jenen Unternehmen, die zwar kaum einer kenne, mit dem aber jeder schon einmal in Berührung gekommen sei. Wenn auch nicht im direkten Kontakt. Marketing Referentin Kathleen Stöhr spricht in diesem Zusammenhang gern vom „Hidden Champion“.

„Wir produzieren elektrische Antriebstechnik für Maschinen in der Industrie“, sagt Geschäftsführer Stephan Preuß. „Unsere Produkte sind nicht im normalen Warenhaus erhältlich, sondern stecken in Maschinen, die unter anderem auch Gegenstände des täglichen Gebrauchs herstellen“, führt er fort. Als Beispiel nennt er ein Tetrapack. „Zum Bedrucken des Materials bedarf es einer Maschine, die etwa so groß ist wie ein Einfamilienhaus. Für diese machen wir die Antriebe, zum Beispiel die Druckköpfe, um die Farbauftragung zu steuern.“

JAT findet sich im Alltag indirekt wieder

Lachend wirft Kathleen Stöhr ein: „Auch jeder, der Spitzenunterwäsche trägt, hat indirekt etwas mit uns zu tun. So produzieren wir bei der Jenaer Antriebstechnik die notwendigen 80 bis 120 Antriebe, die es in der Textiltechnik für die Herstellung der detaillierten Muster bedarf.“

Und auch jeder, der schon einmal auf der Liege zu einer MRT-Untersuchung lag, konnte nur dank der Antriebstechnik von JAT in die richtige Position justiert werden. „Das Summen der Liege, da steckt Jenaer Antriebstechnik drin. Nicht zu verwechseln mit dem lauten Surren während der Röntgenaufnahmen“, erklärt Preuß.

Zu den beiden Hauptprodukten des Unternehmens gehören einerseits Servoantriebe und andererseits Mechatronische Systeme. „Das heißt wir stellen nicht nur den Motor her, sondern auch die dazugehörigen Steuerungs- und Antriebskomponenten“, sagt Geschäftsführer Preuß. Und: „Wir arbeiten oftmals sehr kundenspezifisch und fertigen Spezialaufträge, anstatt Standardprodukte für die breite Masse herzustellen.“ Das Leistungsspektrum reiche dann von der Entwicklung der entsprechenden Elektronik, Mechanik und Software über die Produktion bis hin zu einer umfassenden Betreuung und Hilfe bei der Diagnose und Lösung von Problemen.

Branchenerfahrung kann das Jenaer Unternehmen unter anderem in der Leiterplattenfertigung – etwa für Mobiltelefone, in der Textilindustrie, der Drucktechnik, der Lasertechnik sowie der Automation vorweisen. Knapp ein Fünftel der Kundenaufträge komme zudem aus der Medizin- und Pharmatechnik. „Unsere Antriebstechnik findet sich etwa in der Apothekenautomatisierung. Also immer dann, wenn die Apothekerin die Medikamente nicht mehr selbst suchen geht, sondern diese über den Computer ordert und anschließend nur noch aus einer Klappe entnehmen muss“, gibt Preuß ein Beispiel aus dem Alltag.

Der Jenenser kam 1999 als Mechanikkonstrukteur in das 1990 gegründete Unternehmen. „Ich war der 23. Mitarbeiter“, erinnert er sich. Dass er einmal Geschäftsführer sein wird, hätte er zu diesem Zeitpunkt nicht gedacht. „Als sich die vier Gründerväter in den Ruhestand verabschiedet haben, hatte sich für mich einfach die Gelegenheit geboten. Dabei geht es mir nicht darum, Chef zu sein.

Flache Hierarchien und offene Türen

Vielmehr weiß ich die flache Hierarchie innerhalb der Jenaer Antriebstechnik zu schätzen“, erinnert sich der 45-Jährige. „Hier begegnen sich Kollegen aller Ebenen auf Augenhöhe. Wir pflegen eine Unternehmenskultur der offenen Türen und sind alle per du“, ergänzt er.

Am meisten gefalle ihm die Vielzahl sehr unterschiedlicher Persönlichkeiten. „Jeder bringt seine individuellen Begabungen und Talente mit in das Unternehmen ein, um gemeinsam etwas bewegen zu können“, sagt Preuß. Derzeit seien bei der JAT 160 Mitarbeiter beschäftigt, darunter Entwickler und Konstrukteure, Personen im Vertrieb und der Verwaltung, Qualitätsmanager sowie Spezialisten in der Produktion.

Besonders stolz sei Preuß zudem auf seine vier Auszubildenden und die beiden Studenten der Dualen Hochschule Gera-Eisenach: „Wir sind unglaublich glücklich und zufrieden mit unseren Nachwuchskräften. Zumal die vier Azubis zu den Leistungsträgern ihrer Jahrgänge gehören.“

Um den Beruf des Ingenieurs sowie die technischen Berufe allgemein bei jungen Leuten attraktiv zu machen, engagiert sich die JAT zudem als eines der Gründungsmitglieder im Verein witelo (wissenschaftlich-technischer Lernorte in Jena), pflegt mit einer Robotik-AG die Kooperation mit der Lobdeburgschule und steht in Partnerschaft mit der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. „Im Prinzip sind alle Menschen von Geburt an Ingenieure. Leider verlernen das die meisten nur viel zu schnell. Darum fördern wir vor allem die Technikbegeisterung im Nachwuchsbereich“, begründet Preuß die Fördermaßnahmen.

Bereits heute merke er den Mangel an Fachkräften. Dabei steht mit dem Neubau eines zweiten Werkes eine entscheidende Vergrößerung des Unternehmens bevor. „Sobald der Neubau fertig ist, wollen wir zusätzlich bis zu 100 neue Arbeitsplätze schaffen“, blickt Preuß voraus. Aufgrund des steten Wachstums des Unternehmens wurde bereits 2006 ein weiteres Werk in Betrieb genommen.

Mit dem Anbau direkt neben dem Hauptstandort in der Buchaer Straße sollen nun wieder alle Abläufe und Mitarbeiter auf einen Standort konzentriert werden. Insgesamt zwölf Millionen Euro wurden investiert. „Wir haben extra etwas größer geplant, damit wir bei anhaltendem Wachstum genug Kapazität haben“, ergänzt Preuß. Ende 2019 sollen die Bauarbeiten beendet sein. Aufgebaut sei es wie das Werk 1. Auf je einer Etage wird es die Abteilungen Produktion, Montage, Forschung sowie Labore und Büros geben.

Bedenken hat Stephan Preuß einzig in Bezug auf die Gewinnung von entsprechenden Fachkräften. „Es wird durchaus schwierig, gute Facharbeiter zu gewinnen. Aber auch Ingenieure für Hard- und Software gibt es nur sehr wenige. Da fehlt es schon an den Hochschulen an Nachwuchs“, gibt er sich skeptisch. Umso mehr ist ihm daran gelegen, sich für seine Mitarbeiter einzusetzen und ihnen entgegenzukommen.

Anbau bietet Platz für 100 neue Mitarbeiter

„Die JAT ist auf jeden Fall ein attraktiver Arbeitgeber. Wir haben etwa das Gehalt an den aktuellen Tarif angeglichen. Zudem gibt es für die gesamte Mannschaft eine Gewinnbeteiligung, so dass jeder das gute Ergebnis der eigenen Arbeit spüren kann“, beginnt Preuß aufzuzählen. „Es gibt aber auch viele weitere Vorteile für unsere Mitarbeiter. Dazu gehören unter anderem flexible Arbeitszeiten, ein Jobticket für Bus und Bahn, regelmäßige Weiterbildungen sowie frisch gemahlener Bio-Kaffee“, schwärmt der dreifache Familienvater Preuß.

Einen hohen Stellenwert neben der Zufriedenheit des Teams hat bei der JAT auch das Thema Ökologische Verantwortung. „Wir nehmen zum Beispiel an dem Nachhaltigkeitsabkommen Thüringen teil und decken die Hälfte unseres Energiebedarfs durch erneuerbare Energien ab“, sagt Stephan Preuß. Zudem bestehe der Fuhrpark des Unternehmens aus Elektrofahrzeugen. Und der Neubau sei emissionsfrei und mit einer Solaranlage auf dem Dach konzipiert.

Mit einem Grinsen im Gesicht schiebt Preuß hinterher: „Da zu dem Grundstück,auf dem der Neubau entsteht, neben den 4000 Quadratmetern Gewerbefläche noch 9000 Quadratmeter Ausgleichsfläche dazugehören, ist zudem ein Bachlauf, ein Teich, eine Obstwiese sowie die Haltung von Tieren wie Hühnern geplant.“

OTZ-Serie im Internet: www.otz.de/unternehmen-in-ostthueringen

Das Unternehmen:

  • Name: Jenaer Antriebstechnik GmbH
  • Standort: Buchaer Straße 1, 07745 Jena
  • Geschäftsführer: Stephan Preuß
  • Umsatz: über zehn Prozent Wachstum im vergangen Jahr
  • Beschäftigte: 160 Mitarbeiter
  • Auszubildende: vier Auszubildende, zwei Studenten der Dualen Hochschule Gera-Eisenach
  • Produkte: Servoantriebe (Verstärker, Kompaktantriebe, Motoren, Software, Technologiefunktionen, Zubehör) und Mechatronische Systeme
  • Internet: www.jat-gmbh.de
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