Jenaer Bauvorhaben: Kriegswunde in der Jenergasse bald geheilt

Jena  Bis Ende 2017 soll eine Lücke in der Jenergasse baulich geschlossen werden. Die Jena Immobilien König GmbH baut hier 18 Wohnungen und schützt dabei auch historische Keller-Anlagen.

Treff an der Baulücke: Dietmar Gummel und Hans-Jürgen Sens vom Architekturbüro Sens.Bramey, Udo Müller von "queller" Bau, Kathrin König und Lisa Langguth von Immobilien König und Architekt Norbert Spehr (von links). Foto: Michael Groß

Treff an der Baulücke: Dietmar Gummel und Hans-Jürgen Sens vom Architekturbüro Sens.Bramey, Udo Müller von "queller" Bau, Kathrin König und Lisa Langguth von Immobilien König und Architekt Norbert Spehr (von links). Foto: Michael Groß

Foto: zgt

Bauen in der vielleicht ältesten Straße von Jena – das ist derzeit in der Jenergasse angesagt. Denn die Jenergasse ist neben der Löbderstraße die einzige Straße in der historischen Innenstadt, die nicht so geradlinig ist wie die anderen. Das deute darauf hin, dass es die Jenergasse wahrscheinlich schon vor dem Bau der Stadtmauer gegeben haben muss, sind sich Hans-Jürgen Sens und Dietmar Gummel von Architektenbüro Sens.Bramey SBJ einig.

Tatsächlich haben Grabungen ergeben, dass die Anfänge der städtischen Bebauung hier ins 14. Jahrhundert zurückgehen. Noch heute sind alte Gewölbekeller erhalten, die auf die städtische Entstehungszeit zurückgehen könnten. Und genau sie waren die Hürde bisheriger Initiativen zur Neubebauung dieses Areals. Der Denkmalschutz hatte stets orientiert auf den Erhalt dieser Keller. Und daran waren bisherige Baupläne seit 1998 gescheitert. Doch seit dem vorigen Jahr wird nun wieder gebaut, nachdem die Jena Immobilien König GmbH das Grundstück unterhalb des Cafés Immergrün gekauft hat und hier eine Lückenschließung vornehmen will.

Platte auf über 70 Pfeilern sichern Gewölbekeller

Dabei sollen in einem Baukörper, aber mit abgesetzten Fassaden-Abschnitten 18 Wohnungen gebaut werden. Es werden Wohnungen mit Anspruch sein und in ihrer Größe bis zu 120 Quadratmeter umfassen, sagt Kathrin König. Das gesamte Objekt sei auch bereits komplett vermarktet. Bis Ende nächsten Jahres seien die Wohnungen fertig, versichert Kathrin König.

Es handelt sich um die Lücke, in der bis 1945 vier Häuser standen. Da die beiden angrenzenden Gebäude recht hoch sind, kann auch die Neubebauung an diesem Standort bis zu fünf Etagen hoch werden. Die Fassaden sollen nicht nur gegliedert sein, sondern sich auch farblich voneinander absetzen. Interessant ist, dass der neue Hauskomplex einen Höhenunterschied von 3,60 Metern überwinden wird.

Das gesamte Bauprojekt an diesem Ort sei ein sehr anspruchsvolles, wie Kathrin König, die Architekten von SBJ und das beteiligte Planungsbüro Spehr, vor allem aber auch Udo Müller von der "queller" Bau GmbH meinen. Denn Kernpunkt der Baumaßnahme ist die Sicherung der historischen Keller. Udo Müller verweist auf die von seiner Firma ausgeführten Arbeiten an der Baustelle. Man habe die alten Keller gründlich untersucht und dann über 70 Pfähle eingesetzt.

Dabei sei man auf manche Überraschung gestoßen. So hätten sich in einigen Keller-Säulen doch beachtliche Hohlräume ergeben, die man dort nicht unbedingt vermutet hatte. Sie habe man alle gut verfüllen müssen.

So seien die Pfeiler zwischen den bis zu sechs Meter hohen Gewölben durch deren alte Trägersäulen hindurch ins Erdreich versenkt und verankert worden. Bis zu 15 Meter lang seien diese Pfähle. Sie sollen die große, 60 Zentimeter dicke Stahlbetonplatte tragen, die wie eine Art Tisch über die gesamten Kelleranlagen montiert worden ist. Auf ihr werden dann die Häuser hochgezogen.

Damit lasten die neuen Gebäude nicht auf den historischen Kellern. Sie werden konserviert und sollen auch weiter zugänglich bleiben. Man prüfe derzeit noch eventuelle Nutzungsmöglichkeiten wirtschaftlicher Art, sagt Kathrin König

Sie betont, dass die Bewahrung der mittelalterlichen Keller von ihrem Unternehmen zugesichert worden sei. Man habe schließlich mit denkmalgerechten Sanierungen und Umnutzungen gute Erfahrungen. Die Umgestaltung des Filmtheaters "Capitol" sei genauso ein Beispiel dafür wie die daneben befindliche frühere Staatsanwaltschaft und die 1. Werkstatt von Carl Zeiß in der Neugasse.

Mit den Häusern in der Jenergasse wird nun die letzte durch die Bombardierungen im Frühjahr 1945 entstandene Brache – sieht man mal vom Eichplatz ab – geschlossen. Einstmals hat sich hier ein kleiner, wohl recht attraktiver innerstädtischer Platz befunden. Hier hat bis zur Zerstörung auch die "Schrammei" gestanden, jenes große Gebäude, in dem der Dichter Friedrich Schiller zuerst in Jena Quartier bezogen hatte. Ein Café und Weinstuben sollen sich hier ebenso befunden haben.

Ein wenig von dem alten Flair wünschten sich die beteiligten Architekten schon ganz gern für die künftige Gestaltung dieses Areals. Durch die Lückenschließung schaffe man eine wesentliche Aufwertung dieses Standorts im Stadtzentrum. Nun wäre eine städtebauliche Ergänzung durch die Stadtplaner willkommen, damit sich wieder ein reizvoller Platz zum Verweilen herausbilden kann. Ein Brunnen, wie es ihn einst dort gab, würde das Ganze zudem bereichern.

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