Jenoptik-Chef weist Kritik an Militärgeschäft zurück

Hauptversammlung beschließt höhere Dividende. Haustarifvertrag für Triptiser Standort in Verhandlung.

Vor der Hauptversammlung demonstriert der Jenaer Trägerkreis Rüstungskonversion vor der Neuen Weimarhalle. Foto: dpa

Vor der Hauptversammlung demonstriert der Jenaer Trägerkreis Rüstungskonversion vor der Neuen Weimarhalle. Foto: dpa

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Weimar. Die Aktionäre der Jenoptik AG sind sehr zufrieden mit der Vorstandsarbeit. 99,8 Prozent der anwesenden Anteils­eigner haben bei der Haupt­versammlung in Weimar für die Entlastung von Vorstandschef Michael Mertin und Finanzer Rüdiger Andreas Günther gestimmt. Mit der gleichen Quote ging der Beschluss durch, statt 18 Cent Dividende im Vorjahr diesmal 20 Cent zu zahlen.

Und die Aussichten sind positiv: Laut Mertin soll der Umsatz in diesem Jahr zwischen fünf und zehn Prozent steigen. Jenoptik peilt ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern zwischen 55 und 62 Millionen Euro an. Gelingt das, dürfte eine Dividende erneut drin sein.

Voll des Lobes waren die Aktionärsschützer über die Arbeit der Führungsspitze des Technologiekonzerns. Friedrich Franke von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger merkte aber kritisch an, dass der Aufsichtsrat eine erfolgsabhängige Bezahlung erhält. Zudem seien beim neuen Modell für den Vorstand zu viele variable Vergütungs­bestandteile vom kurzfristigen Erfolg abhängig.

"Nicht, dass jemand für wenige Jahre mal etwas mitnimmt", warnt der Aktionärsschützer aus Gera und merkt an, dass die Amtszeit von Finanzvorstand Günther nur drei Jahre beträgt. Er bleibt der Jenoptik nur noch bis nächstes Frühjahr erhalten.

Mertin verteidigte das neue Modell, das sehr differenziert erfolgsabhängige Faktoren berücksichtige. So fließe beispielsweise auch die per Umfrage erhobene Mitarbeiterzufriedenheit ein. Am Ende winkten die Aktionäre das Vergütungs­system durch.

Im Vorjahr hatte der Vorstandschef in Summe gut zwei Millionen Euro von der Jenoptik erhalten. Aber auch die Aufsichtsräte sind gut honoriert. Gewerkschafter Michael Ebenau als stellvertretender Vorsitzender des Gremiums erhielt voriges Jahr 66.600 Euro - viele wären froh, für ihren Hauptjob diese Summe zu bekommen.

Ebenau hatte im Übrigen mit Mertin den Haustarif für 900 Jenaer Beschäftigten verhandelt. Sie erhalten seit 1. April drei Prozent mehr Geld. Weitere 2,8 Prozent stehen ab 1. Januar 2015 in Aussicht. Mertin sagte, dass derzeit für einen weiteren Thüringer Standort über einen Haustarifvertrag verhandelt werde. Nach OTZ-Informationen handelt es sich um die Fabrik in Triptis (Saale-Orla-Kreis), in der Beschäftigte Linsen aus Kunststoff produzieren.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Rudolf Humer - seine Firma ECE ist Großaktionär bei Jenoptik - verkündete unter Beifall der Aktionäre, dass er auf seine Aufsichtsratsvergütung verzichtet. Von dem Geld werde ein Ferienprojekt für Mitarbeiterkinder finanziert, um sie an die Naturwissenschaften heranzuführen, und die Ausstattung der Kindertagesstätten verbessert.

Kleinaktionärin Marion Riemer-Nlula ging auf eine Demonstration vor der Hauptversammlung ein. Der Trägerkreis Rüstungskonversion Jena hatte auf die Militärgeschäfte der Jenoptik aufmerksam gemacht. "Es ist kein Thema, die Verteidigung im eigenen Land zu verbessern. Unverantwortlich ist es jedoch, Waffen nach Katar zu liefern", sagte sie und fragte den Vorstand: "Wie stellen Sie sicher, dass die Waffen nicht gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden?"

Mertin erteilte einem Lieferstopp nach Katar eine Absage. "Wir bauen keine Minen oder Waffen, die Menschen töten, sondern bewegen uns im rechtssicheren Bereich", sagte Mertin. Er verkündete zudem, dass der Konzern die Anteile an einem Gemeinschaftsunternehmen in Bangalore zu 100 Prozent übernimmt und damit den Vertrieb in Indien verbessern will. Ein bis zwei neue Regionen auf der Welt wolle Jenoptik erschließen. Mit Verweis auf Wettbewerber äußerte sich Mertin nicht weitergehend.

Jenoptik sponsert FC Carl Zeiss Jena

Und auch das gab es: Klein­aktionär Detlef Graida erkundigte sich, ob Jenoptik "aus der Tradition heraus" den FC Carl Zeiss Jena sponsert. "Wir sind der falsche Ansprechpartner für Profifußball bei einem Verein, der Carl Zeiss heißt", sagte Mertin. Jenoptik sei nicht im Endkundengeschäft tätig. Allerdings passe es zur Philosophie, "sich um junge Menschen an unseren Standorten zu kümmern".

Mertin gab bekannt, dass Jenoptik einen neuen Sponsorenvertrag unterschrieben habe und für mehrere Jahre Trikotsponsor der A-Junioren-Mannschaft des FC Carl Zeiss bleibe, die in der Bundesliga spielt. Er genoss den Applaus der 400 anwesenden Aktionäre.