Jenoptik Neujahrsempfang: Gute Zahlen – verhaltener Ausblick in Jena

Jena  Voriges Jahr war er noch ausgeladen, dieses Jahr durfte er sogar ans Rednerpult: Ministerpräsident Bodo Ramelow war zu Gast beim Jenoptik-Neujahresempfang.

Neujahrsempfang der Jenoptik AG im Volkshaus Jena: Ministerpräsident Bodo Ramelow (links) und Vorstandschef Michael Mertin im Gespräch. Foto: Tino Zippel

Neujahrsempfang der Jenoptik AG im Volkshaus Jena: Ministerpräsident Bodo Ramelow (links) und Vorstandschef Michael Mertin im Gespräch. Foto: Tino Zippel

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Bodo Ramelow steht lächelnd auf der Bühne im Jenaer Volkshaus. „Ich habe mich sehr gefreut über die guten Zahlen“, sagte der Ministerpräsident beim Neujahrsempfang der Jenoptik, für den der Linke-Politiker diesmal eine Einladung bekommen hatte.

Die Zahlen des Technologie-Unternehmens präsentieren sich auf den ersten Blick wesentlich freundlicher als jene von 2014. Der Umsatz stieg von 590 auf 670 Millionen Euro. Allerdings flossen in das Plus einige Sondereffekte ein. Beispielsweise machte der schwache Euro Geschäfte im US-Dollar-Raum lukrativer. Allein die Währungseffekte trugen 16,2 Millionen Euro Umsatz bei. Hinzu kommt ein Großauftrag aus der Verteidigung, der von 2014 ins Jahr 2015 gezogen wurde und zum Umsatzplus von 13 Prozent beitrug.

Falsche Erwartungen in ein abermals zweistelliges Wachstums wollte Vorstandschef Michael Mertin für 2016 jedenfalls nicht wecken und sprach deshalb in der Prognose von einem „moderaten Umsatz- und Ergebniswachstum“. Nicht ohne auf die schwierigen Rahmenbedingungen zu verweisen: Die Nachfrage der Halbleiterindustrie stagniere weiter. Wegen des Volkswagen-Skandals und drohender politischer Kurzschlussreaktionen seien die Automobilhersteller verunsichert, was die Bereitschaft senke, in neue Technik zu investieren. Und die Wirtschaft in China kriselt, was sich in weniger Importen aus Deutschland niederschlage.

Deutschland habe basierend auf der Binnenkonjunktur zwar gute Wirtschaftsaussichten, aber das sei maßgeblich vom Konsum getragen. Die für Jenoptik wichtige Investitionskonjunktur sei weder in Deutschland noch in Europa zu verzeichnen.

Der Vorstand sieht sich deshalb bestärkt in der Linie, Jenoptik stärker auf die Zielmärkte auszurichten – interne Umstrukturierungen inklusive. So trifft es die Mitarbeiter der in Jena angesiedelten Jenoptik Laser GmbH. Von 155 Mitarbeitern sollen 38 feste und zehn befristete Stellen wegfallen. „Bei Laserstrahlquellen stehen wir in einem sehr harten Wettbewerb“, sagte Mertin. Deshalb wolle sich Jenoptik stärker in Richtung Laser-Anwendungen orientieren, als nur die Strahlquelle zu fertigen.

Für den Umbau des Bereiches hat das Unternehmen bereits 2,3 Millionen Euro an Rückstellungen gebildet. Zu den Details der ersten Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern wollte Mertin nichts sagen. „Wir haben noch nicht scharf mit den Gesprächen begonnen“, sagte hingegen Michael Ebenau von der IG Metall, der auch im Jenoptik-Aufsichtsrat sitzt.

Positiv ist, dass Jenoptik die Schuldenlast auf unter 50 Millionen Euro gesenkt hat. Und das trotz einer Auszahlung von zwölf Millionen Euro an einen stillen Immobilieninvestor. Dadurch sieht Finanzvorstand Hans-Dieter Schumacher Spielraum für Wachstum, aber auch für Übernahmen. Jenoptik sondiere bereits Märkte. Zu den Kandidaten wollte sich der Vorstand nicht äußern.

Mertin machte erneut klar, dass Jenoptik weiter aufs Verteidigungsgeschäft und angrenzende zivile Anwendungen setzt. „Es bleibt eine Illusion, dass unsere Erde eine langfristig friedliche Zukunft hat. Wir sind gut beraten, wenn wir das Thema Sicherheit nicht völlig außer Acht lassen“, sagte der Vorstandschef.

Die Jenoptik feiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. Interne Sommerfeste an allen Standorten soll es geben, aber keinen Festakt, sagte Mertin, der beim Neujahrsempfang eine Ehrenurkunde der Industrie- und Handelskammer zum Jubiläum entgegennahm.

Jenoptik-Zahlen im Überblick

Der Konzernumsatz legte 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent auf 670 Millionen Euro zu.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg nach vorläufigen Berechnungen um 18 Prozent auf rund 61 Millionen Euro.

Der Auftragsbestand des Konzerns betrug Ende 2015 etwa 370 Millionen Euro, 52,5 Millionen Euro weniger als vor Jahresfrist.

Die Nettoverschuldung sank von 92 auf unter 50 Millionen Euro.

Am 22. März stellt Jen­optik die endgültigen Jahreszahlen vor.

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