Jobmotor Brennstoffzelle: Hunderte Jobs für Hermsdorf in Aussicht

Das Land will einen Greentech-Campus rund um das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS einrichten. Ein US-Hersteller von Brennstoffzellen ist interessiert, sich in der Nachbarschaft anzusiedeln.

Dr. Michael Stelter mit einem Modell einer Mini-Brennstoffzelle, die mittels Propangas Strom herstellt und unter anderem in Wohnmobilen zum Einsatz kommen soll. Die Innovation steht kurz vor der Marktreife.  Foto: Tino Zippel

Dr. Michael Stelter mit einem Modell einer Mini-Brennstoffzelle, die mittels Propangas Strom herstellt und unter anderem in Wohnmobilen zum Einsatz kommen soll. Die Innovation steht kurz vor der Marktreife. Foto: Tino Zippel

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Erfurt/Hermsdorf. Das Land Thüringen unterstützt den Bau eines Greentech-Campus in Hermsdorf. Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) rechnet in den nächsten drei Jahren mit mehreren Hundert neuen Arbeitsplätzen in der Kleinstadt im Saale-Holzland-Kreis. Konkrete Zahlen waren bei der Vorstellung des Projektes indes nicht zu erfahren.

Der Freistaat geht in Vorleistung. Die Landesentwicklungsgesellschaft baut eine 8000 Quadratmeter große Brache, die einst zu Tridelta gehörte, für den Campus um. Sie investiert vier Millionen Euro in das Projekt, das auch neue Gewerbeflächen bereitstellt.

Zunächst sollen zwei Laboratorien des Fraunhofer-Institutes für Keramische Technologien und Systeme ihren Platz finden. Das in Dresden ansässige Institut erweitert derzeit seinen Hermsdorfer Standort stark. Gestern feierte die Einrichtung das Richtfest für einen 18 Millionen Euro teuren Neubau, der Platz bietet, um die Mitarbeiterzahl auf 260 Beschäftigte zu verdoppeln.

Davon losgelöst mietet sich das Institut in den neuen Campus ein. Als erstes entsteht ein Batterietechnikum für vier Millionen Euro. Die Kosten teilen sich je zur Hälfte das Land und die Fraunhofer-Gesellschaft. Ab Mitte 2014 sollen Forscher darin an neuen Stromspeichersystemen, unter anderem Hochtemperaturbatterien auf keramischer Basis, arbeiten. Das Institut, das im Zentrum für Energie und Umweltchemie mit der Jenaer Uni kooperiert, plant auch, Lithium-Ionenbatterien weiterzuentwickeln.

Vorgesehen ist auch ein Brennstoffzellentechnikum. Minister Machnig stellte in Aussicht, dass Thüringen die Investition von 4,4 Millionen Euro komplett trägt. Er verspricht sich davon, zur Entwicklung eines Campus beizutragen, der wiederum die Wirtschaft anlockt. Der erste Investor zeigt bereits Interesse: Das US-Unternehmen Fuel Cell Energy hat mit dem Fraunhofer-Institut eine Firma gegründet, die Brennstoffzellen-Kraftwerke in Europa etablieren und die Technologie verbessern will. In den USA und Asien hat das Unternehmen mit vielen kleinen Kraftwerken bereits 300 Megawatt Leistung installiert. Die Anlagen versorgen Firmen oder Krankenhäuser mit Strom.

"Im Gegensatz zur Solarindustrie, die kam und ging, wollen wir dauerhaft bleiben", sagte Investor Chip Bottone. Zahlen, wie viele Arbeitsplätze er schaffen will, nannte er nicht, zog aber den Vergleich zur Expansion nach Asien: "In Korea sind wir auch mit null Jobs gestartet. Inzwischen sind es mehrere Hundert." Das deutsche Gemeinschaftsunternehmen sitzt momentan in Dresden. Gefertigt wird in einem Vorort von München. "Thüringen bietet uns das beste Paket", bekundete der Unternehmensvorstand das Interesse, zum Hermsdorfer Kreuz umzuziehen.

Das Fraunhofer-Institut will einen Schwerpunkt auf Brennstoffzellen-Systeme legen. "Als Energiespeicher ist das Erdgasnetz besser geeignet als Pumpspeicherkraftwerke", sagte Institutsleiter Prof. Alexander Michaelis. Speisen Windräder und Solaranlagen zu viel Strom ins Netz ein, könne dieser in Brennstoffzellen genutzt werden, um Wasserstoff oder Methan zu erzeugen, der wiederum später als Rohstoff diene.

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