Landwirtschaft: Kein Gepansche bei Futtermitteln im Landkreis Greiz

Landwirte aus der Region lehnen sich angesichts des aktuellen Futtermittelskandals entspannt zurück. Nahrung für die Rinder wird im Wesentlichen in Eigenproduktion hergestellt. Auswirkungen auf Milchpreis befürchtet.

 Wolfram Köber, Chef der Ervema Agrar GmbH, mit Kälbern im Iglu in Clodra. Foto: Katja Grieser

Wolfram Köber, Chef der Ervema Agrar GmbH, mit Kälbern im Iglu in Clodra. Foto: Katja Grieser

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Greiz/Zeulenroda-Triebes. Entspannt lehnen sich die Landwirte aus der Region um Greiz und Zeulenroda-Triebes zurück, sind beruhigt beim Anblick ihrer Rinderherden. Der Futtermittelskandal lässt sie kalt. "Damit haben wir nichts zu tun. Im Wesentlichen stellen wir unser Futter in Eigenproduktion her", sagt Ulrich Mittenzwey, Geschäftsführer der Pöltzschtal Agrar GmbH in Markersdorf. Ein Hektar Land, rechnet er vor, ernähre problemlos eine Kuh. Auf 1000 Hektar Land, die zur Pöltzschtal Agrar gehören, kommen 500 Rinder, davon 280 Milchkühe. "In Niedersachsen sind es auf einen Hektar mitunter über drei Kühe", sagt Mittenzwey und erklärt damit, weshalb dort selbst hergestelltes Futter nicht annähernd ausreichend ist.

Bestimmte Zusätze wie etwa Sojaeiweiß, das wichtig für die Milchproduktion sei, müssen trotzdem gekauft werden. Doch genau wie der Milchhof Albert in Scheßlitz, den die Markersdorfer mit Milch beliefern, der Nachweise und Zertifikate rund um die Milch verlangt, achte Mittenzwey bei den gekauften Futterzusätzen darauf.

Auch Gerd Halbauer muss Eiweißfutter und Soja zukaufen, vertraut sonst jedoch auf Eigenproduktion. Gut 80 Prozent stammen aus heimischer Herstellung, schätzt der Chef der HBG Teichwolframsdorf Agrar GmbH, der sich auf "Gepansche beim Futter" nicht einlässt.

"Ich verwende die Produkte, für die ich selbst meine Hand ins Feuer legen und den Molkereien Rede und Antwort stehen kann", so Halbauer, der auf Zertifikate und ständige Kontrollen hinweist. Die Milch von rund 300 Kühen liefert er an die Deutsche Milchkontor GmbH, die schon beim Vertragsabschluss darauf achte, ob ein Unternehmen zertifiziert ist. "Den Kontrollen stellen wir uns gern", betont Gerd Halbauer.

Auch Wolfram Köber sprach gestern bei einem Betriebsbesuch von Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) in der Milchviehanlage Clodra das Thema Futtermittelskandal an. Der Geschäftsführer der Ervema Agrar Gesellschaft Wöhlsdorf mbH, die die Clodraer Anlage 2006 übernommen hat, ließ wissen, dass hiesige Landwirte zwar mit verseuchtem Futtermittel nichts zu tun hätten, aber "oftmals die Leidtragenden sind".

Bis zu 95 Prozent des Futters stelle die Ervema selbst her, ist also auf Zukäufe kaum angewiesen. Damit sichert sich das Unternehmen, das im Verbund mit der Agrarhandelsgesellschaft Aumatal mbH sowie der Ravesta Rapsverarbeitungsgesellschaft Staitz mbH arbeitet, eine gewisse Unabhängigkeit und Stabilität bei der Kostenplanung. Schwankungen bei den Futtermittelpreisen machen der Ervema kaum zu schaffen. Doch Köber befürchtet, dass der aktuelle Skandal sich auf die Milchpreise auswirken könnte – davon wiederum wären auch die Milchproduzenten der Region betroffen.

Dabei habe der Milchpreis dem Ervema-Chef bereits im vergangenen Jahr Sorgen bereitet. Knapp elf Millionen Liter haben die über 1300 Milchkühe im vergangenen Jahr gegeben. "Unsere Kühe geben ’nur’ 8000 Liter pro Jahr, nicht 11 000. Dafür sind die Tierbestände gesünder", sagt Wolfram Köber, der viel Wert darauf legt, dass es seinen Rindern gut geht. "Uns ist auch nicht bange, wenn das neue Tierschutzgesetz kommt. Dessen Anforderungen haben wir schon jetzt mehrfach erfüllt, unsere Kühe haben das Drei- bis Vierfache an Platz", sagt er.

Während die Milchproduktion im Vorjahr ein wenig Sorgenkind war, lief es dafür beim Rindfleischverkauf, in der Getreideproduktion und im Bereich Energie ausgesprochen gut, freut sich Köber. Sein Unternehmen betreibt mehrere Biogasanlagen, so in Staitz und Niederböhmersdorf, in Auma und in Clodra. Die Abwärme in Staitz werde nicht nur in Ervema-Ställen genutzt, sondern zudem im Agrarhandel und in 29 Haushalten. In 29 Clodraer Häusern wird es dank der Ervema-Anlage warm, in Auma und Niederböhmersdorf sind derzeit entsprechende Wärmenetze im Entstehen. "In Clodra erzeugen wir zudem Strom für 4000 Haushalte", informiert Wolfram Köber, der allerdings darauf hinweist, dass die ständigen politischen Neuerungen im Energiesektor für eine große Verunsicherung unter den Bauern sorgen. "Das macht der gesamten Branche zu schaffen", sagt der Ervema-Chef.

Der Geschäftsführer weist darauf hin, dass gerade durch das Engagement der Landwirte im Energiebereich Arbeitsplätze geschaffen werden. So habe er in den letzten drei Jahren vier neue Mitarbeiter für die Betreibung der Biogasanlagen einstellt. "Jetzt soll ein Elektroniker ausgebildet werden", lässt Köber wissen. Ein Beruf, der früher in Landwirtschaftsbetrieben nicht typisch war. Die häufig diagnostizierten Nachwuchssorgen habe die Ervema keine, was Landrätin Martina Schweinsburg unter anderem darauf zurückführt, dass das Unternehmen Partner bei Schule/Wirtschaft ist, so Kontakt zu Regelschulen in Auma und Triebes sowie zum Gymnasium in Weida hat

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