Mehr Stunden für Freibad-Gäste in Schmölln

Schmölln  Dank Schwimmverein „Seeteufel“ können Schmöllner Stadtwerke Öffnungszeiten aktualisieren. Personalproblem weiter akut

Blick auf das Schmöllner Freibad .

Blick auf das Schmöllner Freibad .

Foto: Jana Borath

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Noch gestern Vormittag sah es gut aus für die aktualisierten Öffnungszeiten des Schmöllner Freibades. Stadtwerkechef Severin Kühnast hatte in den vorangegangenen Tagen den Dienstplan der Tatami-Mitarbeiter so umgestellt, dass sogar die Frühschwimmer zum Zuge hätten kommen können. Die sollten mittwochs ab 7 Uhr im Freibad – oder bei schlechtem Wetter im Hallenbad – ihre Runden schwimmen können. Dank des Schwimmvereines „Seeteufel“ war das gelungen, die zwei geeignete Helfer zur Verfügung stellen.

Doch um 13 Uhr hatte diese Alternative ihre Basis verloren. Zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass eine weitere Angestellte des Sport- und Freizeitbades Tatami – zusätzlich zu den bereits langzeitkrank Gemeldeten – für längere Zeit ausfällt.

Das Frühschwimmen mittwochs ist damit wieder passé, dennoch bieten die Stadtwerke ab kommenden Samstag, 1. Juni, längere Öffnungszeiten für das Freibad an. Diese Stundenzahl weitet sich von ursprünglich 42 auf 48 aus.

Dass das möglich ist, ist laut Kühnast dem Schwimmverein „Seeteufel“ zu verdanken. „Er hat in den eigenen Reihen nachgefragt, zwei seiner Mitglieder mit Ausbildung zum Rettungsschwimmer haben sich bereit erklärt.“ Dabei handelt es sich um eine Abiturientin und einen Auszubildenden.

Die Stunden, die die beiden jetzt im Freibad Schmölln arbeiten wollen, wurden in den Dienstplan der Freizeiteinrichtung eingepflegt und mit den Arbeitszeiten der dortigen Mitarbeiter abgestimmt.

Um die Personalnot bei den aktuellen Ausfällen zu kompensieren, wird Kühnast diverse Stellenausschreibungen jetzt nochmals neu auflegen. „Wir haben zwei Stellen, die wir zeitnah besetzen möchten“, erläutert er. Gesucht werden Fachangestellte für Bäderbetriebe. Außerdem wird für das Tatami-Bistro ein Koch gesucht. Aber das könne man auch über eine Leiharbeitsfirma lösen, so Kühnast weiter.

Eine europaweite Stellenausschreibung für die Fachangestellten für Bäderbetriebe – wie sie jüngst auf der Einwohnerversammlung zum Thema Freibad vorgeschlagen wurde – hält er für einen sehr guten Ansatz. „Ich bin gerade bei der Recherche, wer so etwas vermitteln könnte. Fakt ist, dass ich beispielsweise Leute aus Spanien liebend gern beschäftigen würde. Das Sprachproblem bekommen wir sicher in den Griff.“ Auch hätten Quereinsteiger, die sich für eine Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe interessieren, bei ihm im Schmöllner Tatami eine realistische Chance.

Ein solcher Fachabschluss sei unabdingbar für einen Freibadbetrieb wie den in Schmölln. Per Richtlinie sind die Betreiber verpflichtet, zum einen die Wasserrettung mit Rettungsschwimmern sowie zum anderen die Betriebssicherheit sicherzustellen, wobei es um den Umgang mit Chlor, um ph-Werte des Wassers, um die Sicherheit der technischen Anlagen und vieles andere mehr geht. „Ich muss das nachweisen, dass da dauerhaft ein Fachmann da ist“, so der Stadtwerkechef.

Deshalb könne dies auch nicht in die Verantwortung von Rettungsschwimmern gelegt werden. Allerdings sieht Kühnast inzwischen auch Handlungsbedarf hinsichtlich der Gesetzlichkeiten.

Richtlinie geht an der Realität vorbei

Es gebe zwar einen Intensivkurs von zwei Monaten, in dem man zum Fachangestellten für Bäderbetriebe werden kann. Allerdings muss derjenige zuvor vier Jahre am Stück in einer Badeanstalt gearbeitet haben. „Das ist Pflicht“, schüttelt er über diese Richtlinie den Kopf, die seiner Meinung nach an der Realität komplett vorbeigeht. „Es wundert mich nur, dass kaum ein Badbetreiber dagegen Front macht, um das aufzuweichen."

Im Tatami habe er drei sehr ambitionierte Mitarbeiter, die in diese Richtung gehen wollen. Seit November 2018 sind sie als Rettungsschwimmer beschäftigt: „Jetzt warten wir gemeinsam, bis die vier Jahre überstanden sind und sie sich weiter qualifizieren können.“ Dem Vorschlag aus der Informationsveranstaltung am Donnerstagabend, das Hallenbad zugunsten des Freibades in der Sommersaison zu schließen, findet Kühnast einerseits gut. „Das würde uns personell sehr entlasten. Auch das Freibad für die Saunabesucher zu öffnen, wäre kein Problem“, sagt er. Andererseits bekommt er Zweifel, wenn er auf die Umsätze schaut. Das Hallenbad wird laut Stadtwerkechef auch in den Sommermonaten intensiv genutzt. „Selbst im Supersommer 2018 war hier reger Betrieb. Ich habe selbst gestaunt.“

Deutlich werde dies durch die Statistik. Durchschnittlich 15.500 Gäste werden in einer Sommersaison von Mai bis September im Schmöllner Freibad gezählt. Dem gegenüber stehen rund 21.000 Gäste, die sich in diesem Zeitraum im Tatami-Hallenbad tummeln. Womit das Hallenbad im Sommer immer noch mehr Umsatz bringe, als das Freibad. „Würden wir diese Einnahmequelle kappen, würde sich das auf die Höhe des Zuschusses niederschlagen, den der Freibadbetrieb Jahr für Jahr benötigt.“

Meine Meinung: Jana Borath über Theorie und Wirklichkeit

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten des Schmöllner Freibades ab 1. Juni: Montag geschlossen (Saisonkartenbesitzer können kostenfrei im Altkirchener Freibad schwimmen), Dienstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 19 Uhr offen.

Öffnungszeiten bisher: Montag geschlossen (Saisonkartenbesitzer können kostenfrei im Altkirchener Freibad schwimmen), Dienstag bis Donnerstag jeweils 12 bis 18 Uhr, Freitag 13 bis 20 Uhr, Samstag 11 bis 20 Uhr, Sonntag 11 bis 19 Uhr.

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