Nachricht aus Bundeskanzleramt: Mitte-Deutschland-Verbindung soll doch elektrifiziert werden

Tino Zippel
| Lesedauer: 2 Minuten
Zwei Züge warten am Hauptbahnhof Gera auf die Abfahrt.

Zwei Züge warten am Hauptbahnhof Gera auf die Abfahrt.

Foto: Tino Zippel

Gera.  Eine Intervention beim Bundeskanzler bringt eine gute Nachricht für die Zugstrecke zwischen Weimar, Jena, Gera und Gößnitz.

Nach der Hiobsbotschaft in Sachen Mitte-Deutschland-Verbindung kommt nun Rückenwind direkt aus dem Bundeskanzleramt, dem Kanzler Olaf Scholz (SPD) vorsteht. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) erhielt nach Informationen unserer Zeitung die Zusicherung, dass am Ausbau der Mitte-Deutschland-Schiene festgehalten werde und dieser im Interesse der Bundesregierung liege.

Das Bundeskanzleramt sehe den Ausbau der Mitte-Deutschland-Verbindung weiter als prioritäres Projekt und wolle in der kommenden Woche die entstandenen Irritationen mit der Deutschen Bahn ausräumen. Man gehe davon aus, dass die Deutsche Bahn entsprechende Stellschrauben drehe, um letztlich doch die Elektrifizierung der Strecke auf den Weg zu bringen, hieß es.

Nutzen-Kosten-Verhältnis im nicht rentablen Bereich

Am Donnerstag war beim Land die schlechte Nachricht für Ostthüringer Bahnkunden eingegangen, wonach die Elektrifizierung der Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen Weimar, Jena, Gera und Gößnitz infrage steht. Wie die Deutsche Bahn intern dem Infrastrukturministerium mitgeteilt hatte, habe ein Gutachten ergeben, dass das Nutzen-Kosten-Verhältnis des Streckenausbaus auf 0,7 gesunken sei. Hintergrund sei, dass sich die kalkulierten Baukosten für das Projekt von 300 auf 600 Millionen Euro erhöht haben. Erforderlich für eine Finanzierung ist ein Faktor von mindestens 1.

Der Bund hatte gegenüber dem Land ursprünglich die Finanzierung der Elektrifizierung zugesichert. Das Land Thüringen wollte im Zuge des Ausbaus aber auch die eingleisigen Abschnitte zwischen Stadtroda-Papiermühle und Hermsdorf-Klosterlausnitz und zwischen Töppeln und Gera auf zwei Gleise ausbauen lassen, was Zusatzkosten von 130 Millionen Euro verursacht.

Breite Unterstützung für das Projekt

Politiker vieler Parteien hatten bestürzt auf die Absage seitens der Deutschen Bahn reagiert und angekündigt, um das Projekt kämpfen zu wollen. Thüringen ist auf den Oberleitungsbau angewiesen, da die Bahnnetze fest auf eine Umstellung auf elektrischen Betrieb zum Ende des Jahres 2028 ausgeschrieben sind. So läuft im Ostthüringennetz, für das gerade eine europaweite Ausschreibung gestartet ist, die Regionalbahn-Linie von Erfurt nach Gera mit Dieseltriebwagen zu diesem Zeitpunkt aus.

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