Neues Software-Unternehmen in Jena: Mehr Bewegungsfreiheit in 100 Arzt-Praxen

Das neu gegründete Jenaer Softwareunternehmen Zollsoft GmbH vernetzt mit einer selbst entwickelten Software mobile Geräte des Herstellers Apple in der Arztpraxis. Nach nur einem Jahr die 100. Praxis umgestellt.

Johannes Zollmann (links), geschäftsführender Gesellschaft der Zollsoft GmbH Jena, mit seinen Mitarbeitern in den Räumen der Firma im Postcarre Jena. Insgesamt neun Beschäftigte hat das junge Unternehmen inzwischen. Foto: Lutz Prager

Johannes Zollmann (links), geschäftsführender Gesellschaft der Zollsoft GmbH Jena, mit seinen Mitarbeitern in den Räumen der Firma im Postcarre Jena. Insgesamt neun Beschäftigte hat das junge Unternehmen inzwischen. Foto: Lutz Prager

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Jena. Mit so viel Erfolg in so kurzer Zeit hatte Johannes Zollmann nicht gerechnet: Nur ein Jahr nach der Marktreife der in Jena entwickelten Software "Tomedo" stellten er und sein Team Ende vergangener Woche die 100. Arztpraxis auf das neue System um. "Tomedo" vernetzt Ärzte und Mitarbeiter mit dem Praxissystem und ermöglicht ihnen das Arbeiten mit mobilen Geräten der Firma Apple sowohl in der Praxis als auch beim Hausbesuch.

Wie so oft war auch bei dieser Neuentwicklung der Frust über ein nicht funktionierendes System die Triebfeder des Erfindergeistes. Zollmanns Eltern sind beide Ärzte und betreiben im Jenaer Postcarre zwei größere Facharztpraxen für Chirurgie und Hauterkrankungen. Die verfügbare Softwarelösung für die von den Zollmann-Praxen bevorzugten Mac-Computer der Firma Apple schuf in der wachsenden Praxis mit acht Ärzten, 50 Mitarbeitern und 250 Patienten pro Tag allerdings zunehmend Kommunikationsprobleme. Ein halbes Jahr suchte Chirurg Philipp Zollmann nach einem für Apple-Rechner geeigneten Programm. Ohne Erfolg. Fast alle Angebote basieren auf dem Windows-Betriebssystem. Schließlich bat der Mediziner seine beiden Söhne Andreas (35) und Johannes (33) um Hilfe. Beide sind Informatiker und arbeiteten vor drei Jahren in IT-Firmen in Bonn und London.

"Wir dachten, wir bekommen das locker nebenbei in einem Jahr hin", sagt Andreas Zollmann. Das sollte sich als Trugschluss erweisen. Die Apple-eigene Programmiersprache sei dabei noch das kleinste Hindernis gewesen. Die Programmierer mussten vor allem die Anforderungen der Kassenärztlichen Vereinigung für die Abrechnung erfüllen. "Das war dann eine Gratwanderung zwischen Einhaltung dieser Kriterien und einfacher Handhabung", sagt Johannes Zollmann. Die beiden Brüder gründeten die Firma Zollsoft GmbH, in die sie als Chefentwickler Tobias Berg von der Uni Jena holten. Alle drei kennen sich schon seit Schülertagen aus dem Jenaer Carl-Zeiss-Gymnasium.

Vor einem Jahr war es dann so weit. Die inzwischen nach ausführlicher Erprobung durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung zugelassene Software bestand ihre Feuertaufe zunächst in den Arztpraxen der Eltern. "Sie sind auch heute noch unsere Testlabore, denn bei Neuerungen gibt es stets Anfangsfehler zu beheben. Das geht auf kurzem Weg schneller", sagt Johannes Zollmann.

Um die Aufträge und die laufende Fortentwicklung zu sichern ist die Zollsoft GmbH, die ihren Sitz im ausgebauten Keller des Postcarre am Engelplatz hat, ordentlich gewachsen. Neun Programmierer, vier Experten für den Service, zwei Vertriebsmitarbeiter und zwei Studenten gehören zum festen Stamm.

Den Erfolg in seiner Markt­nische führt Johannes Zollmann, der die Geschäfte vor Ort leitet, während sein Bruder weiter in London lebt und arbeitet, darauf zurück, dass viele Ärzte auch privat Apple-Produkte wie das iPhone oder das iPad nutzen und deren Vorteile auch im Praxisalltag nicht missen wollen.

Eine Schwester kann zum Beispiel beim Hausbesuch eines Patienten durch die Kameras in den mobilen Geräten auch bildlich mit der Arztpraxis kommunizieren. "So kann ich als Ärztin rasch beurteilen, ob eine Hautveränderung sofort behandelt werden muss oder ob eine Wunde wie gewünscht abgeheilt ist", nennt Hautärztin Christine Zollmann Anwendungen, die die Arbeit deutlich erleichtern.

Für Johannes Zollmann ist seine Mutter die beste Probandin, um das System noch leichter und intuitiver zu gestalten. Demnächst soll die Software "Tomedo" auch ganze medizinische Versorgungszentren vernetzen. Gedacht ist aber auch an den Einsatz in anderen Gewerben. "Die Verwaltung von Kundendateien und Warenwirtschaftssystemen in anderen Branchen funktioniert mit der Software schließlich genauso", sagt Johannes Zollmann.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren