Onlinehändler Zalando in Erfurt ist Jobmaschine: Viele Mitarbeiter aus Solarbranche

Nach nur einem Jahr arbeiten bei Zalando in Erfurt 1500 Menschen, und das Unternehmen stellt immer noch ein. Zurzeit kommen viele aus der siechenden Solarbranche. Der Geschäftsführer bereut die Entscheidung für Thüringen nicht.

Ein Blick ins Erfurter Logistikzentrum des Onlinehändlers Zalando. Im Bild v.l.n.r: die Zalando-Geschäftsführer David Schröder und Rubin Ritter. Archivfoto: Marco Kneise

Ein Blick ins Erfurter Logistikzentrum des Onlinehändlers Zalando. Im Bild v.l.n.r: die Zalando-Geschäftsführer David Schröder und Rubin Ritter. Archivfoto: Marco Kneise

Foto: zgt

Erfurt. "Zum ersten Arbeitstag hier anmelden" fordern mehrere Schilder und zeigen die Richtung an. Bei Zalando scheint es erste Arbeitstage öfter zu geben als anderswo.

"Wir haben in nur einem Jahr am Standort Erfurt rund 1500 Arbeitsplätze geschaffen und stellen immer noch ein", bestätigt Zalando-Logistikgeschäftsführer David Schröder. Europas führendes Online-Handelsunternehmen für Mode sucht neben weiteren Lagerhelfern Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Haustechniker, Ingenieure, Qualitätsmanager und Teamleiter. Und IT-Spezialisten, die seien besonders schwer zu finden. Schröder ist optimistisch, die 2000-Mitarbeiter-Marke im Güterverkehrszentrum (GVZ) Erfurt-Vieselbach in absehbarer Zeit zu knacken.

Solche Firmengeschichten hat es vor dem Internetzeitalter nicht gegeben. Erst vor fünf Jahren in Berlin als Online-Shop für Schuhe gestartet, ist Zalando nun auch mit Fashion, Sportartikeln und Kleinmöbeln vertreten, inzwischen in 14 europäischen Ländern. Das erste eigene Logistikzentrum entstand 2011 in Brieselang, den nächsten Riesen-Kleiderschrank schickt die Firma Anfang August in Mönchengladbach in die Testphase.

Erste Arbeitsverträge entfristet

Im TV-Spot schreien die Leute vor Glück. "Das bewerben wir nicht nur, daran glauben wir auch", versichert Schröder. Vertrauen und Zufriedenheit, das bezieht er nicht nur auf Millionen Kunden, sondern ebenso auf die Mitarbeiter.

8,50 Euro Stundenlohn mindestens - das war eine der Forderungen von Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD), bevor er die Thüringer Ansiedlung unterstützte. Zalando zahlte für einfache Tätigkeiten 8,53 Euro und ist jetzt bei Einstiegslöhnen von 8,79 Euro die Stunde. Es gibt keinen Tarifvertrag, aber betriebliche Altersvorsorge, vermögenswirksame Leistungen, von der Firma gestützte Kantinenversorgung, Mitarbeiter­rabatte und subventionierte Job­tickets für den Nahverkehr.

Auf die Bushaltestelle mit dem Firmennamen ist Standortleiter Daniel Behlert besonders stolz. "Unsere Mitarbeiter kommen nicht nur aus der näheren Umgebung", sagt er, eine Werklinie fahre über Weimar bis Apolda. Mit dem Auto kämen etliche auch aus Jena oder aus der Gothaer Richtung über die A4.Viele konnten bei Zalando ihre Arbeitslosigkeit beenden.

Im Moment seien es vor allem die geschassten Arbeitnehmer aus der siechenden Solarbranche. Ansonsten finde sich fast alles auf den Bewerberlisten, vom Gastronomen über Bauleute bis zur Friseuse. Wer zum Unternehmen passt, hat Übernahme- und Aufstiegsmöglichkeiten.

Nach einem Jahr in Erfurt hat Zalando die ersten 120 Arbeitsverträge in unbefristete umgewandelt. Auch Zeitarbeiter, die hier maximal zu zehn Prozent eingesetzt sind und die gleiche Entlohnung erhalten wie die eigene Belegschaft, werden gern übernommen. In Spitzenzeiten gab es schon mal hundert Neueinstellungen pro Woche, erzählt Behlert. Die Fluktuation liege unter zehn Prozent.

Erfurt ist das auf 120.000 Quadratmetern ausgebaute Logistikzentrum der Firma und soll es auch bleiben. David Schröder lobt Verwaltungsbehörden und Arbeitsagentur für ihr unkompliziertes Mitwirken bei der Ansiedlung: "In vier Wochen die Baugenehmigung zu haben, das war schon rekordverdächtig." Und dass mit dem DHL-Paketzentrum in Nohra der Hauptdienstleister ganz in der Nähe ist, sei schon ­Luxus.

Gleich gegenüber im GVZ Erfurt steht die verlassene Halle von Bosch-Solar. Zalando hat eine ganze Etage gemietet.