OTZ-Gala in Gera: Heimliche Champions der Ostthüringer Wirtschaft ins Scheinwerferlicht gestellt

Gera  OTZ verleiht den Preis: „Unternehmen in Ostthüringen 2015“: Der Jurypreis geht an Bluechip Computer aus Meuselwitz. Hubert Wolf hatte sich 1991 mit seiner Frau selbstständig gemacht – inzwischen gehört das Unternehmen zu den Großen im Altenburger Land. Den Leserpreis gewinnt die Firma Oldenburg Fenster, Türen & Design in Pößneck. Direkten Kontakt zu den Kunden, hochwertige Qualitätsprodukte und viel persönliches Engagement, so die Erfolgsstrategie.

Hervorragende Leistungen von Ostthüringer Unternehmern widergespiegelt: Im IHK-Bildungszentrum Gera werden die Ostthüringer Hidden Champions von der OTZ empfangen. Zwei von ihnen wurden als „Unternehmen in Ostthüringen des Jahres 2015“ ausgezeichnet. Foto: Tino Zippel

Hervorragende Leistungen von Ostthüringer Unternehmern widergespiegelt: Im IHK-Bildungszentrum Gera werden die Ostthüringer Hidden Champions von der OTZ empfangen. Zwei von ihnen wurden als „Unternehmen in Ostthüringen des Jahres 2015“ ausgezeichnet. Foto: Tino Zippel

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Jurypreis: Auf der Bühne bei der Preisverleihung plaudert Hubert Wolf aus dem Näh­kästchen. Der Vorstandschef von Bluechip Computer verrät nicht nur, dass er ein leidenschaftlicher Modellbahner und Koch asiatischer Speisen ist. Sondern auch, wie sein Unternehmen gegen die asiatischen Computerbauer bestehen kann.

„Die Kunden wollen ihre Rechner auf ihre individuellen Bedürfnisse zuschneiden, aber nicht lange auf die Lieferung warten“, sagt Wolf. Darin bestehe die Chance für einheimische Unternehmen, durch Schnelligkeit und gute Qualität zu punkten. Und so fertigt die Bluechip Computer AG jedes Jahr über 80 000 Computer und setzt 150 Millionen Euro um.

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Der Mittelständler zählt über 300 Mitarbeiter und gehört damit zu den großen Arbeitgebern im Altenburger Land. „Wir hatten eine Idee, die wir noch heute umsetzen: Wir produzieren auftragsbezogen Computersysteme mit einer hohen Zuverlässigkeit und einer geringen Ausfallquote“, berichtet Wolf, der sich schon zu DDR-Zeiten für Elektronik interessiert hatte.

Wolf und seine Frau Brit wagten es 1991, sich selbstständig zu machen. „Wir haben eine Marktlücke erkannt“, sagt der Firmengründer. Sie begannen in einer Wohnung in Altenburg, zogen aber schnell in eine Gewerbeimmobilie nach Meuselwitz. Bald sollte sich zeigen, dass es eben nicht genügt, Rechner aus Komponenten zusammenzubasteln. „Der Kunde braucht auch einen Monitor und eine Tastatur dazu“, sagt Wolf, der deshalb eine Abteilung mit Handelsware aufbaute. „Die bringt guten Umsatz, allerdings nur geringe Margen.“

Gemeinschaftswerk vieler fleißiger Hände

Heute gehört Bluechip zu den größten deutschen Computerbauern. „Die Entwicklung zu dieser Größe schafft nicht einer allein, sondern sie ist ein Gemeinschaftswerk vieler fleißiger Menschen, die ihre Ideen eingebracht haben“, sagt Wolf. Durch geschickte Zukäufe sicherte sich der Unternehmer das Endkundengeschäft über die Internetplattform one.de. Hier können Endverbraucher ihre Computer Komponente für Komponente nach ihren Wünschen zusammenstellen.

Großen Wert legt Bluechip auf die Verbundenheit mit der Region. Das Unternehmen fördert Leistungssport. So stehen viele Spieler des ZFC Meuselwitz auf der Gehaltsliste des Mittelständlers. Anders als bei anderen Vereinen arbeiten die Fußballer wirklich: Sie zählen zu den Beschäftigten im Vertrieb, der Fertigung oder im Lager, bekommen aber Freiräume fürs Training – sie sind Teil der Erfolgsgeschichte von Bluechip.

Dass die Mannschaft den Klassenerhalt in diesem Jahr nur ganz knapp geschafft hat, stört Wolf zwar. „Betriebswirtschaftlich gesehen ist es aber günstig, weil wir Prämien sparen“, sagt der Unternehmer und lächelt.

Leserpreis: Uwe Oldenburg von den Lesern gewählt

Als Uwe Oldenburg vor gut einem Jahr die OTZ einen Blick hinter die Türen seines Pößnecker Unternehmens „Oldenburg Fenster, Türen & Design“ werfen ließ, hatte der 56-Jährige kaum damit gerechnet, am Ende als Jahressieger aus der Reihe hervorzugehen. Schon elf Mal war das kleine Unternehmen für den Großen Preis des Mittelstandes nominiert. Nun konnten die Leser entscheiden und die sind von der Marke „Oldenburg“ überzeugt.

Anerkennung für das gute Unternehmensklima

Mit großem Abstand bestimmten die Leser online sowie per Zeitungscoupon ihren Gewinner, der sich mit spontaner Siegespose auf der Bühne freute als OTZ-Chefredakteur Jörg Riebartsch ihm die Auszeichnung überreichte. „Das ist eine unserer wichtigsten Ehrungen, wirtschaftliche Preise haben wir schon, hier ging es um die Lesergunst. Der Leserpreis steht für die außergewöhnliche Stellung, die wir bei den Kunden haben. Das ist ein direktes Feedback, auch für die engagierte Arbeit unserer Mitarbeiter“, so Uwe Oldenburg. „Das ist die Anerkennung für die harte Arbeit. Ich habe die Firma aus dem Nichts aus dem Boden gestemmt.“

Was vor knapp 26 Jahren als Ein-Mann-Unternehmen begann, hat sich heute zu einem renommierten Fachbetrieb für Fenster, Türen, Markisen und vor allem Wintergärten entwickelt. Mit dem Schritt in die Eigenständigkeit hat Uwe Oldenburg auch manchen Rückschlag einstecken, sein Unternehmen verkleinern müssen, ging daraus aber gestärkt hervor. Selbst die Wirtschaftskrise habe dem Erfolg der Pößnecker keinen Abbruch getan, betonte Oldenburg. „Vielmehr investieren die Leute in solchen Zeiten in ihr Zuhause und wählen dabei hochwertige Produkte, das kommt uns natürlich zugute.“

Die Firma setzt auf die Qualität ihrer Erzeugnisse, hoch qualifizierte Mitarbeiter und Beständigkeit in den Kundenbeziehungen – und hat mit dem geschützten Namen „Oldenburg“ ein Markenzeichen gegen die Konkurrenz geschaffen. Auf mehr als 20 000 zufriedene Kunden kann der Unternehmer wie er betont zurückblicken.

„Man muss Spaß haben und das Geschäft auch mit der Familie leben, dann kommt der Erfolg. Daher kommen viele Kunden schon in zweiter oder dritter Generation zu uns“, betont der Firmenchef. Und auch regional ist Uwe Oldenburg mit seiner Firma fest verankert, ob als fester Bestandteil der Saale-Orla-Schau oder als Sponsor diverser Veranstaltungen, wie auf der Rennstrecke Schleizer Dreieck.

Mit seinen Zukunftswünschen blieb der 56-Jährige als er ins Rennen um den OTZ-Jahressieg ging noch bescheiden: „Ich möchte einmal sagen können, es hat sich gelohnt, das Risiko als Unternehmer zu tragen, indem ich einmal ein kerngesundes Geschäft übergeben kann.“ Einen Lohn für das Wagnis konnte Uwe Oldenburg am Mittwochabend mit dem OTZ-Leserpreis stolz in den Händen halten.

Alle Firmenporträts der OTZ-Serie "Unternehmen in Ostthüringen" finden Sie hier

Die Nominierten

Starkstromanalagenbau Lobenstein e.G.

Bis zu 30 000 Volt reicht das Spannungsfeld in der Produkt- und Dienstleistungspalette der Starkstromanlagenbau Lobenstein eG. Angefangen von Beleuchtungs- und Blitzschutztechnik über komplette Trafostationen bis hin zu Planung und Steuerungen etwa von Krananlagen.Thomas Neubert und Ute Kießling stehen dem Unternehmen vor, das mit hochwertiger Elektrotechnik 2014 beispielsweise 11,4 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete. Zwölf Auszubildende wie Pascal Ziermann (im Bild) sowie 100 Beschäftigte sorgen unter anderem dafür, dass Schwimmer in Gegenstromkanälen zwischen Bad Lobenstein und Teneriffa ihre Fitness steigern können.

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Bikar-Aluminium GmbH in Korbußen:

Nicht nur der Thüringer Gründerpreis von 2012 oder die 40 Millionen Euro Jahresumsatz stehen für den Erfolg der Bikar-Aluminium GmbH in Korbußen, sondern auch das rasante Wachstum: Mit fünf Mitarbeitern 2009 gestartet, zählt das Unternehmen von Claudia, Pascal und André Bikar mittlerweile 120 Beschäftigte und vier Azubis. Noch dazu handelt es sich bei dem NE-Metallhandel und Produzenten von Aluminium-Gussplatten sowie Präzisionsplatten um ein sehr junges und in der Region verwurzeltes Unternehmen: Der Altersdurchschnitt der Belegschaft liegt bei 31 Jahren. Und fast 90 Prozent der Mitarbeiter sind aus der Umgebung.

Jahn GmbH in Bad Blankenburg:

Eine 1921 gegründetes Familienunternehmen gerät nach der Wende in Auftragsnöte. Eine Geschichte, die man kennt und die oft schlecht ausgeht. In Bad Blankenburg ist sie es aber nicht! Denn Familie Jahn erfindet sich und ihre Tischlerei neu, gründet in den 2000ern eine GmbH und findet zurück in die Erfolgsspur. Mittlerweile haben die Geschäftsführer Tobias und Georg Jahn (im Bild rechts) Kunden in ganz Europa. Die größten heißen: Tank&Rast, Starbucks und Sanifair. 85 Beschäftigte wie Daniel Kalensee (im Bild links) übergeben schlüsselfertige Objekte auf dem ganzen Kontinent und erwirtschafteten zuletzt einen Jahresumsatz von 18 Millionen Euro.

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Vereinsbrauerei Greiz GmbH:

Wasser, Hopfen, Malz und Hefe bilden das Fundament für den Erfolg der Vereinsbrauerei Greiz GmbH und seines Geschäftsführers Thomas Schäfer. Der blickt mittlerweile auf 15 Jahre Bierbrauen in der Residenzstadt zurück. 2006 wurde er schließlich Geschäftsführer und platzierte nicht zuletzt durch Investitionen von 1,1 Millionen Euro die Brauerei unter den Top 150 von rund 1300 Brauhäusern bundesweit. Stündlich laufen hier zwischen 25 000 und 27 000 gefüllte Flaschen vom Band, neben dem bewährten Pils noch acht andere Biersorten. Dafür sorgen derzeit sechs Auszubildende und 38 Mitarbeiter wie Laborantin Katrin Stier

Aumaer Holz- und Imprägnierwerk GmbH:

Ob Zäune für die Zoos in Leipzig und Erfurt oder einen Kletterpark in Leipzig – Egal, die Aumaer Holz- und Imprägnierwerk GmbH sägt, schneidet, fräst und imprägniert das Holz für solche Bauprojekte. Von den beiden Geschäftsführern Frank Ehrenpfordt und Gerhard Seifert (im Bild) geleitet, werden hier jährlich rund eine halbe Million Pfähle und gut  Kilometer Zaun hergestellt. Etwa  Kletterparks wurden gefertigt, gingen nach Münchenbernsdorf und Gera, aber auch bis nach Holland.Die Geschäfte des 1990 als GmbH gegründeten Unternehmens brummen, sodass mittlerweile 38 Beschäftigte und zwei Lehrlinge angestellt sind.

Oberland Metallbau und Bauschlosserei GmbH:

Kann auf der ehemals größten Schweinemastanlage der DDR funktionales Design in modernem Schick entstehen? Ja, das geht. Die Metall-Glas-Fassadenkonstrukteure der Oberland Metallbau und Bauschlosserei GmbH in Weira beweisen das nun schon im 26. Jahr. Das Unternehmen unter Leitung von Steffen, Andreas und Alexander Franz zeichnet unter anderem verantwortlich für das Äußere des Fraunhofer Instituts für Angewandte Optik und Feinmechanik in Jena. 40 Mitarbeiter wie Kevin Elschner (im Bild) bauen Dächer, Lichtkuppeln, Wintergärten sowie Anlagen zum Sonnenschutz und erwirtschaften damit 4,3 Millionen Umsatz im Jahr (Stand 2014).