Parfüm-Flakons aus dem Thüringer Wald: Die Heinz-Glas-Gruppe mit einem Werk in Piesau

Piesau  Es sind nicht nur die großen Namen, die die Unternehmerlandschaft in Ostthüringen prägen und ausmachen. Auch viele kleinste, kleine oder mittlere Firmen leisten Erstaunliches für die Volkswirtschaft. Manchmal sind sogar heimliche Gewinner, sogenannte Hidden Champions, darunter. Die OTZ stellt wöchentlich Betriebe und Dienstleister aus Ostthüringen vor.

Produktion im Glaswerk Piesau.

Produktion im Glaswerk Piesau.

Foto: Thomas Spanier

Es ist eines der ältesten Industrieunternehmen des Landes und auch nach fast 400 Jahren noch in Familienbesitz. 1622 gründete Hans Heintz, ein direkter Vorfahre der heutigen Eigentümer, im thüringischen Piesau, das heute zum Kreis Saalfeld-Rudolstadt gehört, eine Glashütte. Über 15 Generationen wurde das Werk fortgeführt und ist heute mit rund 300 Mitarbeitern der mit Abstand größte Arbeitgeber in dieser strukturschwachen Region Südostthüringens.

Während der DDR-Zeit war das Werk ein „Volkseigener Betrieb“ und wurde 1991 durch die damalige Carl-Aug. Heinz Glashüttenwerke GmbH & Co.KG in Kleintettau übernommen. Von da an wurden umfangreiche technische Modernisierungen vorgenommen, insbesondere die Errichtung einer modernen, mit Erdgas befeuerten Schmelzwanne. Bei der Übernahme des Unternehmens von der Treuhand versprach der neue Eigentümer sieben Millionen D-Mark Investitionen und 90 Arbeitsplätze. Tatsächlich wurden daraus bis heute 143 Millionen Euro Investitionen bei gut 30 Millionen Euro Fördermitteln. Gleichzeitig habe man in den 25 Jahren seit 1991 über 112 Millionen Euro an Steuern und Sozialabgaben in Thüringen gezahlt, so Gesellschafter Carl-August Heinz kürzlich bei der Inbetriebnahme einer fünften Produktionslinie in Piesau, bei der mit einer Investitionssumme von 6,5 Millionen Euro 30 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen wurden.

Heinz-Glas, das seinen Stammsitz im nur wenige Kilometer entfernten oberfränkischen Kleintettau hat, gehört heute zu den Weltmarktführern in der Herstellung und Veredelung von Glasflakons und Verschlüssen für die Parfüm- und Kosmetikindustrie. Man betreibt fünf Glashütten in Kleintettau und Piesau, im polnischen Dzialdowo, in der peruanischen Hauptstadt Lima und in Kosamba in Indien. Die sieben Wannen produzieren täglich 400 bis 450 Tonnen Glasprodukte. Hergestellt werden in einem vollautomatischen Produktionsprozess kristallweiß, weiß-opalin oder Farbglas, luxuriöse Flakons mit außergewöhnlichen Designs oder Verschlüsse. Dazu kommen Veredelungsmöglichkeiten wie Mattierung, mehrfarbige Besprühung, Siebbedruckung, Metallisierung, Tampondruck, Lasern und auch Lasergravur, die jedem Flakon eine individuelle Note geben. Zu den Kunden gehören nahezu alle namhaften Parfümhersteller. Die wichtigsten Märkte sind Frankreich und die USA. Südamerika und Asien gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die Exportquote liegt bei über 80 Prozent.

Als Gründungsort eine besondere Bedeutung

Einschließlich der Plastiksparte haben gut 3000 Mitarbeiter weltweit im vorigen Jahr knapp 300 Millionen Euro Umsatz gemacht. Nach Steuern wurde ein Ergebnis von 18,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Zum 1. Juli dieses Jahres hat Carletta Heinz, 33-jährige Tochter des langjährigen Chefs Carl-August Heinz, den Vorsitz der Geschäftsführung des Unternehmens übernommen. Sie möchte die in den 1980er-Jahren begonnene Internationalisierung des Familienunternehmens weiter vorantreiben und neue Märkte erschließen. Ihr Vater steht ihr dabei weiterhin mit Rat und Tat zur Seite.

Piesau, das auch dank kräftig sprudelnder Gewerbesteuern in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten eine sehr gute Entwicklung genommen hat, hat als Gründungsort des Weltunternehmens Heinz-Glas eine besondere Bedeutung nicht nur für das Traditionsbewusstsein der Glasmacher. Auch technisch gesehen hat der Standort mehrere Besonderheiten zu bieten. „Wir produzieren in Piesau Flakons und Tiegel für die Parfüm- und Kosmetikindustrie und betreiben dort einen Färbefeeder, was nicht an allen unserer Glas-Produktionsstätten der Fall ist. Außerdem sind wir dort in der Lage, PCR-Glas (Post Consumer Recycling-Glas) unter Berücksichtigung der sehr hohen qualitativen Ansprüche unserer Kunden zu verarbeiten“, so Ruth Haußner, die Pressechefin des Unternehmens.

Am 18. August 2017 wurde die fünfte Produktionslinie in Betrieb genommen, die auch größere Flaschen herstellen kann, die beispielsweise für den Spirituosen-Markt geeignet sind. Vier Millionen Euro wurden in die Gebäudeerweiterung und 2,5 Millionen Euro in die technischen Anlagen investiert, also die Produktionslinie mit Feeder, Maschine und Kaltende. „Durch die Kapazitätserweiterung können wir unseren Kunden eine zusätzliche Kapazität von circa 40 Millionen Flakons oder Tiegeln pro Jahr anbieten. Diese sind jetzt schon verplant, was zeigt, dass die Investition am Standort Piesau Hand in Hand mit dem Bedarf unserer Kunden erfolgte“, so Haußner.

Eine Opalglaslinie, die es bis vor ein paar Jahren in Piesau gab, hat jetzt einen neuen Standort in Polen.

Das Unternehmen in Ostthüringen

Name: Heinz-Glas KGaA

Standort: Piesau, Hauptsitz Kleintettau

Geschäftsführer: Carletta Heinz (seit 1. Juli 2017), davor Carl-August Heinz

Umsatz: 299,8 Millionen Euro (2016), 290,7 Millionen Euro (für 2017 geplant)

Beschäftigte: In der Heinz-Gruppe 3093 im Jahr 2016, davon aktuell 280 am Standort Piesau

Auszubildende: 83 weltweit, 63 in Deutschland, davon sieben in Piesau

Produkte: Glasflakons für die Parfüm- und Kosmetikindustrie, Kunststoffbehältnisse und -verschlüsse

Internet: www.heinz-glas.com

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